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Freeride in British Columbia, Kanada

Sun Peaks und Silver Star: Ski-Juwele in Kanada


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Ski Skiurlaub Kanada British Columbia Sun Peaks Silver Star Nordamerika
Foto: Bernhard Krieger

 

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Banff-Lake Louise und Whistler sind die Stars am kanadischen Skihimmel. Entsprechend groß ist dort der Trubel. Wer weniger Menschen und mehr Wildnis, aber genauso viel Ski-Spaß sucht, sollte Silver Star und Sun Peaks im Herzen von British Columbia ausprobieren.

In Sun Peaks ist immer Weihnachten. Den ganzen Winter über funkeln an den Tannen unter dem Morrissey Lift bunte Christbaumkugeln. „Christmas Tree Alley“ nennen die Kanadier die „Showboat“-Piste mit ihren Dutzenden Christbäumen. Die einzigartige Weihnachtsbaum-Allee hat das drittgrößte Skigebiet Kanadas einigen Familien aus Sun Peaks zu verdanken. Kurz nach Thanksgiving schmücken sie die Bäume und entfernen die Weihnachtsdeko erst wieder, wenn im April die Lifte schließen. „Sind die nicht wunderbar?“, fragt Nancy Greene, nachdem sie mit ihrem Bremsschwung einen kleineren Christbaum von oben bis unten frisch mit Pulverschnee überzuckert hat. Kanadas Ski-Ikone liebt die Weihnachtsbäume in Sun Peaks. „Vor allem, wenn all die Kugeln kaum noch zu sehen sind“, fügt die Riesenslalom-Olympiasiegerin von 1968 lachend an. Sobald die bunten Kugeln unter dem berühmten Champagne-Powder von British Columbia verschwinden, ist Nancy ganz in ihrem Element.

Kaum zu glauben, dass die „Rosi Mittermaier Kanadas“ in diesem Jahr 70 Jahre alt geworden ist. Mit unbändiger Energie stürzt sie sich die schwierigsten Pisten am 2152 Meter hohen Mount Tod hinunter. „Double Black Diamonds“ nennen die Nordamerikaner die Steigerung von schwarzen Pisten. In Sun Peaks heißen sie treffenderweise „Nightmare“ oder „Challenge“. Für Normalsterbliche sind sie tatsächlich eine „Herausforderung“, wenn nicht gar ein „Albtraum“. Für die zweimalige Weltmeisterin sind sie ein Kinderspiel. Wer mit Nancy beim „Treeskiing“ durch die Wälder, auf den offenen Tiefschneehängen der Crystal Bowl oder auf den Rennpisten unter dem „Elevation“-Sessellift mithalten will, versteht schnell, warum die zierliche Frau früh den Spitznamen „Tiger“ bekam. Ihre Energie ist schier unerschöpflich, ihre Lebensfreude mitreißend: „Kommt, auf geht’s! Schnell, schnell“, ruft sie uns am nächsten Morgen auf dem Weg zum Lift zu.

 

Ski Skiurlaub Kanada British Columbia Sun Peaks Silver Star Nordamerika
Foto: Bernhard Krieger

Ski mit Nancy

Sun Peaks ist günstiger und viel übersichtlicher als das Vorbild, so dass man auf Ski durch die Fußgängerzone zum Lift und von den Pisten direkt vor die Haustür fahren kann. Al kümmert sich bis heute als Bürgermeister um die Geschicke des Orts. Nancy sitzt seit 2008 als Senatorin in der höchsten Kammer des kanadischen Parlaments. „Für das Skifahren bleibt aber immer noch Zeit“, betont Al, der sich den Tiefschneetag heute auch nicht entgehen lassen will und sich am elendig langsamen Burfield-Lift zu uns gesellt. In Sun Peaks sind sie jede freie Minute auf der Piste. Wenn „Ski with Nancy“ auf einer Tafel am „Sundance- Express“-Lift steht, kann sich ihr jeder anschließen. Berührungsängste muss niemand haben.

Starallüren sind Nancy Greene völlig fremd, auch wenn sie zu „Kanadas Athletin des Jahrhunderts“ ernannt wurde. „Nancy ist einfach großartig“, sagt auch Norman Kreutz. Der Ski Director von Silver Star ist in kanadischen Skifahrerkreisen eine weitere Berühmtheit und das Aushängeschild des Ski-Resorts bei Vernon am Okanagan-See. Der Mittfünfziger ist einer der technisch besten Skifahrer Kanadas. Seit mehr als 20 Jahren fährt er im kanadischen Demoteam. 14 Jahre lang war er Chefausbilder des kanadischen Skilehrerverbands. Das klingt nach einem Ur-Kanadier, tatsächlich aber ist er ein halber Deutscher mit Kölner Wurzeln. Sein Vater sei ganz in der Nähe des Doms geboren, und er selbst habe einige Jahre dort gelebt, bevor er mit seiner Familie nach Kanada gegangen sei, erzählt Norman. In Kanada tingelte er dann jahrelang durch praktisch alle Skigebiete, bevor er in Silver Star, rund 200 Kilometer östlich von Sun Peaks, sesshaft wurde.

In der Nacht hat es 30 Zentimeter Neuschnee gegeben. Da will Nancy keine Sekunde verlieren. Ihren Kaffee trinkt sie im Sessellift. Seit Jahren fungiert Nancy in Sun Peaks als „Ski Director“. Regelmäßig geht sie mit Gästen aus aller Welt Ski fahren – mit den Weltcup-Rennfahrern, die Sun Peaks für die Vorbereitung auf die Nordamerika-Rennen nutzen, ebenso wie mit Anfängern, denen sie immer „The Sticks“ zeigt. „Die schönste einfache Abfahrt Kanadas“, wie Nancy versichert. Sie muss es wissen. Schließlich hat sie im Winterwunderland praktisch jedes Skigebiet und jede Piste gesehen. Einige Resorts hat sie gemeinsam mit ihrem Mann Al Raine sogar mitentwickelt. Der langjährige Chefcoach der kanadischen Skinationalmannschaft und Nancy gehörten zu den Pionieren, die einst Whistler aufbauten. Dann zogen sie rund 350 Kilometer weiter in das Landesinnere nach Sun Peaks. Gemeinsam halfen sie, den Ort zu einem kleinen Whistler mit schicken Hotels, guten Restaurants und coolen Bars zu machen.

Après-Ski: Swarowski-Kristalle und Kanadas größtes Spa

Silver Star besteht nur aus ein paar bunten Holzhäusern und einigen Appartement-Komplexen. Auch hier fährt man auf Ski durch den Ort zum Lift und von den Pisten bis vor die Haustür. Wer mitten in der kanadischen Wildnis ohne Trubel Ski fahren will, ist hier genau richtig. Genuss-Skifahrer und Anfänger kommen auf den sanft geschwungenen Hängen über dem Ort auf ihre Kosten, Könner wechseln auf die Rückseite des Bergs. „Das ist unsere Dark Side of the Star“, erzählt Norman und schwärmt von rassigen Geländeabfahrten wie „Free Fall“, „Nirvana“ oder „Paradise“ rund um den Powder-Gulch-Lift. „Obwohl der Gipfel nur 1915 Meter hoch liegt, ist Silver Star schneesicher von November bis April“, schwärmt Norman beim Einkehrschwung im „Bugaboos Bakery Café“. Beim ausgewanderten Niederländer Frank Berkers gibt es den besten Cappuccino Kanadas, frisch gebackene Croissants, mittags leckere Suppen und nachmittags feine Kuchen. Gleich gegenüber im Souterrain von Normans Skischule liegt die „Den Bar“. Dort flimmern zum Après-Ski die Heliski-Abenteuer des Tages über die Bildschirme. Seit Neuestem bietet Eagle Pass-Heliskiing auch Tages-Heliski-Touren an – aus Silver Star und direkt vom neuen Luxushotel Sparkling Hill. Wie ein gigantischer Bergkristall thront das Resort des österreichischen Unternehmers Gernot Langes-Swarovski über dem Okanagan-See, an dem Kanadas wichtigstes Weinbaugebiet liegt.

Insgesamt 3,5 Millionen Swarovski-Kristalle im Wert von 10 Millionen Dollar wurden in dem Hotel mit dem größten Spa Kanadas verbaut. Derartige Luxusherbergen hat Silver Star nicht zu bieten. Dafür aber günstige Preise, leere Pisten und schier unendlich viele Geländeabfahrten in den Wäldern, durch die im Sommer die Bären streifen. „Im Winter muss man keine Angst haben. Da schlafen die Bären“, erklärt Frank Berkers gelassen, um seine europäischen Gäste im „Bugaboos Bakery Café“ dann aber doch aufzuschrecken: „Gestern ist ein Schwarzbär über die Pisten gelaufen. Das ist nicht schlimm – der tut nichts!“

Fotostrecke: Auf Ski in Silverton und Telluride (USA)

11 Bilder
Ski Freeride USA Colorado Silverton Telluride Foto: Bernhard Krieger
Ski Freeride USA Colorado Silverton Telluride Foto: Bernhard Krieger
Ski Freeride USA Colorado Silverton Telluride Foto: Bernhard Krieger
22.10.2013
Autor: Bernhard Krieger
© planetSNOW