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Skiurlaub in Schladming

Auf den Spuren der Weltmeister

Nach 1982 findet von 4. bis 17. Februar erneut eine Alpine Ski-WM in Schladming statt. Prima Idee: Während dieser Zeit den Urlaub dort verbringen, um die Stars anzufeuern – und vor und nach den Rennen selbst zu fahren. Grandios daran: Die Pisten werden ziemlich leer sein!

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Fotostrecke: Skiurlaub in Schladming: Unterwegs auf WM-Pisten

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Schladming, Österreich, Ski, Ski-WM, Skiurlaub, Steiermark Foto: TVB Schladming
Schladming, Österreich, Ski, Ski-WM, Skiurlaub, Steiermark Foto: TVB Schladming
Schladming, Österreich, Ski, Ski-WM, Skiurlaub, Steiermark Foto: TVB Schladming

Ein erhabener Augenblick – als befänden wir uns auf dem Weg zur Oscar-Verleihung. Als spielten sie hier Hollywood im Schnee, denn wir gleiten einen roten Teppich empor. Mit angeschnallten Ski. Auf einem Förderband, das – durch eine Röhre hindurch – zum Start der Schladminger WM-Männer-Abfahrt führt. An den Wänden der Röhre hängen Porträts ehemaliger Ski-Größen. Franz Klammer etwa, Schwarzweiß in Smoking und Fliege. Wie gesagt – Hollywood.

Weltcup-Strecke für Normal-Skifahrer

Dann stehen wir am Start, und Michael „Mike“ Tritscher, der einheimische Bronzemedaillen-Gewinner im Slalom bei den Olympischen Spielen von 1992, schildert uns die Strecke. Noch vor dem Ende seines letzten Satzes zieht er hinein. Wir ziemlich zaghaft hinterher. Es ist März 2012, als sich diese Szene abspielt. Der vorletzte Tag des Weltcup-Finales. Nur noch Slalom und Riesenslalom stehen an. Die Speed-Strecken sind in ihren oberen Segmenten für die Allgemeinheit wieder frei. Die Piste knirscht und kreischt und schreit geradezu unter unseren Kanten – doch sie hält! Ein Märchen also, dass man als Normalskifahrer keine Beton-Weltcup- Strecke bewältigen könne? „Eine Abfahrtsstrecke“, erklärt Tritscher, „muss nicht so wahnsinnig hart sein. Und man kann wegen der großen Fläche auch kein Salz ’rein tun. Das geht nur im Slalom.“ Er muss es wissen – er ist ja ein Zickzack-Fahrer. Doch heute: drei Schwünge über jeden Hang, den wir befahren – jeden weiteren spart er sich.

 

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Foto: TVB Schladming Traumhafte Kulisse am Dachstein.

So war es also zum Schluss der Saison 2011/12. Der Plan lautete: Live anfeuern die „Vicky“ – aber auch selbst noch jede Menge Ski fahren mit dem „Micky“! Bei besagtem Weltcup-Finale. Um das Ergebnis vorwegzunehmen: Das Vorhaben ist voll aufgegangen: Die Rebensburg gewann vor unseren Augen den Riesenslalom-Weltcup – und unsere eigene Skifahr-Lust wurde gleichfalls voll befriedigt. Dank Meister Tritscher. Er nämlich betreibt hier eine Skischule, und man kann den 47-jährigen Olympioniken tatsächlich selbst buchen. Tagespreis: 205 Euro für zwei Personen, jede weitere Person 20 Euro. Das leisteten wir uns, was vor allem die Damen der Clique begeisterte, denn im österreichischen TV war Tritscher so vorgestellt worden: „100 % Muskeln – 0 % Haare!“. Und Glatzen sollen angeblich ja sexy sein.

Vier Berge und drei Skischaukeln

Wie dem auch sei: Exakt genau so werden wir es auch dieses Mal machen – bei der WM von 4. bis 17. Februar. Denn dies ist eben der Vorteil einer Destination mit vier Bergen, die durch drei Skischaukeln miteinander verbunden sind, so dass man niemals abschnallen muss: Selbst wenn da die größte Alpin-Weltmeisterschaft aller Zeiten stattfindet (330.000 Zuschauer werden erwartet, 99 Prozent davon ohne Ski) – so gibt es für „Normalskifahrer“ immer noch genügend freie Hänge, die man ungehindert vom Groß-Event hinabzischen kann.

„Unsere Botschaft lautet“, so Schladmings Tourismus-Geschäftsführer Hermann Gruber, „dass man auch während der WM hier Urlaub machen kann. 85 Prozent der Pisten sind für das Publikum befahrbar!“ Und nach den Abfahrts- und Super-G-Wettbewerben sollen sogar nur noch zwei Pisten gesperrt sein – die Nr. 1 und die Nr. 3. Trotzdem werden weitaus weniger Ski-Feriengäste während der WM vor Ort sein als zu einem vergleichbaren Zeitpunkt ohne WM. Dies ist einfach ein Erfahrungswert, den noch jeder WM-Veranstalter hat machen müssen. Schladming rechnet mit einem Rückgang von 50.000 Übernachtungen in dieser Zeit und die Bergbahn mit 6 Millionen Euro weniger Umsatz. Normalerweise wuseln täglich rund 17.000 Skifahrer über die 120 Pistenkilometer. Während der WM werden es vermutlich nur 3.000 sein – freie Fahrt also!

Skiurlaub mit und ohne WM

Allerdings lohnt sich ein Schladming-Skiurlaub auch völlig unabhängig von einer WM – denn zu jenen Zeiten können zusätzlich noch jene Runs befahren werden, die nun im Februar für Maria, Vicky, Lena, Felix, Fritz & Co. benötigt werden. Also beispielsweise die mitten in Schladming endende Planai. Sie ist einfach das Herzstück der gesamten Region – und ein absolutes Muss. Jeden Januar wird hier The Night Race ausgetragen, jener legendäre Nachtslalom auf einem gnadenlos steilen Hang. Ihn zu bezwingen, sorgt bei Jedermann-Wedlern nicht nur für einen gehörigen Adrenalinausstoß, sondern auch für tatsächlich spannendes Fahrvergnügen einerseits und überbordendem Jubel-Glück andererseits – wenn man das „Ziel“ unten erreicht hat. Keine Angst übrigens, liebe mitreisende Familienmitglieder, die ihr von den „Schnellen“ des Clans da einfach mitgeschleppt werdet: Es gibt eine ganz einfache, leichte Umfahrung dieses Hangs. Unten, an der Bergbahn, trifft man sich wieder.

 

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Foto: TVB Schladming Für eine zünftige Brotzeit mit Ausblick zwischendurch sorgen zahlreiche Hütten.

Zweifelsohne ist der „Schladminger“ Teil, die Planai, der sportlichste der vier Berge. Doch auch die Reiteralm, die nicht nur ihrer legendären Schneesicherheit wegen als berühmtes Herbst-Weltcup-Trainings-Gebiet dient, kann als durchaus rassig bezeichnet werden. Hochwurzen gilt als Hauptberg für Genießer und Familien, da die Hänge schön in der Sonne liegen. Und Hauser Kaibling schließlich offeriert eine Mixtur aus allem – sowie zusätzlich noch die attraktivsten Freeride-Hänge auf der Nordseite. Grundsätzliche Empfehlung: Vormittags die Osthänge befahren, also Mitterhauser Alm und Burgstall Alm im Skigebiet Planai, sowie die Osthänge des Hauser Kaiblings. Und nachmittags sich vergnügen auf den Weltcup- und WM- Pisten der Planai sowie auf den Hochwurzen-Nordhängen.

Mitterhauser Alm und Klangpiste

Der Eintritt zu den Hängen der Mitterhauser Alm präsentiert sich übrigens ausgesprochen vielversprechend: Man fährt durch ein Tor mit der Inschrift „Welcome to Paradise“. Was besonders mittwochs und donnerstags zutrifft: An jenen Tagen wird die Piste zur Mittagszeit gesperrt – um vollkommen neu präpariert werden zu können! Die ersten Nachmittagsschwünge dort – ein Dessert ohnegleichen.

Und schließlich existiert noch eine „Klangpiste“ – an der roten Strecke Nr. 1. Dort befindet sich in einer Art Starthäuschen eine Musikbox, auf der man wählen kann, von welchem Song man bei der nächsten Abfahrt begleitet wird. Die Musik kommt aus aufgehängten Lautsprechern. Wir wählen natürlich den uralten Vico-Torriani-Hit: „Zwei Spuuuuuren im Schnee, führ’n herab von steiler Hööööh’...“ Und folgen diesen Spuren bis ins Tal. Vielleicht sind es ja Weltmeister-Spuren.


Inhaltsverzeichnis

02.02.2013
Autor: Michael Frings
© planetSNOW