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Kals-Matrei: Skiurlaub in Osttirol

Skifahren mit dem Großglockner im Blick

Kals-Matrei in Osttirol ist aus einem jahrzehntelangen Dornröschenschlaf erwacht und zählt nun zu den begehrtesten Ski-Destinationen – vor allem für Carving-Fans, die weite Pisten und traumhafte Landschaften suchen.

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Ski Skiurlaub Osttirol Österreich Kals-Matrei Foto: TVB Osttirol
Ski Skiurlaub Osttirol Österreich Kals-Matrei Foto: TVB Osttirol
Ski Skiurlaub Osttirol Österreich Kals-Matrei Foto: TVB Osttirol

Alle kannten Kals. Doch keiner fuhr mehr hin, in dieses berühmte Bergsteigerdorf zu Füßen des Großglockners, das seit Jahrzehnten auch ein Skigebiet besaß – allerdings eines, das den Ansprüchen des 21. Jahrhunderts längst nicht mehr genügte, so dass die Schneegäste ausblieben. Die Einheimischen verließen das Dorf, um anderswo ihr Geld zu verdienen. Sogar der örtliche Lebensmittelladen schloss. Durchaus angestrengt suchte die Tiroler Landesregierung deshalb einen Investor für sein Osttiroler Kleinod – und fand gleich zwei, nämlich die Zillertaler Schultz-Gruppe und die Osttirol-Investment GmbH (eine 100-prozentige Tochter der Felbertauernstraße AG). Gemeinsam mit dem Land investierten sie rund 35 Millionen Euro. Im Winter 2008/09 entstand eine Gondelverbindung zwischen Kals und – auf der sozusagen anderen Seite des Bergs – Matrei. Zwei kleine Skigebiete mutierten plötzlich zu einem großen.

Mit nunmehr 110 Pistenkilometern erhob sich das Großglockner Resort Kals-Matrei mit einem Schlag in die skifahrerische 4-Sterne-Klasse (wenn man 5 Sterne als Höchstmaß betrachtet). Dornröschen war erweckt. Grund genug für uns, der Station letzten Winter einen Testbesuch abzustatten. Nicht zuletzt auch deshalb, um dem ewigen Drängen unserer Kumpel („Da müsst ihr unbedingt mal hin!“) auf den Grund zu gehen. Und wir erlebten dabei – inmitten einer in fast ganz Europa etwas trist-schneelosen Januar-Periode – eine gehörig positive Überraschung, denn oben auf 2600 Meter Höhe lag tatsächlich prächtigster Pulver! Und unten, auf den Schlusshängen der Talabfahrten, bedeckte Kunstschnee respektabelster Güteklasse die Wiesen. Dazu ein strahlend blauer Himmel mit betörendem Blick auf den Großglockner sowie 59 weitere Dreitausender. Und dies alles hatten wir fast exklusiv nur für uns, da sich so gut wie keine Menschen auf den Pisten befanden: Rasanteste Carving- Möglichkeiten pur!

Unsere erste Erkenntnis war also: Wer einsame Pisten bester Machart sucht, braucht nicht 10 Stunden in die kanadischen Rocky Mountains zu jetten, sondern erhält diese Chance auch in den nahe gelegenen europäischen Alpen. (In diesem Fall in rund 180 Autominuten von München aus.) Denn leere Pisten vorzufinden, ist schließlich ein Problem der Ski-Jetztzeit, vor dem manche bis über den Atlantik flüchten. Warum es in Kals-Matrei niemals überfüllt ist? Weil relativ wenige Tagesgäste aus Nordtirol und Süddeutschland den Weg auf sich nehmen – schließlich muss man Maut für die Felbertauernstraße entrichten: 10 Euro Maut pro Auto hin, 10 Euro zurück – da geraten manche durchaus ins Rechnen. Für den Urlauber hingegen fallen die 20 Felbertauern-Euro im Rahmen einer gesamten Woche kaum ins Gewicht. Zweite Erkenntnis jenes Januars: Manchen Kumpeln kann man wirklich trauen, wenn sie Tipps geben. (Vielen Dank! Wir werden uns gelegentlich revanchieren.) Sie behaupteten hinterher, wir hätten keine Ausnahmesituation erlebt, sondern Kals-Matrei böte so gut wie immer freie Fahrt.

Eine DSV-aktiv-Befragung von Urlaubern vor Ort setzte das gleiche Ergebnis. Fast alle nannten als Hauptgrund ihres Hierseins, dass es jede Menge superrassiger „schwarzer“ und genussvoller „roter“ Hänge gebe, die nicht gerade überlaufen seien. Absoluten Ski-Freaks, die Herausforderungen suchen und es ordentlich krachen lassen wollen, kann man nur empfehlen: Ab nach Kals-Matrei! Aber natürlich kommen hier auch gemütlichere Pisten-User auf ihre Kosten.

Und beim Gradonna-Resort gibt es sogar ein kostenloses Anfänger-Skigelände. Doch in erster Linie ist Kals-Matrei das ideale Revier für heiß heizende Tempo-Nerds, die endlich einmal wieder ihre Oberschenkel spüren möchten. Beste Unterstreichung dieser Behauptung: Es existiert sogar eine „exklusive Carverpiste“. Damit ist gemeint, „dass dort exklusiv Carver sind – und keine Beginner!“ Das erklärt Martha Schultz, Österreichs Seilbahn- Kaiserin, die das Skigebiet gemeinsam mit ihrem Bruder Heinz auf Vordermann brachte. Dies gelang dem Geschwisterpaar auch mittels der – inzwischen legendären – „Adler Lounge“, einer ganz oben auf dem Cimaross thronenden Skihütte, die natürlich keine Hütte ist, sondern in ihrer Mischung aus Coolness und Kühnheit eher eine Art urbanstylisches Gebirgs-Gesamtkunstwerk verkörpert – vor allem, was die Außenansicht betrifft, denn diese offeriert eine bizarr-bezirzende Spiegelung aller umliegenden Berge, die vor allem bei Sonnenuntergangsstimmung schier betört. Innen lockt das höchste Gourmetrestaurant Osttirols (2621 m), bekocht von Walter Hartweger, der für seine Künste seit 2011 eine Gault-Millau-Österreich- Haube (13 Punkte) sein Eigen nennen darf.

 

Ski Skiurlaub Osttirol Österreich Kals-Matrei
Foto: TVB Osttirol

Gradonna: Alpine Luxus-Lodge

Ein weiterer Meilenstein auf dem Kalser Weg nach oben: Der Bau (gleichfalls durch die Schultzens) des Gradonna Mountain Resorts mit einem 4-Sterne-S-Hotel und 41 Chalets, die sämtlich einen eigenen kleinen, feinen Wellness-Bereich besitzen und deren Bewohner sich in einem resorteigenen Naturkostladen mit heimischen Produkten versorgen können. „Wir sind sehr“, so Martha Schultz, „mit den Bauern verbunden.“ Letzten Winter wurde das Gradonna, in 1350 Meter Höhe direkt an der Talabfahrt nach Kals gelegen, eröffnet: Eine behagliche Luxus-Lodge im alpinen Stil, deren sämtliche Gebäude mit Holzschindeln verkleidet sind. Innen sorgen heimisches Fichtenholz und in den Schlafzimmern Zirbenholz für Wohlfühlatmosphäre. Ein gesamter Jahrgang österreichischer Zirbenschlag wurde hier verbaut. „Made in Tirol – nicht made in China“, so Martha Schultz. Nach dem Pistentag lockt eine 3000 qm große Wellness- und Pool-Landschaft. (In der sich auch bereits Lothar Matthäus mit seiner – damals – neuesten Flamme vergnügte.) Wen das Gefühl beschleicht, er müsse noch etwas Kraftaufbau betreiben, um nicht nur 5, sondern endlich mal 15 Schwünge am Stück perfekt carven zu können: Es stehen auch ein Fitness-Center sowie ein Kletter- und Boulder-Raum zur Verfügung. Außerdem direkt im Haus: Ein Sportshop und ein Skiverleih, Kinderclub (ab 3 Jahre, von 9 bis 21 Uhr) und einiges mehr.

Das Resort mit eigener Trinkwasserquelle und einer dank eines Hackschnitzelwerks autarken Wärmeversorgung ist gewissermaßen autofrei, denn die fahrbaren Untersätze aller Anreisenden werden während der Feriendauer in einer unsichtbaren Tiefgarage deponiert. „Die Gäste sollen“, so Martha Schultz, „die Natur sehen, wenn sie aus dem Fenster ihres schönen Chalets schauen. Und nicht ihr Auto.“ Geradezu grandiose Aussicht liefern die 12 Suiten im Turm des Hotels. Und wahrlich neue Aussichten völlig anderer Art wiederum bietet das Resort den heimischen Frauen, denen sich bisher kein Arbeitsmarkt vor Ort erschloss. Der Kalser Bürgermeister Nikolaus Unterweger nennt das Gradonna deshalb ein „Sozialwerk“, denn: „Die Familie Schultz hat 120 Arbeitsplätze geschaffen und der Region eine völlig neue Perspektive gegeben!“ Gradonna ist übrigens kein künstlich kreierter Marketingbegriff, sondern die Bezeichnung eines speziellen Kraftorts in unmittelbarer Nähe. Und Kraft kann man auf den Pisten von Kals-Matrei durchaus gebrauchen. Nicht, dass Sie noch stöhnen: „Madonna!“, statt zu frohlocken: „Gradonna!“


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30.10.2013
Autor: DSV aktiv
© planetSNOW