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Die Garhammer-Story: Ein echter Hot Dog wird niemals alt
Sie waren die Pioniere des Trickskilaufs und wurden in den siebziger Jahren weltberühmt. Die Garhammer Brüder sammelten damals Weltcup- und Europameistertitelund leben heute noch genauso leidenschaftlich fürs Skifahren. Nur ein wenig anders. Hier die "etwas längere" Grahammer-Story...
Die Geschichten von Skihelden beginnen meist auf Bauernhöfen im Hochgebirge, wo junge Mädel oder Burschen praktisch mit den Skiern auf die Welt gekommen sind, täglich damit zur Schule gefahren und mehr oder weniger automatisch Spitzenrennläufer geworden sind. So einfach war die Erfolgsstory der Garhammer Brüder nicht.Die Wurzeln ihrer Leidenschaft fürs Skifahren fanden sich im Rottal im tiefsten Niederbayern. Nicht gerade eine Gegend, die für alpine Attraktionen und als Heimat von Skiheroen bekannt ist. Aber da war der Vater, der eine Gärtnerei mit Obstanbau besaß und vielleicht deswegen eine Liebe zur Natur empfand oder einfach ein begeisterter Wintersportler war. Das begann in den sechziger Jahren und die Geschichte ist heute jedenfalls noch lange nicht zu Ende. Denn wer so skiverrückt ist wie die Garhammers, der bleibt das ein Leben lang.
Sechs Brüder und eine Schwester
Doch zurück ins Niederbayerische der sechziger Jahre. Für sechs Brüder und eine Schwester war in der Familie nicht daran zu denken, einfach ins nächste Sportgeschäft zu laufen und Ski, Stöcke und Stiefel zu kaufen. Eine Mischung aus Kreativität und handwerklichem Talent war stattdessen gefragt. Die ersten Schwünge absolvierten sie an einem selbst eingetretenen Hang zuhause, ausgerüstet mit Ebereschen-Brettern, Riemenbindung und Holzschuhen. Nicht bequem vielleicht, aber fahrstabil. „Mit Bananenkisten haben wir die erste Schanze gebaut und sind Figuren gesprungen“, erinnert sich Ernst Garhammer. Alles improvisiert und ohne professionelle Anleitung. Prellungen und Zerrungen nach so manch harter Landung bleiben nicht aus. Aber die Garhammers waren vom Skibazillus infiziert und gegen solche Widerstände quasi immun.
Hippie-Bewegung und Trickskifahren
Mit der Berufsausbildung in München waren die Berge schon wesentlich näher. Im Sommer gingen Ernst und Fuzzy zum Klettern ins Gebirge. Im Winter wurde der Taubenstein am Spitzingsee ihre zweite Heimat. Das sollte Folgen haben, denn dort oben auf der Maxlrainer Hütte war der Walter Trceba zuhause und der konnte ganz eigenartige Dinge. „Der war nicht nur ein exzellenter Skifahrer, er hatte auch sensationelle Tricks drauf“, erzählt Ernst Garhammer. Skifahren konnten die Garhammer Brüder, aber das war eine echte Herausforderung. Waghalsige Sprünge und akrobatische Figuren. Man war ja, nicht zu vergessen, in den späten sechziger Jahren. Eine Zeit mit einer gewissen anarchistischen Stimmung. Die wilden 68er und die aufkommende Hippie-Bewegung, all das spukte den jungen Leuten im Kopf herum und animierte den einen oder anderen zu unkonventionellen Ideen. Trickskifahren, das war´s für die Garhammer Brüder. Kein Slalom oder Abfahrtsrennen. Das war Establishment. Ballet, Buckelpisten und Springen. Das waren die Wilden, die Abenteurer, die Individualisten. Und es kam an. Allmählich zumindest.
Die neue Art des Skifahrens
1970 präsentierte Fuzzy Garhammer die neue Art des Skifahrens beim Weltskilehrer- Kongress in Garmisch-Partenkirchen und wurde zur großen Attraktion. Kurze Zeit später gewann er die ersten inoffiziellen Weltmeisterschaften in Vail, Colorado. Dann folgten die ersten Wettbewerbe in Europa. Trickski war neu, jung und individualistisch. Das gefiel den Sponsoren und so wurden die Wettkämpfe schnell zu Publikumsmagneten. Es gab die Camel Hot Dog World Trophy. Hot Dogs, die heißen Hunde, das passte zu den Fahrern, die sich gegen so ziemlich alle Grundsätze der Fahrphysik und orthopädischen Grenzwerte die Hänge hinunter stürzten – und heil ankamen. Die Garhammers waren vorne mit dabei. Vier Brüder – Bernd, Fuzzy, Ernst, Franz und Schwester Hedy gehörten zur absoluten Weltspitze. Allein Ernst wurde fünfmal Weltcupsieger und achtmal Europameister.
Trophäen auch in New York
Die Trickskiszene wurde immer größer und mit der Zeit auch kommerzieller. Eine Entwicklung, die sich später bei den Snowboardern wiederholen sollte. Ernst und Fuzzy entdeckten zwischenzeitlich eine neue Leidenschaft. Filme drehen. Natürlich Skifilme. Und genauso kreativ und unkonventionell, wie sie mit dem Skifahren begannen, wurden sie nun Skifilmer. Irgendwie war das auch keine Überraschung, denn die Stars der Szene waren begehrte Darsteller für Skifilme und Werbespots. Und da ist der Gedanke, die Kamera selbst in die Hand zu nehmen, nicht gerade abwegig. Und so wie die Garhammers eben sind und alles rund ums Skifahren mit viel Spaß und Leidenschaft machen, holten sie sich 1977 die Trophäe beim Internationalen Skifilm Festival in New York als absolute Außenseiter. Der Film hieß übrigens „Familien-Trophäe“ und handelte von einem innerfamiliären Skiwettkampf mit verrückten akrobatischen Einlagen. Und wer da nun biographische Gemeinsamkeiten mit der
Garhammer`schen Vita sieht, liegt absolut richtig.
Revolutionäre Ideen
Mitte der achtziger Jahre wurde es ruhig um die Trickski-Szene. Die jungen Wilden waren in
die Jahre gekommen und andere Themen verdrängten die Buckelpisten- und Balletakrobaten. Fuzzy Garhammer entdeckte das Snowboarden für sich und fing an Kurse zu organisieren, was er bis heute erfolgreich macht. Für Ernst entwickelten sich die Tiefschneekurse zu einem echten Dauerbrenner. Er wäre ja auch kein echter Garhammer, wenn ihm dazu nicht auch etwas Revolutionäres eingefallen wäre. Mit seiner ABS-Technik werden die Schwünge im Tiefschnee nicht nur leichter, sondern auch eleganter. Andrehen, Beugen, Strecken. Mit ausgebreiteten Armen, gleichsam wie Tänzer, schwingen sie die Hänge hinunter. Das funktioniert
nicht nur bei erfahrenen Skifahrern. Selbst absolute Greenhorns aus dem hohen Norden lernen sehr schnell elegant und souverän durch den meterhohen Powder zu tanzen.
Immer auf den schönsten Tiefschneehängen unterwegs
Vom Saisonstart bis weit ins Frühjahr werden Kurse von Garhammer Ski Tours angeboten. Dabei kommt natürlich die enorme Erfahrung von Ernst zugute, der – egal ob am Kitzsteinhorn, in Ratschings, Klosters oder auf der Zugspitze – weiß, wo die besten Tiefschneehänge sind. Und wenn er zwischendurch mit seinen knapp zwei Meter langen Tiefschneeskiern einige verwinkelte Balletfiguren spontan einlegt, dann weiß man nicht nur, dass er es noch nicht verlernt hat, sondern auch, dass die echten Hot Dogger immer wilde Hunde bleiben. Außerdem steht mit Sebastian Garhammer, der zu den weltbesten Freeridern zählt, bereits in den Startlöchern, um die Geschichte der Garhammers und ihrer Skileidenschaft weiter zu schreiben.

