Gesucht: Skihütte in Superlage

So finden Sie ihre Traumhütte für den Skiurlaub

Skihütte
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Wer sein eigenes Traum-Domizil in den Alpen sucht, braucht einen langen Atem – und Glück.

Die Sonne verzieht sich schon langsam, der Pulverschnee staubt noch einmal im Abendlicht. Die letzte Abfahrt des Tages macht immer ein wenig wehmütig. Im besten Fall hat man ein Hotel im Tal gebucht und kann wenigstens am nächsten Morgen wieder auf die Piste oder ins Gelände. Im schlimmsten Fall heißt es Abschied nehmen und zurück in die Heimat fahren. Auf der langen Autofahrt träumt dann so mancher von der eigenen romantischen Hütte mitten im Skigebiet. Man müsste nicht den Trubel am Ende des Skitages im Taldorf ertragen, könnte lässig die Bretter an die Holztüre lehnen und die Aussicht auf die verschneiten Gipfel genießen. Und am nächsten Morgen würde man garantiert jungfräuliche Spuren ziehen, lange bevor die Gondeln die ersten Skifahrer ausspucken. Aber geht das denn wirklich? Kann man sich so mir nichts dir nichts eine verträumte kleine Hütte mit Pistenanschluss in seinem Lieblingsskigebiet kaufen? Wir machen uns auf die Suche.

Skihütte kaufen
Die Recherche führt am Anfang natürlich zu Google. Erste Erkenntnis: Eine Spezial-Seite für den Skihütten-Kauf gibt es nicht. So manches verlockende Angebot („Hütte in Alleinlage“) entpuppt sich als alte, zugige Scheune oder doppelstöckige Almhütte mit 5 Schlafl agern. Im Angebot sind ein paar Hüttendörfer, in denen man Hochglanz-Appartements oder Massiv-Holzhäuser erwerben kann. Aber nichts, was annähernd an unsere Wunschvorstellung rankommt. „Solche Objekte werden ganz selten gehandelt“, sagt Peter Kapelari, Hütten-Experte beim Österreichischen Alpenverein (ÖAV). „Die gehen immer unter der Hand weg und kosten ein irres Geld.“

Keine Chance für private Skihütten in Toplage
Mehr als 400 Alpenvereinshütten gibt es in den österreichischen Bergen. Die wechseln laut Kaperlari fast nie den Besitzer. Springt mal eine Sektion ab, steht die nächste schon parat. Privatleute kämen praktisch nie zum Zug. Im Übrigen besitzt der ÖAV laut Kapelari fast ausschließlich Schutzhütten mit vielen großen Räumen, Dutzenden Betten, Gastronomie-Betrieb und 24-Stunden-Öffnung in der Saison. Das seien keine romantischen Zweitwohnsitze für Familien.

Aber vielleicht verkauft der ÖAV zumindest ein Fleckchen am Berg, auf dem man sich selbst ein verträumtes Häuschen errichten kann? „Für Privatpersonen ist es äußerst schwierig, die Bewilligung für den Bau einer Hütte in einer Bergregion zu bekommen“, erklärt Kapelari. Die Hürden sind in seinen Augen schier unüberwindbar: Umwidmung der Fläche, naturschutzrechtliche Auflagen, Baurecht, Grundverkehrsgesetz.

Immense Kosten

Man müsste auch für den Bau der Kanalisation aufkommen, Klärgruben würden nicht mehr genehmigt „Die Kosten steigen ins Unermessliche.“ Ähnliches hört man vom Deutschen Alpenverein (DAV), der auf 325 Hütten im deutschsprachigen Alpenraum blickt. Nur in Ausnahmefällen werde der Verkauf zum Beispiel an einen langjährigen Hüttenwirt erlaubt. Und nur in seinen Träumen könne man sich eine Wunschhütte in Superlage bauen.

Wir lassen uns aber nicht entmutigen und probieren es bei den Österreichischen Bundesforsten. Etwa 1500 Hütten verwaltet das Unternehmen. „Wir sind per Gesetz verpflichtet, diesen Bestand zu sichern“, sagt Sprecherin Pia Buchner. Es gebe allerdings „Ausnahmefälle“, in denen die ein oder andere Hütte zum Verkauf stünde. Wenn etwa Jagdreviere zusammengelegt würden, könnte mal ein Häuschen abfallen. Das würde dann auf der Immobilien-Plattform der eigenen Homepage angeboten. Dort findet man immerhin einige halbwegs interessante Objekte, wobei fast jedes einen Haken hat. Wer nimmt schon eine Stunde Zustieg ab Piste in Kauf oder arrangiert sich mit einer Unterkunft ohne Kochgelegenheit?

Skihütten-Suche vor Ort
Vielleicht hilft ja der direkte Weg. Einfach mal ins Zielgebiet fahren und vor Ort nachhaken. Wir haben uns das Zillertal ausgesucht: traumhafte Gipfel, knackige Pisten und Hütten ohne Ende. Nur ein Klischee? Nein, sagt Landesrat Josef Geisler, ehemals Obmann aller 25 Zillertal-Gemeinden und des hiesigen Bauernbundes. „Die hohe Hüttendichte bei uns ist historisch begründet.“ Die Landwirte hätten früher ein Dreifachsystem zur Bewirtschaftung ihrer Flächen entwickelt: Der Hof im Tal, die Alm ganz oben und dazwischen sogenannte Asten auf einer Höhe zwischen 800 und 1400 Meter. Viele dieser Hütten würden heute nicht mehr gebraucht, auch im Zillertal sterben die Höfe. 900 bis 1000 Hütten haben die Zillertaler laut Geisler verpachtet, vornehmlich an Städter aus Süddeutschland, in der Regel über mehrere Jahre.

Es wären noch viel mehr Objekte da, und die potenziellen Mieter stünden Schlange. Aber eine Quotenregelung macht dem Geschäft einen Strich durch die Rechnung. „Nur 8 Prozent der angemeldeten Wohnsitze dürfen Zweitwohnsitze sein. So steht es im Grundverkehrsgesetz.“ Keine der Zillertal-Gemeinden könne derzeit neue Hütten anbieten. Warten, nachfragen bei den Gemeinden, vorbeikommen und sich im Gasthaus umhören – das sind die Ratschläge, die Geisler erteilt. „Mit ein bisschen Glück klappt es.“ Und sich vielleicht auch von der Traumvorstellung verabschieden. Nicht jede Hütte im Zillertal steht auf einer abgeschiedenen Almwiese und verfügt über mehrere Räume oder den gewünschten Luxus. „In der Hütte selbst darf alles umgebaut werden. Aber niemand darf ein Mehrfamilienhaus daraus machen.“

28.01.2014
Autor: Christian Schreiber
© planetSNOW
Ausgabe 01, 2014/2015/2014, 2014/2015