33 Tourenski im Test

Rocker-Technologie und breite Ski: Die Tourenski-Trends der aktuellen Saison

Rocker-Technologie und üppige Skibreiten – das sind die Trends der aktuellen Saison. Galt vor wenigen Jahren noch eine Skibreite knapp über 70 Millimeter unter Bindung als das goldene Maß für Allroundtourer, so tendieren die meisten Modelle im Test eher zu einer üppigeren Taille um die 80 Millimeter.
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Die Vorteile des Breitenzuwachses liegen auf der Hand. Diese Ski bieten bei gleicher Länge mehr Auftriebsfläche. Dadurch schwimmen sie nicht nur im Tiefschnee besser auf, sondern brechen auch im Bruchharsch nicht so leicht ein. "Das bringt Routiniers mehr Abfahrtsspaß, erleichtert aber auch Tourenneulingen das Fahren im Gelände", bestätigt Tester Christian Knab. "Mit einem Dynafit Baltoro, Fischer X-Pression oder auch Kästle TX 77 kommt einfach jeder zurecht."

Wer noch mehr Wert auf eine schöne Abfahrtsperformance legt, packt in der Breite sogar noch eine Schippe drauf. Zwischen 84 und 92 Millimeter sind diese abfahrtsorientierten Tourer breit. Sie erlauben flotte Geländeritte und bieten wie zum Beispiel der Scott Crus‘Air oder der Völkl Amaruk im Tiefschnee echtes Surffeeling.

"Dabei fallen diese Modelle gemessen an der Breite immer noch sehr leicht aus", wundert sich Michi Knab angesichts des nur 2790 Gramm schweren Völkl. "Damit bekommt man auch einen 1000 Höhenmeter-Anstieg noch ganz locker hin."

Rocker-Technologie erobert Tourenski-Segment

Doch ob schmal oder breit, die neuen Tourenski rocken – zumindest mehr als die Hälfte aller Testmodelle – und geben sich dabei genauso revolutionär und andersartig wie die Rolling Stones zu ihren besten Zeit. Nein, es ist nicht der neue Klang der Ski auf dem Schnee, es ist ein neues Skidesign, das im Tourensegment für Furore sorgt – Rocker-Technologie genannt. Es stellt im Grunde nichts anderes dar als eine Skiaufbiegung, die sich weit von der Schaufel in Richtung Bindung zieht.

Vorreiter dieser neuen Skigeneration waren der Atomic Aspect und der K2 Wayback. Sie punkteten schon im letzten Jahr mit ihrem Rocker-Style. Viele haben jetzt nachgezogen – mit Erfolg. Neun der 15 Topempfehlungen in diesem Tourenskitest gehen an Modelle mit Rocker-Technologie – mit dabei sowohl Aufstiegstourer wie der Atomic Descender als auch Allrounder wie der Hagan Skyraider.

Was die neuen Rockerski auf Tour so besonders macht? "Sie fahren sich im Gelände deutlich einfacher – speziell, wenn die Verhältnisse anspruchsvoll sind. Sie drehen leichter, verschneiden nicht und gleiten geschmeidiger durch den Tiefschnee" erläutert Tester Peter Hatzl das neue Fahrfeeling. "Neben dem Leichttrend ist das für mich die wichtigste Skiinnovation der letzten Jahre."

Foto: planetSNOW Tourenski Test 2012 Rocker-Technologie Grafik

Vergleich: Ski-Aufbiegung

Was ist ein Rocker-Ski?

Bei unbedarften Betrachtern weckt die Rocker-Technologie den Eindruck, als sei der Ski vorne gestaucht, doch dem Fahrer im Gelände verheißt ein Rocker ein neues Ski-Erlebnis. Die Ski sind wendiger, lassen sich mit weniger Kraftaufwand steuern, und sie heben auch bei langsamem Speed die Spitze leichter aus dem Schnee. Selbst der Bruchharsch verliert so etwas von seinem Schrecken.

Herausforderung für die Konstrukteure ist es, einen guten Kantengriff bei Rocker-Ski zu garantieren. Die Wurzeln der Rocker-Technik finden sich bei den breiten Freeride-Ski, doch auch auf der Piste hält die Rocker-Technik langsam Einzug.

Grafik
1 TIP-ROCKER
Rocker-Tourenski besitzen nach der Skispitze eine Aufbiegung, die sich weit in Richtung Bindung zieht. Vorteile: leichte Drehbarkeit, besseres Aufschwimmen.

2 FLAT-SHAPE
Die minimale Vorspannung sorgt für Grip im harten Schnee, reduziert aber durch die längere aktive Kantenlänge im Schwungansatz die Drehfreudigkeit.

Doch ein Rocker allein macht nicht glücklich. Entscheidend ist, dass der Ski den richtigen Einsatzbereich abdeckt. Er muss zu den Tourenvorlieben und dem Können des Fahrers passen – zum Beispiel eher aufstiegsorientiert oder vielleicht doch mehr der Freeride-Fraktion zugewandt.

07.03.2012
Autor: Olaf Beck
© planetSNOW
Ausgabe 01/2012