Ski-Reise: Kitzbühel, Österreich

Auf Freeride-Safari in Kitzbühel


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Kitzbühel Österreich Ski Freeride
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PlanetSNOW Reise Kitzbühel
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Kitzbühel – Streif, Glamour, Stars und Sternchen. Dafür ist die Kleinstadt im Tiroler Unterland weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Weniger bekannt hingegen sind die riesigen Freeride-Potenziale in dem weitläufigen Skigebiet zwischen Kirchberg und dem Pass Thurn. Wer sich gut auskennt, kann einen ganzen Tag lang durch das Backcountry fahren, ohne auch nur einen einzigen Run zweimal nehmen zu müssen.

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Punkt 9 Uhr stehen wir im mondänen Rondell der Kitzbüheler Hahnenkammgondel. Über Nacht hat Frau Holle rund 40 Zentimeter Neuschnee über die Kitz-Alps verteilt. Zusammen mit der soliden Grundlage der letzten Wochen herrschen jetzt geradezu perfekte Voraussetzungen für die Kitzbühel-Freeride-Safari.

Mit Aschau, Kirchberg, Kitzbühel, Aurach, Jochberg und Mittersill verbindet das Kitzbüheler Skigebiet mit seinen 170 Pistenkilometern seit einigen Jahren sechs Ortschaften zwischen Tiroler Unterland und dem Salzburger Pinzgau. Und zwischen den Pisten immer wieder das gleiche Bild: Weite Powder-Bowls, die leicht erreichbar sind und ohne große Aufstiege angesteuert werden können. Genau das, wonach es uns so häufig dürstet.

Heute wollen wir die Pisten nur in Ausnahmefällen ausnutzen. Kaum der Gondel entflohen, nehmen wir Kurs auf den Ehrenbachgraben und testen ihn rechts und links der Piste ein erstes Mal an. Dann geht es richtig los. Wir stehen oben am Gipfel des Steinbergkogels, mit 1972 Meter höchster Punkt des vorderen Skigebiets. Von einer Sekunde auf die andere schnellt unser Puls nach oben. Unglaublich, dass die Hänge unmittelbar unter dem Lift noch nicht befahren wurden! Schwung für Schwung sinken wir tief ein in das wohlige Weiß.

 

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Unfassbar gute Freeride-Bedingungen

Die Bedingungen sind so unfassbar gut, dass wir an den Hängen des Steinbergkogels an diesem Tag mehrere Lines neu eröffnen. Wahnsinn! Nach dre8 Fahrten durch die gut einsehbaren Rinnen hinab zur Griesalm zieht es uns weiter. Auf halbem Weg hinüber zum Silberstubenlift biegen wir links ab und nehmen den südlich ausgerichteten Tiefschneehang in Richtung Kasereck. Speedturns sind angesagt. An der Baumgrenze ziehen wir nach rechts und gelangen schließlich mit dem Kasereck-Sessel zum Pengelstein.

Wer abkürzen möchte, kann von hier direkt die 3-S-Bahn hinüber in das Teilgebiet Jochberg–Pass Thurn nehmen. Für uns stehen heute aber keine Bestzeiten, sondern die Anzahl perfekter Runs im Vordergrund. Und so pflügen wir mit breitem Grinsen unter dem Pengelstein-Sessel durch den Schnee. Auf der zweiten Fahrt folgen wir zunächst der Piste 29 und verlassen diese im scharfen Rechtsknick. Das Gelände zur Rechten des Fahrers hinunter zu den Brunnalmen hat dank seiner Nordwest-Exposition selbst 2, 3 Tage nach dem letzten Schneefall gute Verhältnisse und führt uns direkt zur Talstation der Pengelstein-Gondel.

It’s Hochsaukaser-Time! Neben der 3-S-Bahn stechen wir in den Hang und halten uns immer rechts, bis wir den Hochsaukaserli zu Gesicht bekommen. Auf der Querung hinüber zum Schwarzkogel können wir den Hang zu unserer Linken nicht einfach ignorieren. Feinster Staub zieht über unsere Köpfe. What a feeling! Einmal mehr nehmen wir den Hochsaukaser, um bei der zweiten Abfahrt in die Mulde am Fuß des Schwarzkogels einzufahren. 30 Minuten dauert der Aufstieg hinauf zum Gipfel. Für die Freeride-Safari ist dieser Hike optional. Wer gerne eigene „First Lines“ in den Schnee setzen möchte, dem sei die kurze Anstrengung angeraten. Aber nicht die uns beim Aufstieg anlachende Nordostflanke, sondern das episch breite Almgelände in südöstlicher Richtung bildet unsere Route. Hier spielt es keine Rolle, ob wir die Kurven ein bisschen weiter links oder rechts setzen. Fast hindernisfrei schweben wir dem Saukasergraben entgegen nach Jochberg.

Tiefschneefahren mit Genuss

Für 2 Euro pro Person werden wir von einem netten Taxifahrer zum Wagstättlift kutschiert. Dort beginnt der hintere Teil des Skigebiets: Von der Wurzhöhe über Bärenbadkogel bis zum Pass Thurn. Viele einheimische Genusstiefschneefahrer kommen prinzipiell nach jedem Schneefall hierher. Die zwei uralten Lifte zur Wurzhöhe werden für die Saison 2013/2014 durch eine moderne 10er-Gondel ersetzt, wodurch man zukünftig noch schneller dem Tiefschnee frönen kann. Auf der Wurzhöhe verlassen wir nach wenigen Metern bereits wieder die Pisten. Zwischen den Bäumen schießen wir hinab zum Bärenbadkogellift. Das Knurren im Magen erinnert uns daran, dass wir heute noch nicht gegessen haben. Die gemütliche Bärenbadalm kommt uns da gerade wie gerufen. Der Kaiserschmarren gibt den strapazierten Beinen die notwendige Energie zurück.

Wir liegen gut in der Zeit und können uns eine kleine Ehrenrunde gönnen. Diese führt uns rechter Hand durch den Wald hinab in den Aubachgraben. Bei Bedingungen wie heute kann man dies zweifelsohne als ganz großes Treeskiing bezeichnen, so dass jeder garantiert seine eigene Linie finden kann. Zurück auf dem Bärenbadkogel, folgen wir für wenige Meter der Piste zum Gauxjoch – immer mit Blick auf den Kleinen Rettenstein, dessen Ostflanke uns nicht loslässt. Mit Fellen lässt sich der Aufstieg in rund 45 Minuten meistern. Doch Vorsicht: Für den Run durch die steilen „Spines“ sind beste Schneeverhältnisse und ein sehr sicheres Fahrkönnen im steilen Gelände notwendig. (Optional: Einfacher ist da die erste Rinne, die auf halben Weg zum Gipfel links abbiegt und immer einen Aufstieg wert ist. Auch die Abfahrten von der Rettensteinschulter in den Aubachgraben oder Richtung Aschau sind nicht zu verachten.)

 

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Schneller Skilift zum höchsten Punkt

Für uns kommt der Kleine Rettenstein an diesem Tag nicht infrage, da er für unser heutiges Vorhaben zu viel Zeit in Anspruch nehmen würde. Durch eine freie Waldschneise verlassen wir stattdessen linker Hand die Piste und steuern auf direktem Weg den Zweitausender-Lift an. Der nagelneue 8er-Sessel ist ein Segen für alle, die sich noch an den archaisch anmutenden 2er-Sessel vergangener Tage erinnern. Statt in 20 geht es seit dieser Saison in 6 Minuten auf den höchsten mit Liften erschlossenen Punkt des Skigebiets.

Die entlegenste und landschaftlich schönste Abfahrt des Tages steht uns nun bevor; von den Flanken des Roßgruberkogel bis nach Aschau. Im Schuss versuchen wir, möglichst hoch aus der Mulde zwischen Zweitausender und Roßgruberkogel herauszukommen. Ruck, zuck sind die Ski auf der Schulter, und wir stapfen los. 10 Minuten dauert der Aufstieg entlang des im Schnee versunkenen Weidezauns, der die Grenze zwischen Tirol und dem Salzburger Land darstellt. Im Uhrzeigersinn umrunden wir auf Salzburger Territorium den markanten Gipfel und nehmen Kurs auf das Stangenjoch. Die direkten Nordwesthänge des Roßgrubers sehen wenig einladend aus. Zu stark hat der Wind den Schnee aus der Flanke hinausgeweht. Die Mulde, die häufig bis in das Frühjahr hinein guten Schnee bietet, ist dagegen auch heute sehr einladend. Nicht besonders steil, dafür aber wunderschön. Wie ein abgelegenes Märchental wirkt der tief verschneite obere Grund. Langsam lassen wir uns bis nach Aschau gleiten. Diesmal freuen wir uns sogar, dass wir nicht die Ersten sind und somit nicht das Tal hinausspuren müssen.

Freeride-Safari

Als wir in Aschau eintreffen, ist das Glück erneut auf unserer Seite. Der Skibus steht schon an der Haltestelle, bereit, in Kürze abzufahren. Für jeden, der die Freeride-Safari in Angri nehmen möchte, ist es ratsam, sich vorab den Busfahrplan auszudrucken. Gerade zur Mittagszeit sind die Taktungen etwas reduziert.

An der Pengelsteinbahn springen wir aus dem Bus. Zum zweiten Mal an diesem Tag nehmen wir die Gondel und den Sessellift hinauf zum gleichnamigen mondänen Restaurant. Diesmal fahren wir den Ostgrat entlang, biegen links ab und erreichen kurz darauf den Silberstubenlift. 15 Uhr. Das reicht noch für die große Runde bis Aurach. Direkt am Ausstieg des 4er-Sessels fahren wir geradeaus in den trotz Baumfreiheit schwer einsehbaren Hang ein. Rechts halten, lautet das Gebot. Schließlich wollen wir unterhalb des Gasthauses Hochbrunn auf den Ziehweg zum Maierllift treffen. Wären wir später dran, könnten wir von der Ehrenbachhöhe direkt nach Kitzbühel abfahren. Doch wir sind noch hungrig und wollen diesen genialen Tag unbedingt mit der Abfahrt über die Blaufeldalmen nach Aurach krönen. Einmal noch müssen wir, wie schon in der Früh, in den Ehrenbachgraben und hinauf zum Steinbergkogel. Drei Minuten vor Liftschluss marschieren wir durch das Drehkreuz. Geschafft!

Entlang der Piste steuern wir die alte Bergstation des früheren 1er-Sessels an. 1200 Höhenmeter unberührte Offpiste-Hänge liegen uns zu Füßen. Der richtige Zeitpunkt, um die letzten Schwünge des Tages noch mal richtig zu genießen. Kurz vor der oberen Alm biegen wir rechts in die Waldpassage und queren im unteren Teil zurück zum Rücken, um den Lichtungen hinunter bis nach Aurach zu folgen. Diesmal ist uns der Bus gerade vor der Nase weggefahren. Kein Problem. Im Auwirt bestellen wir ein Bier, lehnen uns zurück und lassen den Tag noch einmal Revue passieren. 10.000 Höhenmeter, und keinen einzigen davon doppelt. Das ist sie, die Kitzbühel-Freeride-Safari!


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26.11.2013
Autor: Martin Hesse
© planetSNOW
Ausgabe 03/2013