Die Raumgleiter
Gehören Chamonix oder der Arlberg zu ihren Traumspots? Schweben Sie bei jeder Gelegenheit durch den Tiefschnee, fahren aber auch Piste, wenn draußen mal nichts geht? Dann hat planetSNOW hier genau die richtigen Ski für Sie.

- Ein Traum in weiß: Allmountainski machen im Firn besonders viel Spaß.
Foto: Gabe Rogel
Und nun zum Wetter. Am Mittwoch und Donnerstag fallen im Westen von Vorarlberg bis nach Salzburg noch leichte Schneeschauer. Der Wind weht mäßig aus West. Die Tageshöchsttempertur liegt bei minus drei Grad, auf 2000 Meter um minus 13 Grad. Freitag wird es etwas wärmer und es tritt eine Wetterbesserung ein. Am Samstag und Sonntag setzt sich vielerorts die Sonne durch …
Flory schaltet das Radio aus und grinst zufrieden. Das Wochenende ist für den SAP-Programmierer aus München geritzt – wie eigentlich jedes Wochenende im Winter. Denn Flory ist bekennender Weekend-Ski-Bum. Jeden Samstag setzt er sich in der Früh ins Auto und düst zu seinem Lieblingsspot – nach Hochfügen. Denn das Skigebiet im Zillertal ist eins der Schneelöcher, die ungeahnte Powderfreuden bereithalten, wenn kurz zuvor ein Tiefdruckgebiet seine Wassermassen in kristalliner Form abgeladen hat.
An solchen Tagen träumt Flory von einem richtig fetten Powderski, wie ihn zum Beispiel Shane McConkey in den Skivideos fährt, wenn er die mächtigen Bergflanken in Alaska abreitet.
Aber Flory weiß auch, dass sich sein Skigebiet nur selten in makelloser Schönheit präsentiert. Schließlich kann er auch nicht bei jedem Powderalarm alles stehen und liegen lassen, sondern muss sich den Luxus des Skifahrens hart erarbeiten.
Häufig ist dann am Wochenende die weiße Pracht deftigen Buckelpisten oder harten Pisten gewichen, die mit der Faszination des Powdersurfens in den Videos nichts mehr gemein haben. Und die wenigen Neuschneeflecken, die noch übrig sind, gilt es über lange Pistenzubringer oder eingefahrene Querungen mühsam zu erarbeiten.
Nicht immer gibt's bodenlosen Powder
Ein Aufwand, der sich lohnt, findet er: »Ein perfekter Powderschwung gleicht locker fünf Pistenkilometer aus.« Pisten sind daher für Flory nichts anderes als Zubringer zwischen zwei Powderstücken oder das Ersatzterrain zum Carven, wenn draußen im Gelände wirklich mal gar nichts gehen sollte. Denn einmal nicht auf die Bretter zu steigen, kommt für den Wochenend-Skifreak auf keinen Fall in Frage.
Deshalb hat er sich jetzt einen breiten Allmountain-Ski gekauft – ein Modell für den vornehmlichen Offpiste-Einsatz, dass aber, im Gegensatz zu reinrassigen Powderplanken und fetten Freerideski, auch auf der Piste noch recht gute Kanten- und CarvingEigenschaften besitzt – also eine Art eierlegende Wollmilchsau für Offpiste-Skifahrer. Die Performance-Verteilung solcher offpiste-orientierten Allmountain-Ski liegt etwa bei 70 Prozent im Gelände und 30 Prozent auf der Piste, wobei diese Gewichtung von Modell zu Modell variieren kann.

- Dynastar Legend 8000: starke Carving-Performance.
Die Skibreite bestimmt oft den Fahreindruck
Schon in der Breite unterscheiden sich die breiten Allmountain-Ski deutlich voneinander – von 79 bis 88 Millimeter reichen die Breiten. Das Gros der unserer Testmodelle bewegt sich um die 83 Millimeter. Das reicht locker aus, um Tiefschneehänge mit makellosen Schwüngen zu signieren. Nur wenn der Powder deutlich über Skischuhhöhe steigt, bieten superfette Freeridelatten ein satteres Fahrgefühl.
Aber schon in zerfahrenem Gelände ändert sich das Bild schlagartig. Wo Freerider nervös mit der Schaufel schlagen, schneiden die breiten Allmountainski mit der Präzision eines Lasercutters elegant ihre Turns – selbst aufgesulzte Variantenabfahrten können diese Universalisten nicht beeindrucken.
Noch stärker wandelt sich der Eindruck auf hartem Parcour. Mit sattem Kantengriff zischen die Allmountains über die Piste. Sogar carven geht erstaunlich gut – auch wenn die Radien eher groß ausfallen und somit auf Racecarver-Niveau liegen. Wo eines jedoch sicher ist: Im direkten Vergleich hat selbst der eisgrffigste Allmountain-Ski gegen einen sportlichen Pistenski keine Chance. Trotzdem: gut zu wissen, dass man die vermeindlichen Geländespezialisten sportlich und ohne großen Kraftaufwand auf der Piste bewegen kann.
Kein Wunder also, dass in den USA und Kanada, dem Paradies für Variantenfahrer, breite Allmountain-Ski gerade Hochkonjunktur haben und zu den absoluten Bestsellern in den Shops gehören. Doch auch in europäischen Offpiste-Hochburgen wie Arlberg, Chamonix oder Verbier meldet man deutlich steigendes Interesse.
Doch aufgepasst: »In keiner anderen Skikategorie unterscheiden sich die einzelnen Modelle so stark im Charakter voneinander«, berichtet planetSNOW-Tester Christian Knab von seinen Fahreindrücken. In der Tat setzen die Firmen bei ihren Modellen ganz unterschiedliche Schwerpunkte – mal mehr in Richtung harte Verhältnisse, mal mehr in Richtung Powder. So zeigt der komplett überarbeitete Allmountain-Klassiker Dynastar Legend 8000 zum Beispiel auf der Piste eine Carvingperformance, die einem flotten Allroundcarver zur Ehre gereichen würde. Darüber hinaus lässt er sich trotz seiner vergleichsweisen schmalen 79er-Breite im Gelände ausgesprochen kraftschonend bewegen. Ein echter Allmountain-Alleskönner mit Anti-Stress-Garantie.
Ebenfalls satten Biss in harten Verhältnissen zeigt der Stöckli XXL. Wie ein Racecarver zieht er über hartes Geläuf, brilliert aber auch im Powder. Anders als der wendige Dynastar Legend 8000 frönt er auch dort eher der sportlich-flotten Gangart – ein echter Traumski für versierte Allmountain-Sportler, die ihren ganz persönlichen Piste/Offpiste-Anteil bei etwa 40/60 Prozent definieren würden.
Wer sich noch mehr Offpiste-Performance wünscht, muss in der Skibreite noch eine Schippe zulegen. Der Head Monster zum Beispiel versprüht mit seiner 82er-Breite im Surffeeling pur. Selbst ruppige Verhältnisse meistert er Dank seiner sensiblen Schaufel mit Bravour und begeistert sportliche Fahrer mit enormer Laufruhe – selbst bei hohem Tempo.

- Hot Rod Afterburner: wie auf Schienen durchs Gelände.
Skibreite sorgt im Powder für Auftrieb
Zu den souveränen Schwimmhilfen im Tiefschnee zählt auch der Nordica Hot Rod Afterburner. Er schießt wie auf Schienen durchs Gelände, hält dank seiner 84er-Breite und der gelungenen Balance immer die Nase sauber oben und punktet dennoch mit Eisgriff und Pistenpower. Ein Gesamtpaket, dass nur schwer zu toppen ist.
Außer, man legt noch größeren Wert auf erstklassige Tiefschnee-Eigenschaften. Dann geht kein Weg am K2 Apache Outlaw vorbei. Nicht nur optisch spielt er durch seine fette 88er Tailie in einer anderen Liga, auch die Fahreigenschaften zeugen von seinen Freeride-Genen. Wie auf Wolken schwebt er selbst durch tiefen Powder, gibt sich ausgesprochen geschmeidig und signiert die Hänge mit makellosen Schwunggirlanden – da akzeptiert man gerne, dass die Pistenperformance etwas schwächer als bei den anderen Top-Allmountainski ausfällt. Denn was gibt es Schöneres, als an einem Neuschneetag ein Skigebiet wie Hochfügen zu erkunden, von einer Talseite zur anderen zu wechseln, immer auf der Suche nach der nächsten spannenden Skivariante – genauso wie Flory, der Weekend-Skibum aus München.