Skifahren über dem Gardasee

Und immer lockt der Lago


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Foto: Martin Reusse

 

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Tatsache: Sogar im Winter ist der Gardasee ein lohnendes Ziel – für exotische Skitouren auf den Spuren der Mountainbiker.

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Unverspurt, tief und weich ist der Schnee. Besser könnte es nicht sein. Noch dazu ergeben sich atemberaubende Blicke weit hinunter auf den See, der tiefblau wie ein Fjord zwischen den Bergen liegt. Die Assoziation mit einem Meeresarm ist nicht einmal abwegig. Die Wasseroberfläche des Gardasees nimmt beachtliche 370 Quadratkilometer ein. Von Nord nach Süd erstreckt er sich über 52 Kilometer. Auch sonst hat der Lago mehr mit einem Meer zu tun, als Name und Lage vermuten lassen würden. Die Erklärung liefert die Geologie: Bis vor 70 Millionen Jahren nämlich waren weite Teile des Alpenraums vom Urmeer Tethys bedeckt. Als sich die afrikanische Platte auf die eurasische schob und dadurch die Berge auffaltete, zog sich dieses Meer zurück – jedoch nicht vollkommen. In den Tälern blieben noch lange tiefe Meerarme erhalten.

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Foto: Martin Reusse
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Der Gardasee aber wurde auch in jüngerer Zeit noch einmal Teil eines Meeres. Nach dem Rückzug der Gletscher der letzten Eiszeit vor rund 15 000 Jahren bildeten die Endmoränen die Barriere zwischen dem See und dem Mittelmeer, das sich damals bis in die Po-Ebene ausdehnte. Ein riesiger Felssturz aber ließ diese Barriere brechen. Da der Meeresspiegel höher lag als die Oberfläche des Sees, wurde der Lago geflutet. Mit den Wassermassen kamen auch Fische; und so gibt es hier bis heute Verwandte der Sardinen, die sogenannten Finten. Diese Fische haben sich – als einzige Sardinen-Art – an das Süßwasser angepasst und landen als heimische Spezialität oft auf den Tellern der Urlauber. Besonders gut schmecken sie gegrillt oder „al saor“ in Marinade eingelegt. Bei unserem Einkauf in der Cantina Frantoio, der Kooperative heimischer Landwirte, entdeckten wir sie auch in Gläsern.

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Noch ein letzter Blick auf den malerischen Fjord, und dann hinein in das Tiefschneevergnügen! Es war eine gute Idee, zunächst im Skigebiet die Lage zu checken, bevor wir die nächsten Tage in das freie Gelände auf Skitour gehen wollen. An unserem ersten Skitag am Gardasee herrscht Lawinenwarnstufe 4. Schon kurz nachdem die Sonne die letzten Wolken des Vortags beiseitegeschoben hat, lösen sich die ersten Schneebretter an den steilen Wiesenhängen gegenüber am Altissimo. Wir prüfen kurz, ob Skifahrer davon betroffen sind, und bleiben selbst defensiv. Offiziell ist das Offpiste-Fahren im Skigebiet komplett untersagt. Bunte, kopierte Hinweise wurden an die Türen der Bergbahn geklebt. Wir sprechen also mit einem Liftmann. Dieser meint, wir sollten in der Nähe der Piste bleiben. Auch hier haben wir genug zu tun: Durch eine Windverwirbelung ist eine riesige Anliegerkurve entstanden – Jochen nutzt sie für spektakuläre Turns.

Müde gondeln wir nachmittags nach unten, der Cappuccino am See wartet. Tags darauf wollen wir zum Monte Stivo. Wir fühlen uns wie auf der Fahrt zu den Eltern kurz vor Weihnachten – und das gleich aus mehreren Gründen. Nur zu gut kennen wir die steilen Straßenserpentinen hinauf zum Passo Santa Barbara zwischen Bolognano und Ronzo. Schon oft sind wir mit den Mountainbikes dort hinauf und dann weiter zur Malga und der wunderschönen Querung gekurbelt – bereits in Zeiten, als Radler noch nach Moser-Guides gefahren sind, war das eine der beliebtesten MTB-Touren am Gardasee überhaupt. Wie im Video zu „Last Christmas“ schneit es ohne Unterbrechung – ganz schön romantisch. Aber das hat auch Nachteile. Knapp unterhalb unseres Ziels am Pass schafft es unser Auto nicht mehr.

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Skischuh: Atomic Waymaker Carbon Foto: Atomic
Dalbello Panterra 120 Foto: Dalbello
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Wir müssen anhalten und Schneeketten aufziehen. Wer hätte das gedacht! Im Süden! Am Lago! Auch sonst hält der Berg an diesem Tag Überraschungen bereit. Schließlich hatte man uns erzählt, dass fast immer eine Pistenraupenspur bis zur bewirtschafteten Hütte Rifugio Marchetti knapp unterhalb des Gipfels präpariert sei. Davon ist im Schneetreiben allerdings nichts zu sehen. Bei aller Vorsicht wollen wir an diesem Tag dennoch zumindest kurz ins Gelände. „Wenigstens ein bisschen laufen“, meint Michi lächelnd, und so stapfen wir durch den Bergwald hinauf. Die oberen Teile des Anstiegs sind uns an diesem Tag jedoch zu heikel – es herrscht immer noch Lawinenwarnstufe 4 und schneit weiter. „Morgen ist auch noch ein Tag“, sagt Jochen dazu, auch mit Blick auf die Wettervorhersage.

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Und so schwingen wir in der weißen Suppe bergab und fahren mit dem Auto nach Ronzo Chienis. Hier hat Giovanni Benedetti in seinem Elternhaus – einem alten Bergbauernhof aus dem 14. Jahrhundert – ein elegantes, modernes Restaurant eingerichtet. Giovanni verwendet ausschließlich einheimische Produkte: Brot, Pasta und Gnocchi, und im Keller werden auch Würste und Schinken selbst hergestellt. So lässt sich ein nebliger Schneeregentag gut aushalten! Zudem wird unsere Geduld belohnt. Als wir abends am See entlangschlendern, setzt der Regen aus, und es wird immer wärmer. Am nächsten Morgen frühstücken wir bereits im T-Shirt im Garten. Als wir nachmittags mit dem Fernglas hinaufschauen, entdecken wir 3 einzelne Spuren am Monte Stivo. Noch einmal 24 Stunden später hat sich der Schnee gesetzt, und wir genießen eine traumhafte Skitour mit tragbarem Lawinenrisiko. Übrigens sind die Hänge oben am Monte Stivo so breit, dass uns auch 30 Spuren nicht gestört hätten! Beim Abendessen erzählt uns Aurora dann von einer noch exotischeren Skitour: zum Monte Costabella, ganz im Süden. Und wieder ist ihr Rat Gold wert.

Am nächsten Morgen brechen wir auf. Schon die Vegetation ist einzigartig. Mediterran wirken die Sträucher im unteren Teil des Anstiegs. Der sanfte Bergrücken gibt den Blick bis nach Sirmione an der Südspitze des Gardasees frei, an klaren Tagen auch weiter bis in die Po-Ebene. Uns ist klar: Am Gardasee waren wir ganz sicher nicht das letzte Mal zum Skifahren!

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13.12.2014
Autor: Verena Stitzinger
© planetSNOW
Ausgabe 2014/2015/2014/2015