Experteninterview mit Rudi Mair - Teil 1

Experteninterview mit Rudi Mair, dem Leiter des Lawinenwarndienstes in Tirol zum Thema Check your line am Kaunertaler Gletscher. Mit Schnee befasst sich der Schnee- und Eisphysiker seit nunmehr 25 Jahren, unter anderem verbrachte er zwischen 1988 und 1990 eineinhalb Jahre auf der deutschen Georg-von-Neumayer-Station in der Antarktis.
Foto: Rudi Mair Rudi Mair im Interview

Rudi Mair warm verpackt in Winter-Klamotten.

Herr Mair, jedes Jahr verunglücken sehr viele Menschen beim Freeriden, einige kommen bei waghalsigen Aktionen sogar zu Tode. Welche Gründe sehen Sie dafür?

Der Hauptgrund ist eindeutig die fehlende, schlechte und ungenügende Tourenplanung. Die wenigsten Wintersportler planen richtig, bevor sie sich ins alpine Gelände begeben. Das ist ein großer und teilweise lebensgefährlicher Fehler.

Was sind die häufigsten Gründe? Unerfahrenheit? Schlechtes Equipment? Gruppendynamik? Übermut? Lust am Risiko oder der Gefahr nach dem Motto no risk, no fun?

Einerseits Unerfahrenheit. Sehr viele Freerider wissen über den Schnee nur: er ist weiß, er ist kalt, auf ihm kann man Ski fahren oder snowboarden. Ein Risikobewusstsein fehlt bei sehr vielen aber völlig. Andererseits sind aber auch erfahrene Wintersportler, die die Gefahr eigentlich kennen, sehr oft von Unfällen betroffen. Gründe dafür sind meist eine falsche Gruppendynamik oder auch eine gewisse Überheblichkeit. Einige denken, der Expertenstatus schützt einen vor Unfällen. Aber auch für Experten gilt die Devise: Experte, pass auf! Die Lawine weiß nicht, dass du Experte bist!

Foto: Rudi Mair Rudi Mair im Interview

Wenn er nicht gerade Lawinen entschärft, nutzt er die Gelegenheit für eine Abfahrt im Powder.

Freeriden, also das Skifahren im freien Gelände, liegt voll im Trend. Damit steigt auch die Gefahr von Lawinenunglücken am Berg. Was kann, oder besser, was muss ein Freerider also können und was muss er beachten, bevor er sich ins Backcountry begibt?

Ein Freerider muss die Grundlagen der Schnee- und Lawinenkunde aus dem FF beherrschen. Besonders wichtig ist die gewissenhafte und umfangreiche Tourenplanung. Voraussetzung für den perfekten Freeride Tag ist die realistische Einschätzung der Lawinengefahr, der Geländebeschaffenheit und der Leistungsfähigkeit der Gruppe. Wer alleine im Backcountry unterwegs ist, sollte sich stets darüber im Klaren sein, dass er bei einer Lawinenverschüttung nicht sofort Hilfe erfährt. Das Risiko alleine zu gehen ist daher groß und daher empfehle ich das keinem.

30.01.2010
© planetSNOW