Auf Ski in Japan

Freeride-Tanz auf dem Vulkan


Zur Fotostrecke (10 Bilder)

PlanetSNOW Japan Freeride Ski
Foto: Aaron Jamieson, Yasuyuki Shimanuki, Darren Teasdale

 

PlanetSNOW Japan Freeride Ski
Foto: Aaron Jamieson, Yasuyuki Shimanuki, Darren Teasdale

 

PlanetSNOW Japan
Foto: Aaron Jamieson, Yasuyuki Shimanuki, Darren Teasdale

 

PlanetSNOW Japan
Foto: Aaron Jamieson, Yasuyuki Shimanuki, Darren Teasdale

 

PlanetSNOW Japan
Foto: Aaron Jamieson, Yasuyuki Shimanuki, Darren Teasdale
Der Vulkan Niseko auf der japanischen Insel Hokkaido ist den kalten und trockenen sibirischen Winden ausgesetzt, die sich über dem Japanischen Meer mit Feuchtigkeit anreichern. Diese Feuchtigkeit ist der Grund für die berühmt-berüchtigten japanischen Winter mit ihren starken, nicht enden wollenden Schneefällen. 3 Freeski-Girls reisten ins Land von Sushi, Essstäbchen und Karaoke, um sich am pulvrigen Weiß sattzushredden.

Lesen Sie in diesem Artikel:


Januar 2013. Um einen der Parts für unseren reinen Frauen-Skifilm „Shades of Winter“ zu drehen, sind wir auf der Suche nach Schnee oder, besser gesagt, nach guten, kreativen Spots mit übermäßiger Powder-Garantie und einem Riesen-Spaßfaktor. Woran denken wir 3 schneehungrigen Skimädels Sandra Lahnsteiner (AUT), Rachael Burks (USA) und Caja Schöpf (GER) da sofort? Natürlich an Japan – genauer gesagt an Niseko auf dessen nördlicher Insel Hokkaido.

Die Nähe zu Sibirien, die damit verbundenen Wettereinflüsse und Winde sowie die besondere Lage zwischen Bergen und Meer sorgen in Niseko im Winter für starken und anhaltenden Schneefall. Niseko ist dank der unglaublichen jährlichen Schneemenge von teilweise über 16 Metern sowie seiner besonders trockenen und leichten Schneequalität Japans berühmtestes Powder-Skigebiet. Es liegt am Fuß des Mount Niseko-Annupuri, um den sich die miteinander verbundenen Skigebiete Hanazono, Grand Hirafu, Niseko Village und Niseko Annupuri anordnen.

Seit Mitte der 90er-Jahre, als sich die Schneesicherheit der Skigebiete auf Hokkaido auch im Ausland herumzusprechen begann, wurden die Skigebiete um Niseko ständig weiter ausgebaut und modernisiert. Neben erneuerten Liftanlagen und Restaurants entstanden direkt im Skigebiet auch große Luxushotels und Chalets. Abgesehen von den Japanern von der Hauptinsel (die Flugzeit von Tokio nach Sapporo beträgt ungefähr 90 Minuten) zählen Chinesen und Australier zu den häufigsten Skitouristen in Niseko.

Unsere Neugier ist also geweckt. Von München aus fliegen wir nach Tokio und von dort aus weiter nach Sapporo, wo – perfekt organisiert – bereits ein Shuttle von skijapan.com auf uns wartet. Nach zirka 3 Stunden Fahrt erreichen wir mitten in der Nacht unsere Unterkunft.

 

PlanetSNOW Japan
Foto: Aaron Jamieson, Yasuyuki Shimanuki, Darren Teasdale Pillows und perfekte Tree-Lines.

Wir haben eigentlich eine klassische Skiherberge erwartet. Stattdessen empfängt uns ein riesiges Loft im obersten Stockwerk, hoch über den Dächern des japanischen Örtchens Niseko. Wir trauen unseren Augen nicht, als wir das große Wohnzimmer mit seinem atemberaubenden 360-Grad-Blick betreten. Wow, unser Japan-Trip kann starten! Wovon wir in der ersten Nacht in unserem Luxus-Appartement träumen, kann man sich ja denken ...

Aufgeregt und ungeduldig, wie wir sind, können wir natürlich nicht sehr lange schlafen. Wir stehen schon sehr früh auf der Matte, um endlich diesen berühmten japanischen Powder zu testen. Also, ein schnelles Frühstück, rein in die Skiklamotten, fette Latten aus dem Skibag geholt, und raus geht es in das kühle Weiß. Glücklicherweise ist alles sehr gut organisiert. Wir marschieren erst einmal in das Büro der Agentur Skijapan und dann weiter zu Niseko Photography. Diese haben uns die womöglich coolsten Guides und Fotografen vor Ort organisiert. Aaron, Fotograf und gebürtiger Australier, sowie J.S., zertifizierter Skiführer und gebürtiger Franko-Kanadier, leben beide seit einigen Jahren vor Ort in Japan und kennen die Region in und um Niseko wie ihre Westentasche. Von Anfang an verstehen wir uns blind. Das Team ist komplett. So ziehen wir also mit Aaron und J.S. los und beginnen den ersten Tag damit, das Skigebiet in Niseko zu erkunden.

Es ist alles genau so, wie wir es uns vorgestellt haben: Schnee, Schnee, Schnee und Schnee sowie, ach ja, Schnee. Wirklich: Man macht eine Fahrt, sitzt 15 Minuten im Lift und hat oben keine Chance, die eigenen, vorhin gelegten Spuren wiederzufinden. Und wer nach so einem Tag noch nicht genug hat, der kann einfach in der Nacht weiterfahren. Im Skigebiet von Niseko leuchten in der Dunkelheit riesige Flutlichter, in deren Licht man sogar nächtliche Tree-Runs machen kann. Das klingt für westliche Ohren vielleicht komisch, ist aber wirklich so. Wir können es selbst kaum glauben!

Mittags geht man in Japan nicht wie bei uns „auf d’Hittn“, sondern kehrt in einem der leckeren traditionellen japanischen Ramen-Restaurants ein, die man überall in Downtown Niseko findet. Eines dieser kleinen und gemütlichen Restaurants ist das Abu Cha, in welches wir nicht nur einmal einkehren. Nach einer ordentlichen Portion Ramen-Nudeln sind wir gestärkt, um den restlichen Tag (und die Nacht!) weiter im hüfttiefen Powder zu verbringen. Die Krönung eines solchen Tages beziehungsweise so einer Nacht ist natürlich noch ein zünftiger Ski-in bis ins Hotel. Was für ein erster Tag!

 

PlanetSNOW Japan
Foto: Aaron Jamieson, Yasuyuki Shimanuki, Darren Teasdale Pflichtprogramm: Onsen-Besuch.

Die Anzahl der powderhungrigen Skifahrer in Japan ist in den letzten Jahren extrem gestiegen. Das Bild, das sich uns dabei vom Lift aus bietet, ist einzigartig. Sobald eines der sogenannten „Gates“ geöffnet wird, flitzen plötzlich Hunderte Tiefschnee-Fans fast gleichzeitig durch die lichten japanischen Wälder.

Um ein wenig von der Masse der Powder-Fans wegzukommen, beschließen wir, voll auf „Woman Power“ zu setzen und zu hiken. Der Lohn für unsere teilweise mühevollen Aufstiege durch den hüfttiefen Schnee sind unglaubliche Pillow-Lines und perfekte Tree-Runs.

Unser Guide J.S. macht sich dabei Tag für Tag unentbehrlicher. Schließlich verfügt er über das Wissen, wo die besten Spots zu finden sind. Er zeigt uns endlose Pillow-Felder, auf denen die eine oder andere von uns auch erst einmal richtig einstecken muss. Wer noch nie mit Pillows auf Tuchfühlung gegangen ist, merkt schnell, dass es meist leichter aussieht als es ist. Aber Übung macht den Meister! Es dauert daher nicht lange, bis wir die Pillows und nicht mehr die Pillows uns im Griff haben.

Nach so einem Tag sehnt sich der Körper nur nach einer Sache: Entspannung. Und wo findet man diese in Japan? In einem sogenannten Onsen, einer heißen Quelle, die in einem vulkanisch aktiven Gebiet entstanden ist. Onsens liegen in der freien Natur oder auch an künstlich angelegten Orten, in denen das heiße Wasser gesammelt und weiter erhitzt wird. Das Bad spielt in der japanischen Kultur eine große Rolle. Nachdem wir mit den Verhaltensregeln vertraut gemacht worden sind, genießen wir das heiße und entspannende Schwefelbad, Männlein und Weiblein streng voneinander getrennt.

Wir werden sofort zu den größten Onsen-Fans. Liebe auf den ersten Blick sozusagen. Wer in Japan Ski fahren geht, darf sich den einen oder anderen Onsen-Besuch nicht entgehen lassen, sonst versäumt er auch ein Stück der fantastischen japanischen Kultur.

 

PlanetSNOW Japan
Foto: Aaron Jamieson, Yasuyuki Shimanuki, Darren Teasdale Sushi und Ramen-Nudeln dürfen nicht fehlen.

Apropos japanische Kultur: Unbedingt müssen wir das unglaublich kreative und köstliche Essen der japanischen Küche erwähnen. Ganz klar, Sushi kennen wir alle, und diese bekommt man hier frisch und besser also irgendwo sonst auf der Welt – vergleichbar mit einem Schweinsbraten, den man auch am besten in einer typisch bayerischen Wirtschaft im Herzen Münchens isst. Aber die japanische Küche hat nicht nur Sushi zu bieten, sondern eine sehr vielfältige und reichhaltige Küche, die für jedermann und -frau etwas zu bieten hat. Alle kommen hier auf ihre Kosten. Besonders empfehlen wir, zu jedem Essen ein oder zwei der leckeren Sapporo-Classic-Biere sowie zum Verdauen einen köstlichen Pflaumenwein zu trinken.

Bei all den feinen Schlemmereien ist natürlich viel Bewegung angebracht – zum Beispiel die berühmt-berüchtigten Lawinenverbauungen hinaufzuhiken, und das nicht nur einmal. Aber das nehmen wir gerne in Kauf. Schließlich können wir dadurch mit einem Riesenspaß die typisch japanischen Verbauungen befahren und überspringen. Bei uns 3 Energiebündeln haben Fotograf und Filmer alle Hände voll zu tun. Aber wir bekommen nicht genug. Nach jedem Sprung landen wir in federweichem Schnee – hüfthoch und so trocken, dass man oft erst einmal nach Luft schnappen muss, während man sich auf die Weiterfahrt konzentriert. Es ist fantastisch und einfach unvergesslich – was man jedes Mal in unseren Gesichtern sieht, wenn eine von uns mal wieder lachend und grinsend aus einer Wolke frischen Powders auftaucht.

Japan – Vulkane, endloser Powder, Sushi, Sake, nette Leute, inspirierende Kultur, endlose Schönheit und Pillows, so weit das Auge reicht. Die 10 Tage vergehen wie im Flug. Es tut uns im Herzen weh, nicht noch eine Woche dranhängen zu können. Wer mehr von unseren Erlebnissen sehen will, sollte sich den Film „Shades of Winter“ anschauen. Das Fazit unserer wundervollen Reise lautet: Wir kommen zurück. Und wir können es nur jedem ans Herz legen: Ski Japan!


Inhaltsverzeichnis

03.03.2014
Autor: Caja Schöpf
© planetSNOW
Ausgabe 01, 2014/2015/2014, 2014/2015