Ski-Bindungen von Frauen sind häufig falsch eingestellt

Foto: Zillertal Arena Abfahrt_by_Johannes Sautner Zillertal Arena Oesterreichs laengste Talabfahrt Zell am Ziller
Skibindungen würden häufig deutlich zu fest eingestellt, kritisieren Sportwissenschaftler aus Österreich im British Journal of Sports Medicine.

Ski-Bindungen von Frauen lassen bei Stürzen nicht genügend Spielraum. Das könnte einer der Gründe dafür sein, dass Frauen sich doppelt so oft beim Skifahren das Knie verletzen wie Männer und sogar dreimal so oft das vordere Kreuzband reißen.

Gerhard Ruedl und Martin Burtscher von der Universität Innsbruck haben in den vergangenen Jahren die Sportverletzungen von 1.300 Freizeitfahrern analysiert. Dabei zeigte sich, dass ein Drittel aller Verletzungen das Knie betreffen - und sich bei vielen Unfällen die Bindung nicht öffnete. 51 Prozent der Frauen berichteten davon, dass die Bindung geschlossen blieb, bei den Männern waren es hingehen "nur" 32 Prozent.

Im Wesentlichen basiert die Bindungseinstellung nach der ISO-Norm 11088 auf Selbstangaben zum Körpergewicht und auf dem Ski-Können. Ersteres wird als Indikator dafür angesehen, mit wie viel Kraft die Bindung ausgelöst werden kann. Deshalb kann - basierend auf der Norm - die Bindung einer 1,67 Meter großen und 67 Kilogramm schweren Frau genauso fest eingestellt werden wie die eines 1,78 Meter großen und 78 Kilo schweren Mannes.

Allerdings wird bei einer solchen Rechnung nicht berücksichtigt, dass Frauen generell ein geringeres Verhältnis von Gewicht zu Kraft haben als Männer, weil ihr Fettanteil prozentual höher und ihr Anteil an Muskelmasse geringer ist.

Zusätzlich lässt die Angabe des Fahrvermögens viel Raum für Fehleinstellungen. Zwar überschätzen Frauen ihr Können auf der Piste nicht so oft wie Männer. Wenn Männer wie Frauen vor der Einstellung angeben, bevorzugt "schnell" skizufahren, unterscheidet sich ihr Tempo jedoch um durchschnittlich bis zu zehn Kilometer pro Stunde.

Die Sportwissenschaftler empfehlen zumindest für Anfänger und leicht Fortgeschrittene, den Geschlechterfaktor bei der Bindung zu berücksichtigen. Schon nach der aktuellen Norm könne jeder Skifahrer eine um 15 Prozent reduzierte Bindungseinstellung verlangen, so Ruedl. Allerdings sei diese Option in der Bevölkerung kaum bekannt."

25.01.2018
Autor: Dörte Neitzel
© planetSNOW