Powder, Party und Duty Free

Livigno: Freeride- und Shopping-Paradies in Little Tibet.

Foto: Freeride Livigno
Dolce Vita in dünner Luft – Livigno, auf 1800 m Höhe ist gleichermaßen Freeride-Hotspot und Duty-Free-Paradies. Vier Freundinnen im Ausnahmezustand zwischen Powder, Party und Duty-Free.

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Freitagmorgen: Vor mir liegt ein Mädels-Wochenende in Livigno, hinter mir eine Materialschlacht: Freeride-Ski, Touren-Ski, Pisten-Ski, LVS, Schaufel, Sonde, Lawinen-Airbag und dann noch die "Soft-Ware" (Skiklamotten, City-Outfits ...).

Kommen wir zum Girls-Trip: 4 Freundinnen, 72 Stunden Zeit. Sabine, unsere Livigno-Expertin schwärmt schon lange vom Hochplateau in der Lombardei: Traum-Pisten, super Freeride-Gelände, Powder, Party und Duty Free! „Legt was vom Weihnachtsgeld zur Seite, Mädels!“, wurde der Ausflug per whatsapp-Gruppe besiegelt.

Weiter in der Vorstellungsrunde: Eliane: Mit einem Board unter den Füßen und den Bergen im Blick ist sie die glücklichste Frau der Welt. Susa, die Autorin liebt Schnee, Eis, Shoppen und Mädchenausflüge ... Last but not least, Sissi: Als Alberto, unser Bergführer, sie bei der Vorbesprechung fragte, ob sie Ski fahren könne, war ihre Antwort: „I´m German!“ Soll heißen, hey Junge, ich, wir alle können Ski fahren bzw. Snowboarden – wir sind keine Pussys!

Wir zockelten also vollbepackt über Pfunds und das Engadin Richtung Livigno - wir strahlten mit der Sonne um die Wette, genoßen die an uns vorüberziehende Landschaft und versuchten uns an der rätoromanischen Aussprache der Engadiner Dörfer ...

Übrigens: Bis in die 1950iger Jahre war Livigno eine reine Sommertourismusdestination. Lediglich ein paar verrückte Deutsche, so hört und liest man, wühlten sich im Winter auf Schlitten durch die Schneemassen. 1956 wurde zunächst die Straße von Bormio Richtung Livigno für den Winter befahrbar gemacht. Der Durchbruch, im wahrsten Sinne des Wortes, kam mit Fertigstellung des Munt-la-Schera-Tunnels, eigentlich nur als Versorgungstunnel gedacht, stellt die einspurige Felsröhre die Verbindung zwischen Schweiz und Livigno dar – dem Wintertourismus waren alle Hürden aus dem Weg gesprengt.

Livigno - Ankommen und Akklimatisieren

Nach 3,5 Stunden waren wir da, und fuhren erstmal tanken … 72 Cent der Liter Diesel, da muss man zuschlagen. Willkommen im Duty-Free-Paradies – ganz ohne Boarding Pass. Mit vollem Tank rollten wir durch den Ort, Sabine klärte auf: von Norden kommend liegt zur Rechten das Skigebiet Carosello 3000 und zur Linken „Mottolino“, mittendrin das kleine, langgezogene Örtchen Livigno. Den Zusatz "Little Tibet" hat Livigno durch seine von der Außenwelt abgeschnittenen Lage, seiner Optik und nicht zuletzt weil sich die 1800 m Höhe spätestens beim ersten Treppensteigen bemerkbar macht - dazu gleich mehr ...
Unser Hotel war schnell gefunden, die Zimmer flugs verteilt – bloß keine Zeit verlieren. Wir wollten vor dem Abendessen unbedingt noch Downtown. Stichwort: Lage checken.
Die Busanbindungen sind unkompliziert und die Haltestellen über den ganzen Ort sowie Hotels und Liftstationen verteilt. Alle 15 bis 20 Minuten ist dropoff-time – for free.

Der Ortstkern von Livigno lädt zum Flanieren ein, an vielen Ecken sind kleine Bars aufgebaut – Feuer- und Heizpilze machen das Outdoor-Barvergnügen erträglich, denn Livigno ist kalt. Der Ort liegt auf 1800 m über Normalnull – auf der Höhe befindet sich der Gipfel meines Hausbergs … In unserem Fall zeigte das Thermometer -15 Grad, um 17 Uhr, Tendenz: fallend.

Hier geht es nur strategisch – Sabine kannte die Tricks: Rein in den Duty-Free-Shop, oberste Schicht ausziehen, Parfüms testen (Duty Free!) – Preise notieren – wieder alles anziehen, raus, Mantelkragen bis zu den Augen, Mütze tief in die Stirn – weiterlaufen. Nächster Shop, nächste "Profumeria", auch mal im Wechsel mit einem Sport- oder Modegeschäft.
Ebenfalls wichtig: Körper an die Höhe gewöhnen, mittels Flüssigkeit: sprich Brülé oder Bombardino schlürfen an einer der vielen Outdoor-Bars. Weitere Höhenanpassungsmaßnahmen: Treppen steigen. 1st Floor im Geschäft immer mitnehmen, wegen Akklimatisation, denn das "Höhen-1x1" sagt: Höher steigen, tiefer schlafen – alles klar?
Nach 1,5 Stunden zogen wir eine Duftwolke hinter uns her, die schwerer wog, als die Smog-Wolken im Stuttgarter Stadtkessel. Alle Preise und dazugehörigen Geschäfte waren notiert, die Akklimatisation lief bestens. Wir konnten zurück ins Hotel. Besprechung mit unserem White Line Bergführer Alberto.




Anreise nach Livigno

Der gebührenpflichtige Tunnel (1 Röhre/1 Fahrbahn) ist wechselweise nur in eine Richtung befahrbar, wer fahren darf wird per Ampelschaltung geregelt – Samstags zum klassischen Bettenwechsel gibt es Zeitfenster (von 5 bis 10 Uhr morgens ist der Tunnel nur Richtung Schweiz geöffnet, danach bis 18 Uhr nur in die andere Richtung) www.livigno.eu

Von 15. Oktober bis 30. April herrscht Kettenpflicht für den Gallo-Munt-la-Schera-Pass – die auch durchaus zum Einsatz kommen können.
Ich habe vorab an einem „Demo-Reifen“ beim Autozubehörladen mit „meinem“ Kettenmodell geübt … Für die Nerven, nä.

Tipp: Gleich bei der Anreise an der Mautstelle Hin und Zurück lösen – Kostenpunkt derzeit 35,- Euro).


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22.01.2016
Autor: Redaktion planetSNOW/Susa Schreiner
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