Ski-Trip nach Hawaii

Freeride mit Sandra Lahnsteiner und Julia Mancuso


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Ski Freeride Hawaii Sandra Lahnsteiner Julia Mancuso
Foto: Leonardo Dale

 

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Mahalo, Mauna Kea - danke, Mauna Kea! US-Skistar Julia Mancuso und die österreichische Freeskierin Sandra Lahnsteiner zelebrieren einen Soultrip auf Hawaii.

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Die untergehende Sonne taucht die schneeweißen Gipfelkegel in goldenes Licht. Der Pazifik glitzert in der Sonne. Unter unseren Füßen knirscht der Schnee. Wir werden langsamer. Das könnte an der Höhe liegen, in der sich Julia Mancuso und ich befinden – immerhin sind wir auf gut 4200 Meter. Doch es ist nicht die dünne Höhenluft. Es liegt vielmehr an den atemberaubenden Ausblicken und der unglaublich schönen Szenerie, in der wir uns befinden. Eine einzigartige Komposition, wie wir sie beide noch nie erlebt haben. Wir erfüllen uns gerade einen gemeinsamen Traum – einen Traum, den wir beide still und heimlich für Jahre vor uns hingeträumt haben: Ski fahren auf Hawaii.

Als leidenschaftliche Windsurferin kommt man an Hawaii nicht vorbei. Der Hawaii-Reiseführer lag schon seit einigen Jahren bei mir zu Hause herum. Doch nicht die unzähligen Traumstrände und Surfspots hatten sich in mein Gehirn gebrannt, sondern ein Bild, welches den schneebedeckten Gipfel des schlafenden Vulkans Mauna Kea auf Big Island zeigte. Schnee auf Hawaii? Davon hatte ich bislang noch nichts gehört. Meine Reise- und Abenteuerlust war geweckt.

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Die Top 18 Produkte für Freerider Foto: Hersteller
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Der Mauna Kea ist einer von 5 Vulkanen auf Hawaii – genauer gesagt, einer von 5 Vulkanen, aus denen Big Island, die größte Insel des US-Bundestaats Hawaii, besteht. Mit 4205 Meter über dem Meeresspiegel ist der Mauna Kea die höchste Erhebung des Inselarchipels im Pazifik. Nimmt man den Fuß eines Bergs als Bezug, so ist er sogar der höchste Berg der Welt und verdrängt in dieser Betrachtungsweise den Mount Everest von der Spitze. Die Basis des Mauna Kea befindet sich nämlich 6000 Meter unter dem Meeresspiegel, womit er eine Höhe von 10.205 Meter über dem Meeresgrund erreicht – und sogar noch mehr: Da der Berg aufgrund seines hohen Gewichts in den Meeresboden eingesackt ist, liegt der eigentliche Fuß des Mauna Kea sogar tief unter dem Meeresgrund. Er misst so bis zum Gipfel über 17.000 Meter.

Das war gut für unser Vorhaben – es gibt wohl kaum einen Berg, der detailliertere Wettervorhersagen bietet. Zudem bestätigte ein Blick in die Archiv-Clips der zahlreichen Webcams, dass immer wieder mal Schnee auf dem Vulkangipfel liegt. Im Herbst 2014 endlich beschloss ich, mich im Winter 2014/15 mit Schneegöttin Poliahu gut zu stellen und meinen Traum zu realisieren, auf Hawaii Ski zu fahren. Fortan war ich regelmäßiger Gast auf den Wetterseiten rund um den Mauna Kea. Es sollte ein Soultrip für mich werden.

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Test 2015 Allmountainski Foto: Hersteller
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Höchster Berg der Welt

Ski fahren verbindet. So war es auch, als ich mich mit Olympiasiegerin und US-Skirennläuferin Julia Mancuso zum Abendessen in Salzburg traf. Anlass waren die bevorstehenden Dreharbeiten für meinen dritten, im Herbst 2016 erscheinenden „Shades-of-Winter“-Film „Between“, in dem Julia ihr Können abseits der präparierten Pisten zeigen wird. Die leidenschaftliche Surferin hat vor Jahren die Insel Maui zu ihrer Wahlheimat erkoren. Es lag somit auf der Hand, das „California Girl“ in meinen Plan einzuweihen, auf Hawaii Ski fahren zu wollen. Julia war sofort begeistert und verriet mir, dass auch sie schon länger mit diesem Gedanken geliebäugelt hatte...

Julia und ich sehen uns an. Unsere Gesichter strahlen vor Freude. Vollkommen zufrieden und erfüllt blicken wir uns um. Wir stehen auf dem Gipfel
des Mauna Kea auf Hawaii, dem – wenn man so will – höchsten Berg der Erde. Wortlos deutet sie mit dem Skistock hinaus auf das Meer, wo sie in der Ferne Maui erkennt. Der Wind pfeift uns um die Ohren. Ich bilde mir sogar ein, Stimmen zu hören. Vielleicht die Stimme von Poliahu, die uns nach einer Woche Wartezeit endlich auf „ihren“ Berg gelassen hat. Der Blick über den Rand des Kraters in die Tiefe des schlafenden Vulkans ist beeindruckend. Noch nie in meinem Leben habe ich mich den Elementen Feuer, Erde, Luft und Wasser näher gefühlt. Ich sauge die Energie dieses Platzes auf und spüre, wie sich in meinen Augen Tränen ansammeln. Ich bin überglücklich – ich bin angekommen. Es ist definitiv mein emotionalster Moment am Berg. Noch bevor wir die ersten Schwünge in den Schnee ziehen, weiß ich, dass dieser Trip unvergesslich bleiben wird – eine Reise, bei der es um weit mehr geht als um Ski fahren.
Julia und ich fallen uns in die Arme, lachen und schreien unsere Freude hinaus. Ein Gipfel-Selfie darf natürlich nicht fehlen. Wir werden tatsächlich auf Hawaii Ski fahren! In der zurückliegenden Woche waren wir uns dessen nicht mehr so sicher gewesen. Bis zu unserem Gipfelsturm und den ersten Schwüngen haben wir eine echte Achterbahnfahrt durchlebt ...

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Test 2015 Einzeltest Foto: Hersteller
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Webcam-Stalking des Mauna Kea

Rückblick auf Anfang März 2015. Laut meiner Recherchen sind Januar und Februar die beste Zeit, um auf Hawaii Ski zu fahren. Daher habe ich die Hoffnung für den aktuellen Winter eigentlich schon aufgegeben. Nach einem vielversprechenden Schneefall um Weihnachten und Neujahr hat es auf Big Island 8 Wochen keinen Niederschlag mehr gegeben, und damit natürlich auch keinen Schnee auf dem Mauna Kea. Ganz kann ich es aber dennoch nicht lassen. Wieder einmal klicke ich auf die Webcam, die den Gipfelbereich rund um die Observatorien zeigt. Weiß. Ich klicke auf eine zweite Kamera – ebenfalls weiß. Mein Herz schlägt augenblicklich schneller. Ein Blick auf die letzten 24 Stunden bestätigt: Es hat zu schneien begonnen. Der Mauna Kea bekommt ein weißes Kleid! Laut Vorhersage soll es kalt bleiben. In den nächsten Tagen sind heftige Schneestürme zu erwarten. Julia ist binnen Sekunden via Whatsapp informiert. Da sie aufgrund ihrer immer wiederkehrenden Hüftprobleme im alpinen Skiweltcup gerade eine Durststrecke durchlebt und eh eine Pause in Erwägung zieht, kommt ihr meine Nachricht gerade recht.

2 Tage später treffen wir uns am Flughafen in Hilo, der Hauptstadt des Hawaii County. Zu zweit sind die neugierigen Blicke der braun gebrannten Touristen, die Beachshorts an den Beinen und Blumenkränze um den Hals tragen, gleich ein wenig erträglicher. Es ist offensichtlich, dass sich keine Surfboards in unseren Skibags befinden. So ganz können aber wohl die wenigsten unsere Mission ausmachen beziehungsweise nachvollziehen. In Hilo ist Sommer – eigentlich ist auf Hawaii ja immer Sommer. Die Menschen kommen auch in den Wintermonaten zum Baden, Surfen und Wandern hierher. An das Skifahren und an Schnee denkt hier wohl niemand.
Voller Energie fahren Julia und ich gleich mit dem Auto zum „Visitor Center“ am Fuß des Mauna Kea. Über die Saddle Road erreichen wir das Besucherzentrum auf 2800 Meter. Der Gipfel des Mauna Kea steckt in dicken Wolken, aus denen es hier sogar ganz leicht regnet. Regen auf dieser Höhe bedeutet Schnee in den Gipfelregionen!

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Die Top 18 Produkte für die Piste Foto: Hersteller
White Style 2016 Foto: Christoph Laue
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Klippenspringen und Harschdeckel

Die örtlichen Ranger allerdings ersticken unser Vorfreude binnen Sekunden: „Die Zufahrtsstraße zum Gipfel ist bis auf Weiteres gesperrt. Zu viel Eis und zu viel Schnee. Es ist extrem gefährlich, das wird Tage dauern!“ Ich kann es kaum glauben – wovon reden die? „Meterhohe Schneeverwehungen, vereiste Straßen.“ Die haben ja noch nie einen richtigen Winter erlebt! Doch die Ranger bleiben hart, und wir ziehen ab – vorerst. Dass wir ihnen von nun an fast täglich einen Besuch abstatten, weil wir der Internet-Information „Road Closed“ nicht trauen wollen, sei nur am Rande erwähnt.

Trübsal blasen und Hawaii würde aber nicht zusammenpassen. Glück zum Ersten, dass Julia und ich keine Spaßbremsen sind, und Glück zum Zweiten, dass Julia quasi „Hawaiian Local“ ist. Neben Surfen, Klippenspringen und dem Verzehren unzähliger Kokosnüsse verbringen wir die Zeit des Wartens mit dem Besuch wunderschöner Strände und trinken in Hippieläden Kona-Kaffee (na ja, italienischer Espresso ist das keiner!). Doch mit einem Auge schielen wir immer wieder zum Weißen Berg. Unsere Ungeduld wächst, als die Straße auch am zweiten und dritten reinen „Bluebird-Tag“ nach dem heftigen Schneesturm immer noch gesperrt bleibt, in der Vorhersage ein neuerliches Tief erscheint und uns langsam, aber sicher die Zeit auszugehen droht. Kurzerhand fassen wir für den nächsten Tag den Plan, auf die Zufahrtsstraße zu verzichten und uns zu Fuß auf den Weg vom Besucherzentrum hinauf zum Gipfel zu machen. Zumindest die Trails sind laut den Rangern nämlich nicht mehr gesperrt. Wir machen uns in Wanderschuhen auf den Weg. Ski, Skischuhe und die restliche Ausrüstung sind auf unsere Rucksäcke montiert. Nicht ganz ohne Hindernisse erreichen wir schließlich den Schnee und wechseln auf Steigfelle.

Und jetzt sind wir oben. Die Anstrengung der letzten Stunden ist wie weggeblasen. Wir verpacken die Felle in unseren Rucksäcken und machen uns bereit. Nein, der Schnee ist nicht locker und leicht, kein bisschen Powder. Den Neuschnee hat der Wind verblasen und einzig und allein einen harten Harschdeckel zurückgelassen, der teilweise durch die Sonne auffirnt. Doch das ist uns egal. Darum geht es nicht. Wir lieben Ski fahren, wir lieben Berge, und wir sind gerade dabei, an einem der schönsten Plätze dieser Welt Ski zu fahren. Mahalo, Mauna Kea!

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15.12.2015
Autor: Sandra Lahnsteiner
© planetSNOW
Ausgabe 2015/2016/2015/2016