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Auf Ski vom Kleinwalsertal zum Arlberg

Skifahren im Kleinwalsertal: Welt in Weiß

Mit Ski vom idyllischen Kleinwalsertal zum wilden Arlberg und zurück: Ein Abenteuer mit tragbarem Risiko, machbaren Anstrengungen und ganz ohne Flugreise – dafür mit spektakulären Ski-Abfahrten und unvergesslichen Naturerlebnissen!

In Bildern: Auf Ski durchs Kleinwalsertal nach St. Anton

Kleinwalsertal Österreich Arlberg St. Anton Freeride
Foto: Michael Reusse
Kleinwalsertal Österreich Arlberg St. Anton Freeride
Foto: Michael Reusse
Kleinwalsertal Österreich Arlberg St. Anton Freeride
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Kleinwalsertal Österreich Arlberg St. Anton Freeride
Foto: Michael Reusse

Was für Farben! Noch vor einer halben Stunde sah es so aus, als ob ein Unwetter heraufzieht. Jetzt aber heben sich die dunklen Wolken wieder, und am Himmel beginnt ein wahres Spektakel in Blau und Violett – mittendrin die gelb-orange-rote Sonne, die sich gen Horizont bewegt. Als finster-romantische Kulisse dienen im Westen die Berge des Lechquellengebirges. Alles ist bunt und farbig an diesem Abend unterhalb des Zuger Hochlichts: Nicht einmal der Schnee ist mehr weiß, sondern schimmert matt, fast golden. Aber trotzdem ist er wunderbar locker, pulvrig und bietet somit die perfekte Unterlage für diesen Farbrausch. Es ist nur einer von vielen unvergesslichen Eindrücken auf unserer Skidurchquerung vom Kleinwalsertal an den Arlberg und wieder zurück – unserer Reise in eine weiße Welt mit eigenen Farben.

Die Idee dazu hatte Franky Drechsel. Der staatlich geprüfte Skilehrer und -führer lebt in der österreichischen Enklave Kleinwalsertal. Den ganzen Winter über zeigt der Vater zweier Töchter seinen Gästen die lohnendsten Abfahrten und gibt Tipps zur Technik – meistens daheim im Kleinwalsertal. Manchmal aber zieht es ihn auch hinaus in die weitere, größere Welt des Freeridens. Heliskiing in Kanada muss es für ihn deshalb aber nicht gleich sein. „Hier gibt es so viele Möglichkeiten, da brauche ich in kein Flugzeug zu steigen“, sagt er lachend. Schließlich hat er ja noch einen Tiefschneegiganten – aus Sicht des Kleinwalsertals – in der Hinterhand: den mächtigen Arlberg. Immerhin nehmen Tausende von Nordamerikanern für dieses Skigebiet alljährlich eine transkontinentale Flugreise auf sich!

Foto: Michael Reusse

Per Ski in drei Tagen zum Arlberg

Franky will dafür nicht einmal sein Auto bewegen. Und Tatsache: Er hat eine Route ausgearbeitet, die daheim von seiner Haustür weg per Ski in drei Tagen in das Tiefschnee-Mekka des Arlbergs und wieder zurück führt. Einige wenige Anstiege mit Fellen von bis zu maximal 2 Stunden sind dafür nötig. Die Abfahrten sind fordernd, aber machbar. Ein kleines Abenteuer also, vor der Haustür gelegen und geeignet auch für Helden des Alltags, die nur über begrenzte Mengen an Zeit für Training und Urlaub verfügen. Absolut nötige Voraussetzung sind freilich sichere Lawinenverhältnisse: Ansonsten sind einige Übergänge zu riskant. So mussten wir einen zweiten Winter abwarten, bis alles passte und unsere kleine Gesellschaft mit Franky zusammen losziehen konnte. Yogy – eigentlich Johannes – Schindler begleitet uns. Der 26-Jährige hat mit einigen spektakulären Steilwandabfahrten und Erfolgen bei Freeski-Contests auf sich aufmerksam gemacht. Große Worte macht er aber nicht darum. Still ist er, während wir mit unseren Tourenski das Bärgunttal gen Hochalp-Pass hinaufstapfen.

Wenige Stunden später genießen wir das weitläufige Gelände oberhalb von Lech und Zürs. Mittlerweile ist auch die Profi-Skifahrerin Tine Huber zu uns gestoßen. Yogy und Tine kennen sich aus Innsbruck, ganz offensichtlich der Schmelztiegel der nordalpinen Freeride-Szene. Yogy hat dort Physik studiert, besonders Gletscher und Klimaforschung interessieren ihn. Wir aber wollen etwas über Farben von ihm wissen. Das gehört doch schließlich auch zur Physik, und wir tappen schon seit einiger Zeit fröstelnd bei eher miesem Wetter in der weißlich-grauen Suppe umher. Wie eine Theaterrequisite tauchen passend dazu immer wieder Hinweistafeln auf und erinnern uns an den „Weißen Ring“, die berühmte Skirunde um Lech und gleichzeitig das längste Skirennen der Welt. Ist Weiß denn überhaupt eine Farbe? Das schon, allerdings eine sogenannte „unbunte“, erklärt uns Yogy. Immerhin: Unser Auge nimmt das Weiß durch die maximale Erregung gewisser Rezeptoren auf der Netzhaut wahr. Wenigstens das lässt die große Emotionalität erahnen, die Schnee für uns besitzt.

Doch genug theoretisiert – weiter geht es mit unserer Skidurchquerung. Nach einem lebendig-bunten Abend in St. Anton führt sie uns über die Rendlscharte in das einsame Malfontal. Angesichts der vielen unverspurten Hänge dort fällt uns der Abschied extrem schwer. Lange überlegen wir, ob wir verlängern sollen und einfach noch ein paar Mal in das Tal hinabfahren. Diese Varianten enden in Pettneu übrigens direkt am Hallenbad. Frankys Tipp lautet deshalb: „Badehose mitnehmen.“ Wir übernachten noch einmal in St. Anton und genießen die internationale Atmosphäre dort. Am nächsten Morgen steht die Valluga auf dem Plan: Quasi ein „Muss“ am Arlberg – allerdings dürfen Schneesportler dort nur in Begleitung eines Skiführers hinauffahren. Die nordseitige Abfahrt führt gen Zürs. Ein paar wunderbare Hänge mit klangvollen Namen wie Stierloch, Stierfall und Mahdloch später ruft dann wirklich die Heimat. Gut, dass der Weg in das Kleinwalsertal noch viele Genüsse zu bieten hat, alle in Weiß ... in hellerem und dunklerem, weich, hart, etwas grau, matt, samt und glänzend.

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Autor: Verena Stitzinger

© planetSNOW : Ausgabe 03/2012

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