Bayern Wintererlebnisse

Aktiv durch den Winter

Foto: iStockPhoto/A. Prott
Entdecken Sie die Facetten des Winters - von Eisstockschießen bis Schlittenfahren!

Eisstock-Meister

Eisstockschießen ist ein traditioneller Wintersport. Und am meisten Spaß macht er mit einem handgefertigten Gerät.

 

Foto: www.bayern.by – Jens Schwarz

Sobald der Frost ein paar Tage lang die Weiher und Seen um das niederbayerische Dorf Kröning fest im Griff hat, zieht es das halbe Dorf hinaus ans Eis, Familien, alte Herren, Jugendliche. Die meisten tragen etwas, das zunächst an einen Kinderkreisel erinnert. Gemeinsam legen sie eine Bahn frei. Mit dabei ist Robert Peisl, ein paar Eisstöcke stehen neben ihm. Der gelernte Maschinenbauer drechselt sie nebenberuflich. "Ich habe eigentlich immer ein, zwei Exemplare auf Vorrat in meiner Werkstatt", sagt er.

Am Ende der Bahn liegt die Daube, ein Holzklotz. Die Spieler, in zwei Teams aufgeteilt, versuchen, ihre Eisstöcke möglichst nah an die Daube gleiten zu lassen. Dass dabei der ein oder andere gegnerische Stock beiseitegeschossen wird, ist Absicht – und absolut regelkonform. Die Sportgeräte nehmen dabei keinen Schaden, denn "einen Eisstock hat man fürs Leben", sagt Robert Peisl. Er benutzt fast nur robuste Esche als Holzkörper, auf den er dann die Bodenplatte klebt. "Dafür verwende ich gerne Birnbaumholz. Es ist sehr hart, nimmt wenig Wasser an und quillt kaum auf." Um die Platte legt er noch einen stabilen Eisenring.

Tee dampft aus Thermoskannen, eine Plätzchendose macht die Runde, Kinder fahren Schlittschuh. Eisstockschießen ist in Niederbayern eine gemütliche Angelegenheit, jenseits von Ehrgeiz und Hektik. Die Menschen aus dem Dorf nutzen die Wartezeiten bis zum nächsten Wurf und tauschen Klatsch aus, reißen Witze. "Früher war Eisstockschießen eine Altherrendomäne. Meine Freunde und ich hatten es schwer, in ihren Kreisen Fuß zu fassen", erinnert sich Robert Peisl. Der 48-Jährige begann mit zwölf, dreizehn Jahren mit dem Sport. Inzwischen ist er eine Institution, hin und wieder bringt man ihm sogar Erbstücke zur Reparatur. "Das sind Menschen, die genau den Eisenring, den ihr Großvater benutzt hat, erhalten möchten." Robert Peisl umfasst den Stil seines Stocks und schießt. Er kreiselt, genau auf die Daube zu.

Info: Robert Peisl fertigt Eisstöcke, Zirbenholz-Schalen und andere hübsche Dinge. Infos und weitere "Heimatgestalter": bayern.by/traditionell-anders

Wasserzauber in Oberbayern

Oberbayerns Flüsse und Seen verströmen im Winter einen unwiderstehlichen Reiz.

 

Foto: Bernd Ritschel

Vorsichtig reckt ein Biber seine Schnurrhaare aus der Isar. Auf der Museumsinsel in München hat er sein Refugium gefunden und taucht auch an kalten Wintertagen nach verborgenen Vorräten auf dem Flussgrund. Zu verdanken haben er und seine Artgenossen den renaturierten Fluss mitten in der Stadt dem "Isar-Plan", nach dem das Wasser zwischen den Grünanlagen "Flaucher" und dem Deutschen Museum auf acht Kilometern wieder strömen darf, wie es will. Kiesbänke entstehen, seltene Vögel kehren zurück – und eben auch der Biber.

Genauso wild und frei fließt die Donau bei Ingolstadt. Wer dem Wanderweg am Fluss entlang folgt, entdeckt eine verwunschene Märchenlandschaft aus Auwald, Nebenkanälen und Teichen. An manchen Wintermorgen gleicht ein Spaziergang hier dem Schritt in einen Fantasyfilm: Dichter Nebel steigt über Fluss und Tümpeln auf, webt geisterhafte Schleier und verbirgt und enthüllt im Wechselspiel unter der Schneelast geduckte Bäume und im Frost erstarrten Schilf. Wenn sich dann die Sonne langsam durch das Grau kämpft, glaubt man sich in eine Kulisse aus dem "Herrn der Ringe" versetzt. Es fehlen nur noch die Elben. Und bei schönem Wetter reizt eine Wanderung über den Tegernseer Höhenweg. Weit schweifen die Blicke über grau-grünes Wasser und schimmernde Eisplatten und finden Halt an den schneegekrönten Bergen am gegenüberliegenden Ufer.

Wer sich indes für gemütliche Wege begeistert, die direkt am Wasser entlangführen, sollte nach Herrsching am Ammersee fahren und über die längste Seepromenade Deutschlands schlendern. Auch hier können Frühaufsteher Biber durch das Wasser paddeln sehen.

Info: Viele Tourentipps, Freizeitaktivitäten & Co. findet man bei Tourismus Oberbayern München e.V. unter www.oberbayern.de

Wintersport in Ruhpolding

Das oberbayerische Ruhpolding steht für erstklassigen Biathlonsport.




Begeisterte Rufe aus 70.000 Kehlen – da gibt selbst der Anwärter auf den letzten Platz alles. Beim Biathlon-Weltcup in Ruhpolding herrscht fünf Tage lang Hochstimmung, in der Chiemgau-Arena, aber auch in den Gassen des Orts. Gemeinsam feiern und gemeinsam anfeuern, lautet das Motto der Biathlon-Fans.

Wer gar nicht verstehen kann, warum so mancher Schuss daneben geht, checkt am besten im Biathlon-Camp des früheren Olympia-Siegers Fritz Fischer ein. Hier schießen die Kursteilnehmer auf die kleinen Scheiben und lernen die korrekte Langlauftechnik. Danach weiß man genau, wie knifflig es ist, außer Atem das Gewehr ruhig zu halten, und feuert die Athleten umso lauter an.

Info: Nächster Biathlon-Weltcup: 10. – 15.01.2017, biathlon-ruhpolding.de. Und wer den Sport einmal selbst ausprobieren will, ist in Fritz Fischers Biathlon-Camp richtig: www.biathloncamp.de

Familien-Spaß

Auf Ruhpoldings Hausberg genießen große und kleine Rodler die weite Aussicht.

 

Foto: Ruhpolding Tourismus GmbH

Vom 1425 Meter hohen Unternberg reicht der Blick an klaren Tagen einerseits nach Ruhpolding und andererseits bis zum Chiemsee. Wer nicht zwei Stunden nach oben stapfen möchte, nimmt einfach die Bergbahn. Wahlweise kehrt man in der Unternbergalm auf einen Germknödel oder einen dampfenden Jagertee ein – oder stürzt sich gleich ins Abfahrtsvergnügen. Auf rund fünf Kilometer Rodelspaß dürfen sich geübte Schlittenfahrer freuen; Kinder fahren besser nicht alleine hinunter. Warum auch – zusammen mit der ganzen Familie ist es meist sowieso viel lustiger.

Info: Der Unternberg bietet nicht nur eine Auffahrt mit der Bergbahn, sondern auch Rodelverleih und gemütliche Einkehr: unternberg.de

Auf richtig dicken Reifen

Ordentlich Grip in Schnee und Matsch – mit Fatbikes fährt man im Winter gut.

 

Foto: Ruhpolding Tourismus GmbH

Strahlend blauer Himmel über dem Kopf, eine gespurte Piste unter den Reifen und neidische Blicke von Fußgängern im Rücken: Flotte Runden mit dem Fatbike zu fahren könnte in Ruh- polding bald genauso zum Wintersport gehören wie die traditionellen Dauerbrenner Langlaufen und Biathlon. Das Biken macht jedenfalls mindestens so viel Spaß wie eine Tour auf den schmalen Brettern: Die Reifen greifen in den Schnee, und weiße Wiesen, dunkle Wäldchen und grau-grüne Bergspitzen fliegen förmlich vorbei.

In Ruhpolding steht außerdem kein Fatbiker vor der Qual der Wahl, ob er lieber im Tiefschnee versinkt oder Spaziergänger gegen sich aufbringt, denn hier darf man ganz offiziell die 50 Kilometer ausgewiesenen Winterwanderwege befahren. Wahrscheinlich wird mancher Wanderer, an dem der Biker vorbeizischt, sich für die nächste Runde auch so ein Fahrrad wünschen. Ein Glück, dass es direkt im Ort zwei Leihstationen gibt.

Info: Neugierig aufs Radeln mit dicken Reifen? Bei den Anbietern fatbike-ruhpolding.de und e-bikeverleih-scheufele.de kann man sich Räder leihen. Allgemeine Infos zu den Wegen stehen auf www.ruhpolding.de. Dort gibt es auch buchbare Angebote wie die "Biathlon-Fanpauschale" und jede Menge Broschüren und Infomaterial zu den Wintersportmöglichkeiten.

Infos vor Ort: Ruhpolding Tourismus GmbH
Abteilung Reisebüro
Hauptstraße 60, 83324 Ruhpolding, Tel.: 08663880660
reisebuero@ruhpolding.de

Fotostrecke: Ruhpolding im Winter

10 Bilder
Foto: Ruhpolding Tourismus GmbH
Foto: Ruhpolding Tourismus GmbH
Foto: Ruhpolding Tourismus GmbH

Surfen auf der weißen Welle

Im schneesicheren Südosten Bayerns liegen die perfekten Reviere für Snowkiter.

 

Foto: www.schneeflocken-rocken.de

Der Ostwind weht beständig und mit leichtem Nachdruck. Gerade so viel, dass der große Lenkschirm schon ungeduldig flattert. Weiß und weit dehnt sich die funkelnde Schneefläche über den sanft gewölbten Hügel im Bayerischen Wald. Josef Ullmann, dick eingemummt und den Helm noch locker in der Hand, scharrt prüfend mit dem rechten Fuß: Pulverschnee, perfekt!

Schon seit 2006 ist der leidenschaftliche Snowkiter Instructor für seinen Lieblings-Wintersport: Er hat die Kiteschule Schneeflocken-Rocken gegründet und bringt Erwachsenen und Kindern das Spiel mit Schnee, Brett und Wind bei. "Snowkiten kann man schneller lernen als Kitesurfen auf dem Wasser", sagt er, "weil man ja immer festen Boden unter den Füßen hat." Ein bis zwei Tage im Kurs, und schon klappt es normalerweise mit dem Kiten. ?Bis zu den ersten Sprüngen und Drehungen in der Luft dauert es dann zwar noch ein bisschen, aber der Anfang ist gemacht. Und natürlich tun sich Sportler mit Ski- oder Snowboarderfahrung etwas leichter.

Ullmann schwört übrigens auf den Bayerischen Wald bei Freyung als?bestes Kite-Revier. Schnee fällt hier?recht sicher, und man kann sich darauf verlassen, ordentlich Wind zu haben. Wie zum Beweis zerrt der Lenkdrachen plötzlich am Trapez, gerade als Ullmann den Helm aufsetzt.

Info: Snowkiten, aber auch Kitesurfen und SUP lernt man bei der Kiteschule schneeflocken-rocken.de

Mit dem Ballon auf großer Fahrt

Gerade im Winter stehen die Winde besonders günstig für eine Ballonfahrt in den Alpen.

 

Foto: TTT Gmbh/Wolfgang Ehn

Nur ein bis acht Mal im Jahr bläst der Wind so aus Norden, dass man die Alpen mit dem Heißluftballon überqueren kann. Rund fünf Stunden dauert so eine große Tour, die vom Allgäu je nach Wind über die Zugspitze, Großglockner & Co. und die Dolomiten nach Norditalien führt.

Doch es geht auch eine Nummer kleiner. Ballonpilot Thomas Köck steigt mit seinen Gästen am häufigsten über dem Königswinkel auf. Neuschwanstein und Hohenschwangau liegen klein wie Spielzeug bis zu 3000 Meter tiefer in einer Modelleisenbahnlandschaft aus verschneiten Hügeln, Bergen mit Eiskappen und bleigrau schimmernden Seen. Nach eineinhalb Stunden sinkt der Ballon sachte zur Erde. Und dann erklingen die Sektgläser: Bei einer "Taufe" nimmt Thomas Köck seine Gäste in den Adelsstand der Ballonfahrer auf.

Info: Wer mit Thomas Köck & Co. abheben will, bucht einen Ausflug bei bavaria-ballonfahrten.de

Abenteuer im Bayerischen Wald

Mit gespitzten Ohren und hängenden Zungen ziehen sechs Malamutes den Schlitten voran. Flocken rieseln zwischen den Bäumen links und rechts herab. Eine dicke Schicht aus Schnee dämpt das Trappeln der Pfoten, hin und wieder knarrt ein Zuggeschirr, ansonsten hört man nur das leise Zischen der Kufen in der Spur. Der Dreisessel (1333 m) im Bayerischen Wald bietet ideale Bedingungen für Ausfahrten mit den Schlittenhunden. Und genau hier bei Neureichenau liegt auch der Huskyhof. Urlauber können dort wohnen, die Schlittenhunde kraulen, mit ihnen Schnupperrunden zu Fuß und per Schlitten drehen.

 

Bayerischer Wald Huskys Winter
Foto: TI Neureichenau

Abends versammeln sich die Gäste des Hauses um ein knackendes Winterlagerfeuer, grillen Würstchen und trinken Glühwein. Die Region ganz im Osten Bayerns bietet in der kalten Jahreszeit noch viel mehr genussreiche und sportliche Freuden. Wie wäre es zum Beispiel mit einem Saunatag im Erlebnisbad Aquait in Waldmünchen? Oder einer Pferdeschlittentour? Alternativ kann man auch mit dem »Zipfelbob«, einem sehr flachen Minischlitten mit zentralem Haltegrif, bei Spiegelau-Althütte die weißen Hänge herunterflitzen. Naturfreunde schließen sich am besten einem Ranger des Nationalparks Bayerischer Wald an, pirschen sich auf Schneeschuhen vorsichtig an Tiere heran und erfahren, wie diese ganz eigene Welt aus Bäumen, Pilzen, Insekten und Pflanzen im Winter zusammenspielt. Und wer meditative Entspannung an der frischen Lut sucht, taucht auf einer stillen Wanderung in die verträumte Märchenlandschat ein. Klassischer Wintersport wie Langlaufen, Skifahren oder Eislaufen ist in und um die idyllischen Ortschaten natürlich auch möglich, ja, die Chancen dafür stehen sogar deutlich besser als in anderen Regionen Deutschlands, denn das Mittelgebirge rund um den Großen Arber ( 1455 m) & Co. gilt als sehr schneesicher. Verschiedene Wochenpakete aus Schlittenhundetour, Winterwandern, Eislaufen, Wellness und Schneeschuhgehen schnüren übrigens die BayerwaldExpeditionen (bayerwald-expeditionen.de). Man übernachtet in Ferienwohnungen oder lauschigen Hotels und tritt direkt von der Haustür in den schneeglitzernden Bayerischen Wald.

Kontakt: Tourismusverband Ostbayern e.V.
Tel. 0941/58539-0, www.bayerischer-wald.de

25.10.2016
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