Dynafit Beast 16: Bindung für Skitouren

Hightech-Test: Dynafit 16 Beast

Skitouren Freeride Bindung Dynafit Beast 16
Foto: Dynafit
Hightech unter dem Skischuh: Tourenbindungen haben sich in den vergangenen Jahren rasant weiter entwickelt. Niedriges Gewicht, Komfort und Sicherheit schließen sich längst nicht mehr aus. Marktführer Dynafit gibt mit der Beast 16 den Takt vor.

Wer in ein Oldtimer-Museum geht, wird sich denken: Okay, die Autos haben keinen Airbag und keine Klimaanlage. Aber ansonsten überzeugen Design und Motor auch heute noch. Besucht man dagegen auf der Website www.wildsnow.com das virtuelle Bindungs-Museum, wird man sich ernsthaft fragen, wie man das Skifahren mit solchem Neandertaler-Gerät länger als einen Tag überleben konnte.

Tourenbindung oder Alpinbindung
Man findet dort zum Beispiel Fotos der bis in die 1960er-Jahre üblichen Skibindungen mit Kabelstrammer und Seitenfixierung, die automatisch auch Tourenbindungen waren. Als die ersten Fersen-Automaten aufkamen, war damit Schluss. Fuß und Schuh steckten fest – man bekam entweder eine Alpinbindung, oder eine einfach konstruierte Tourenbindung, bei der die Skistiefel beim Aufsteigen nur an der Schuhspitze fixiert wurden, während die Ferse vertikal frei beweglich blieb. Zum Abfahren wurde der Fersenblock ebenfalls verriegelt, und die Tourenbindung entsprach ihrer Funktion nach einer Pistenbindung.

Tourenbindungen mit Dornen und ohne Platte
An diesem Grundprinzip änderte sich viele Jahre nur wenig. Die Modelle kamen von Silvretta, von Iser, Ramer und Vinersa, von Lusser und Marker. 1983 hatten dann Manfred und Fritz Barthel eine geniale Idee: Sie bauten einen Schuh mit Metalldornen, die in Aussparungen an der Kopfseite der Bindung passten, so dass keine Platte mehr bei jedem Schritt mit dem Schuh angehoben werden musste. Das Gewicht ließ sich so deutlich reduzieren. Später drehten die Barthels das Prinzip um: Die Dornen wanderten an die Vorderbacken der Bindung, der Schuh bekam dafür Aussparungen für die Aufnahme dieser Dornen.

Leichte Bindungen für Skitourenrennen, stabile Bindungen für Freerider
Das Prinzip feiert in diesem Jahr sein 30-jähriges Bestehen und hat Dynafit groß gemacht. Fritz Barthel arbeitet noch immer für die Firma, nur sind die Patente inzwischen ausgelaufen und mehrere Nachahmer haben sich auf dem Markt breitgemacht. Außerdem sind die ultraleichten Bindungen vielleicht für Skitouren-Rennen die erste Wahl, nicht aber für Freerider und Skibergsteiger, die mit breiten Ski extrem steile Firnflanken befahren wollen, wie es inzwischen Mode geworden ist. Da fehlt es einfach an Stabilität und Verwindungssteifigkeit.

„Es gab entweder Alpinbindungen mit Gehfunktion oder reinrassige, leichte Tourenbindungen“, erklärt der Schwede Fredrik Andersson (36), Ex-Freeride-Profi und jetzt Entwicklungsingenieur bei Dynafit. „Und dazwischen einige schlechte Kompromisse, die als Freeride-Bindungen verkauft wurden.“

 

PlanetSNOW Bindung Dynafit
Foto: Dynafit

Sportliche Tourenbindung für Freerider

Gemeinsam mit dem US-Profi Eric Hjorleifson machte er sich deshalb daran, eine Bindung für sportliche Freerider zu entwickeln, die keine Wünsche offenlässt: die die Dornen, das rahmenlose System und damit das leichte Gewicht beibehält, die aber selbst im steilsten Gelände Stabilität und Sicherheit auf dem Ski garantiert und bei Stürzen dennoch verlässlich, aber nie grundlos auslöst. Der Anspruch glich der Quadratur des Kreises: optimaler Aufstiegskomfort, beste Abfahrtsleistung, hoher Auslösewert.

Anfang 2011 fingen Andersson und Hjorleifson an, sich mit der Lösung des gordischen Knotens zu beschäftigen. Im folgenden Winter hatten sie den ersten, noch primitiven Prototyp unter den Ski. Input kam von rund einem Dutzend Fahrern, die den Rohdiamanten auf Herz und Nieren testeten. Auch Benedikt Böhm, Speed-Experte für Achttausender-Besteigungen und Dynafit-Geschäftsführer, gehörte dazu.

Rahmenlose Technik und neue Auslösemechanik
Auf diese Weise entstand eine Bindung mit einer neuen, komplexen Auslösemechanik. Sie löst am Vorder- und Hinterbacken aus, wobei der Rotationsvorderbacken so konstruiert ist, dass er Fehlauslösungen durch Schläge entgegenwirkt. Durch die besonders niedrige Standhöhe hat der Fahrer einen perfekten Kontakt zum Ski. Die breite Auflage sorgt für hohe Verwindungssteifigkeit der neuen, auf den Namen „Beast 16“ getauften Bindung. „16“ steht für den Z-Wert. Dieser beschreibt die Kraft, die auf die Bindung ausgeübt werden muss, um sie zu öffnen. Das „Biest“ ist weltweit die erste rahmenlose Freeride-Bindung mit einem so hohen Auslösewert. Und mit einem Gewicht von nur 1870 Gramm pro Paar ist sie gleichzeitig Vorreiter in der Kategorie der aufstiegsfähigen Freeride-Bindungen.

Dass die Entwickler auf dem richtigen Weg sind, merkten sie im Januar 2013 beim Testen im Pulverschnee von British Columbia. „Das war ein richtiges Aha-Erlebnis“, erinnert sich Fredrik Andersson. „Wir hatten erstmals eine Freeride-Bindung, die absolute Kontrolle über den Ski erlaubt.“ Danach ging es nur noch um das Fein-Tuning, um Sicherheitstests und Qualitätskontrollen. Gleich eine ganze Reihe von Innovationen wurde zum Patent angemeldet. So viel Hightech hat natürlich seinen Preis. Stolze 800 Euro müssen Freerider für das Meisterstück hinblättern. Dafür gehört man dann einem elitären Zirkel an: Denn die „Beast 16“, der Entwurf aus den Profi-Hirnen, kommt in einer limitierten, durchnummerierten Auflage von nur 2500 Stück.

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04.02.2014
Autor: Günter Kast
© planetSNOW
Ausgabe 01, 2014/2015/2014, 2014/2015