Österreichische Ski-Legenden unter Missbrauchsverdacht

Foto: Von Trysil from Trysil, Norway - Høgegga Renn- og Treningssenter i Trysil, CC BY 2.0 Improvisiert: Aksel Svindal leiht sich Ski von deutschem TV-Moderator
Der Missbrauchsskandal im österreichischen Ski-Leistungssport weitet sich zum Start der Olympischen Spiele in Südkorea aus. Weitere Skifahrerinnen beschuldigen einflussreiche Trainer und Funktionäre.

Kurz vor den Olympischen Spielen in Südkorea wird die Wintersport-Nation Österreich von einem Missbrauchsskandal erschüttert. Wie die "Süddeutsche Zeitung" schreibt, berichten mehrere Frauen von schweren sexuellen Übergriffen und Vergewaltigungen durch Trainer, Serviceleute und Funktionäre. Die Vorfälle sollen sich in Leistungskadern und in Ski-Internaten zugetragen haben. Die Anschuldigen reichen von sexueller Nötigung bis hin zur Vergewaltigung.

Zum Teil sollen die Fälle dem Bericht zufolge schon 50 Jahre zurückliegen. Aber die Beschuldigten seien bekannte Persönlichkeiten, auf denen "die Ski-Nation ihren Namen aufgebaut hat", so die SZ.

Namentlich nennt die Zeitung Karl "Charly" Kahr, einen der erfolgreichsten Trainer des Österreichischen Ski-Verbandes (ÖSV). Auch der dreimalige Olympiasieger Toni Sailer, der 2009 verstarb, soll dem Bericht zufolge bei einem Übergriff dabei gewesen sein.

Der einstige Star-Trainer Kahr soll Ende der 1960er-Jahre eine damals 16 Jahre alte Sportlerin vergewaltigt haben. Auch eine zweite Skisportlerin berichtet von Übergriffen. Kahr wies die Anschuldigungen über seinen Anwalt zurück. Auch der Österreichische Ski-Verband gab laut dem Bericht an, von den Vorwürfen gegen Kahr nichts zu wissen.

Die ersten Vorwürfe wurden im November öffentlich, als die damals 16-jährige Abfahrtsmeisterin von 1975, Nicola Werdenigg, von Belästigungen und einer Vergewaltigung durch einen Kollegen berichtete. "Wer nicht mitspielen wollte, brachte seinen Startplatz in Gefahr", wird sie von der Tageszeitung "Der Standard" zitiert.

09.02.2018
Autor: Dörte Neitzel
© planetSNOW