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Reisetipp Norwegen: Ski und Nordlichter

Skiurlaub in Norwegen: Von Langlauf bis Freeride

Butterweiche Pisten ganz ohne Eisplatten, der Trick mit dem Telemark-Knick(s) und eine grenzenlose Begeisterung für Ski und den Schnee auf Norwegens glatzköpfigen Bergen: Eine Liebeserklärung an den hohen Norden!

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Ski Skifahren Norwegen Foto: TVB Norwegen
Ski Skifahren Norwegen Foto: TVB Norwegen
Ski Skifahren Norwegen Foto: TVB Norwegen

Es schneit fette Flocken; ein gemeiner Wind durchwirbelt sie. Die Sicht ist gleich null, sozusagen White-out. Zudem ist Kinderskirennen der Grundschule. In jedem anderen Land – außer Island, Finnland oder Schweden – träten nun besorgte Mütter auf den Plan, und die Schule hätte das Ereignis längst abgesagt. Hier hingegen wirbeln die Mütter mit Tee, schichten in nordischer Gelassenheit Gore, Fleece & Co. übereinander, verpacken ihre Sprösslinge und ziehen hinaus – in des Wikingergotts freie Natur, in ihr Fjell, das Gebirge. Wenn die Norweger von ihrem Gebirge reden, ist etwas ganz anderes gemeint als in den Alpen. Keine schroffen Felsen oder Drei- und Viertausender, die an den Wolken kratzen – es ist eine sanfte Welt in Zuckerpuder-Powder. Runa, Guide in Trysil, hat einen Lieblingssatz: „Eis, das gehört doch in den Whiskey, nicht auf Pisten!“, sagt sie mit hinreißendem Augenaufschlag in Himmelblau. Glückliche Norweger, wenn man das ganz ohne Koketterie sagen kann! Die nördliche Breite ist Garant für Schnee, von November bis April bringt das stabile Inlandsklima kräftigen Frost. Das bedeutet zumeist griffigen Pulverschnee, und auch unter strahlender Sonne bleibt es bei den Minusgraden. Nichts taut auf und friert wieder zu Eisplatten!

An einem klirrend kalten März-Abend liegt so ein norwegischer Skiort in einem irisierenden Abendlicht, rote Holzhütten übersprenkeln den Hang. Schneehauben erdrücken fast die Dächer, der Schnee auf der Straße knirscht, satte 10 Grad minus – alles, was ein Winter braucht! Und Licht hat es genug: Ende Februar kann Norwegen schon mit längeren Tagen aufwarten als die Alpen. Es ist diese Magie des Lichts – je nördlicher, desto besser. Keiner würde allein wegen des Skilifts oberhalb der „Hauptstadt“ Sortland auf die Inselgruppe der Vesteralen reisen wollen – aber wegen der unvergesslichen Bilder schon. Dürres langes Gras ragt aus dem Schnee, es changiert in einem unwirklichen Gelb. Lichtreflexe tanzen vorwitzig auf dem Frostüberzug der Schneefläche. Diamanten aus Eis. Auf den weißen Gipfeln jenseits des Fjords spielt rosa Licht. Das Wasser im Fjord ist blau – blendend blau.

Anders als in den Alpen, wo das Rosa nur Minuten anhält, bleibt es hier den ganzen Vormittag. „Das sind doch nicht die Dolomiten“, sagt Ian – der Engländer, der einst in Deutschland beim Militär diente, der Lastwagenfahrer war und nun einer der besten Naturfotografen des Nordens ist. Auch das Nordlicht jagt er: Aurora Borealis, eine gewaltige Lasershow in Grün und manchmal Rot zuckt über den Himmel. Ein Spektakel, das süchtig macht in seiner verwirrenden Schönheit. Der Mensch ist klein und gleichsam hypnotisiert. Nein, das sind nicht die Dolomiten! In Ringstad, irgendwo im Nirgendwo einer Bucht hinter den Schären der Vesteralen, steht Ians Guesthouse. Da gibt es nicht nur Langlauf und Schneeschuhe und Adlersafaris, sondern auch Fotokurse und ein No-Go: Das „P“ wie Programmautomatik ist verpönt. Ian ist der Magier der Blende.

Aber was denn fotografieren? Ist es nicht dunkel? Dunkel ist es Anfang März schon lange nicht mehr, im Gegenteil: Nordnorwegen hat bereits 12 Stunden Tageslicht, eben dieses flache, milde, weiche Licht, das glücklich macht, wenn man einen Glögg auf der Hüttenterrasse trinkt. Norwegen wartet nämlich mit noch etwas überall auf: Mit Hütten, Hütten, Hütten! Wo man in den Alpen schon Jahre im Voraus buchen muss, um eine Hütte zu ergattern, sind in Norwegens Skigebieten Hütten geradezu in inflationärer Menge vorhanden: Hütten für Luxustrapper, denn Spülmaschine, den offenen Kamin und eine Sauna haben sie fast alle. Und Spuren im Schnee auch: Ski-in, Ski-out bis fast hinein in die Sauna!

Anderntags geht es früh hinaus in die schier unendlichen Weiten, wenn man in Skeikampen oder beim Early-Bird-Skifahren in Trysil auf absolut leeren, morgendlich frisch präparierten Pisten der Endlosigkeit entgegencarvt. Und natürlich – auch wenn man sonst ein bekennender Langlaufhasser wäre – muss man in Norwegen den Loipen huldigen. „Langrenn“ heißt Langlaufen auf Norwegisch – und das meint eben nicht eine Runde um das Dorf oder entlang einer Talstraße, sondern echt lang rennen durch das Gebirge, immer weiter abseits aller Zivilisation. Und dann wäre da noch der obligatorische Telemark-Kurs: Es war einmal ein gewisser Herr Sondre Norheim (1825–1897), der gerne seinen Freund Arne Kloppel zum Tee besuchte. Weil das eben in den norwegischen Bergen winters sehr mühsam war, band er sich zwei Holzbretter mit Weidengeflecht unter die Schuhe und brauste fürderhin im tiefen Kniefall über die Berge. Und so gilt er heute als Erfinder des Telemark-Stils. In den USA, wo er später lebte, wird er ebenfalls als Pionier des Skisports gefeiert. Telemarken, der Trick mit dem Knick(s), die Sache mit der freien Ferse, ist ein fester Bestandteil der norwegischen Skiszene, ein kultiger dazu – und nirgendwo so gut erlernbar wie auf Pisten, die weich sind wie Butter.

Dass nebenan Norwegens Sweethearts Haakon und Mette-Marit kurven, nimmt man zur Kenntnis. Mehr nicht. Menschen wie du und ich. Dass die beiden großartigen Skilegenden Lasse Kjus und Kjetil André Aamodt in Hemsedal rein privat Ski fahren, ist ebenfalls nicht weiter erwähnenswert. Auch wegen völliger Abwesenheit von Schickimicki muss man Norwegen lieben! Die beiden berühmten Skiwikinger haben ein Appartement – oben im Skarsnuten Hotel. Architekturzauberer haben hier einen kühnen Bau aus Glas und Stein geschaffen, überall ist Licht. Irgendwie geht es eben in Norwegen immer um das Licht!

Fotostrecke: Bergans Ekstrem Turglede - Impressionen

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Bergans Ekstrem Turglede Foto: Bergans / Fredrik Schenholm
Bergans Ekstrem Turglede Foto: Bergans / Fredrik Schenholm
Bergans Ekstrem Turglede Foto: Bergans / Fredrik Schenholm

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10.03.2013
Autor: Nicola Förg
© planetSNOW