Winterwetter

Zeit für Powder - oder nicht?

Winterwetter
Foto: Rune Dahl
In diesen Tagen kann man sich gefühlsmäßig kaum noch auf das Wetter verlassen. Der Schnee kam in den letzten Jahren erst nach Weihnachten richtig und bleibt dann bis tief in das Frühjahr. Die Sommer sind viel zu heiß, und irgendwie macht es den Anschein, als würde alles ein bisschen extremer werden. Oder doch nicht? Kurz erklärt: Die gängigsten Winterwetterlagen, Wetterphänomene und wann man wirklich mit Powder rechnen kann

Das Wetter ist ja immer ein beliebtes Thema – sei es im Büro, beim Stammtisch oder im Sessellift. Das Wetter und seine Phänomene bestimmen unser Handeln und unsere Aktivitäten. Als Skifahrer wissen wir, wovon wir sprechen. Kaum etwas beeinflusst einen Skitag mehr als das Wetter: Liegt zu wenig Schnee? Können wir durch hüfttiefen Powder pflügen oder Frühjahrsfirn genießen? Über all das entscheidet das Wetter. Doch was genau ist Wetter eigentlich? Und was sind Wetterphänomene und Wetterlagen?

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Test 2015 Freeride Ski Foto: Hersteller
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Damit kennt sich die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) bestens aus. Der nationale meteorologische Dienst von Österreich wurde 1851 gegründet und ist damit der älteste staatliche Wetterdienst weltweit. Zu seinen Aufgaben gehören die meteorologische Information, die Warnung bei Natur- und Umweltkatastrophen so- wie die anwendungsorientierte Forschung im Bereich der Meteorologie und Geophysik. Bei der ZAMG gibt uns Mag. Gerhard Hohenwarter eine Einführung in das Winterwetter. Dabei erfahren wir, dass man mehrere Begriffe unterscheiden muss: Wetter, Klima, Wetterphänomene und Wetterlagen. Unter Wetter versteht man den aktuellen Zustand der Atmosphäre, der an einem bestimmten geografischen Ort vorherrscht. Blickt man also aus dem Fenster, kann man das aktuelle Wetter ganz gut beobachten. Als Klima bezeichnet man dagegen das durchschnittliche Wetter eines Orts über einen Zeitraum von mindestens 30 Jahren.

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Test 2015 Allmountainski Foto: Hersteller
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Ein Wetterphänomen ist hingegen eine optische Erscheinung, die auf meteorologischen Ursachen beruhen kann, beispielsweise Wolkenformationen oder Blitze. Als Skifahrer sollte man daher besonders auf Schneefahnen an Berggipfeln achten. Nach Schneefällen kann kräftiger Wind den frischen Pulverschnee von den Gipfeln und Kämmen wehen. Laut Gerhard Hohenwarter zeigen diese Fahnen die Gefahr von Einwehungen an, die oftmals die Bildung von Schneebrettern begünstigen können.

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Test 2015 Tourenski Foto: Hersteller
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Kommt die Rede nun auf Wetterlagen, so wird das Ganze schon etwas umfangreicher. Wetterlagen sind nämlich eine Zusammenschau des Wettergeschehens einer größeren Region. Die charakteristische Zeitdauer hierfür wird wissenschaftlich mit 1 Tag angesetzt. Im Alpenraum gibt es über das gesamte Jahr hin viele verschiedene Wetterlagen. Sie entstehen durch das Zusammenspiel der globalen Hoch- und Tiefdruckgebiete. Diese sind einer ständigen Veränderung unterworfen. Die Hochs und Tiefs, wie sie umgangssprachlich auch gerne genannt werden, ziehen in Wellenmustern in der Regel von West nach Ost. Dabei strömt kalte Luft von den Polen Richtung Äquator bzw. warme Luft nach Norden. Je nachdem, wo sich ein Ort in Bezug auf diese Hoch- und Tiefdruckgebiete befindet, ist es warm oder kalt, trocken oder niederschlagsanfällig.

Die Alpen gelten dabei als sogenannte Wetterscheide. Fronten, die von Norden gegen die Alpen ziehen, werden von dem Bergmassiv richtiggehend aufgehalten. Dort werden sie gezwungen, aufzusteigen. Sie kondensieren und geben so einen Teil als Niederschlag ab. Ist die Außentemperatur kalt genug oder handelt es sich um Kaltfronten, können wir uns anschließend über eine Portion Pulverschnee freuen. Während es dann also in den Nordalpen schneit, ist es im Süden trockener und wärmer. Zusätzlich kann Föhn entstehen. Bei Fronten, die von Süden an die Alpen ziehen, kehrt sich die Niederschlagsverteilung dementsprechend um. Diese Wetterlagen kommen häufig im Winter und Frühjahr vor.
Somit ist also bezüglich der Schneefälle im Winter vor allem wichtig, ob es eine Nord- oder Südlage gibt. Durch die Westwindzirkulation im Alpenraum kommen dort neben den reinen Nord- und Südlagen häufig Südwest- oder Nordwestwetterlagen vor, die aber von den Phänomenen her sehr ähnlich sind. Die Richtung, aus der die Luft gegen die Alpen strömt, gibt nämlich auch an, wo der meiste Niederschlag fällt. Klassische Wetterlagen, bei denen man im Winter im Alpenraum auf jeden Fall hellhörig werden sollte, sind die reinen Westlagen.

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Dabei handelt es sich um ein Haupttiefdruckgebiet über dem Nordatlantik bei Island und ein deutliches Hoch über den Azoren. Das sich dem Uhrzeigersinn entgegendrehende Islandtief im Norden und das mit dem Uhrzeigersinn drehende Azorenhoch im Süden liegen auf gleicher geografischer Länge, und die Luftmassen werden dazwischen nach Westen durchgeleitet. Diese Kombination intensiviert die Westwinde. Die Fronten, die so nach Osten ziehen,bringen feuchtwarme Luftmassen.Vereinzelt kann es in Hochlagen zu Neuschnee kommen. Dazwischen kann man meist mit kurzen Tagen der Wetterbesserung rechnen.

Eine weitere Wetterlage, die im Osten der Alpen für große Mengen Neuschnee sorgen kann, ist die Vb-Wetterlage (gesprochen „5-B-Wetterlage“). Dabei handelt es sich um ein Tiefdruckgebiet, das vom Golf von Genua mit viel Feuchtigkeit aus dem Mittelmeerraum entlang des Alpenrands nach Nordosten und weiter bis ins Baltikum zieht.

Neben den Wetterlagen sollte man als Skifahrer auch einen Blick auf die Nordatlantische Oszillation, die sog. NAO, werfen. Diese wechselt mit einem Abstand von mehreren Jahren periodisch und wird im Wesentlichen durch die Luftdruckunterschiede zwischen dem Hoch über den Azoren und dem Tief über Island bestimmt. Zu unterscheiden sind dabei ein positiver und ein negativer NAO-Index. Von einem positiven NAO-Index spricht man, wenn die Luftdruckunterschiede zwischen dem Azorenhoch und dem Islandtief sehr hoch sind.

Es kommt zu intensiveren Westwinden. Dadurch werden Nordeuropa feuchter, Südeuropa trockener und die Winter milder. Bei einem negativen NAO-Index gibt es dagegen geringere Luftdruckunterschiede zwischen Islandtief und Azorenhoch. Somit herrschen abgeschwächtere Westwinde vor. Die Alpen werden dadurch im Winter kälter und meist auch schneereicher. Diese Situation war bis in die 1970er-Jahre sehr ausgeprägt. Aufgrund jener schneereichen und kalten Winter wurden die Liftanlagen in den Alpen seinerzeit auch ausgebaut.

Doch stimmt es dann wirklich, dass sich das Wetter in den letzten Jahren im Winter deutlich geändert und man den Eindruck gewonnen hat, dass eine Verschiebung in Richtung Frühjahr stattfindet??Gerhard Hohenwarter stimmt dieser Aussage nicht zu und fasst die wichtigsten Punkte nochmals zusammen:?• Heute ist es so, dass der Zeitpunkt des ersten großen Schneefalls von Jahr zu Jahr und Region zu Region enormen Schwankungen unterliegt. Das passt dann meist einfach nicht mit den Zeitplänen der Skigebietsbetreiber zusammen. Dadurch entsteht der Eindruck, als habe sich der Winter verschoben.
• Ein oft vermuteter allgemeiner Rückgang der Winterniederschläge kann zum heutigen Zeitpunkt ebenfalls nicht beobachtet werden. Nachdem es bis in die 1990er-Jahre in den Nordalpen sehr schneereiche Winter gegeben hat, haben sich die Winterniederschläge in dieser Region seither deutlich reduziert.
• Südlich des Alpenhauptkamms findet man hingegen in den letzten 15 Jahren einen unverkennbaren Anstieg der Winterniederschläge. Das ist aber keineswegs in Stein gemeißelt, sondern darf nur als Momentaufnahme verstanden werden und kann sich in den nächsten Jahren auch schon wieder ändern.

Gerhard Hohenwarter bestätigt allerdings die Vermutung, dass sich der Klimawandel deutlich auf unseren Winter in den Alpen auswirken wird. Aufgrund der globalen Erwärmung muss man in den nächsten Jahren damit rechnen, dass die Winter tendenziell später beginnen und früher enden. Nach aktuellem Forschungsstand wird die Anzahl der Tage mit geschlossener Schneedecke in allen Höhenlagen zurückgehen. Allerdings besteht auch weiterhin die Möglichkeit von Starkschneefällen bis in die Täler, wie sie im Winter 2013/14 in den Südalpen stattgefunden haben. Obwohl dieser Winter einer der wärmsten seit Messbeginn war, zählte er gleichzeitig zu den schneereichsten.

Zusammenfassend bedeuten die Aussagen Hohenwarters, dass es in den Alpen einen einheitlichen Winter vom 1. November bis 31. März wohl in Zukunft so nicht mehr geben wird. Wer sich allerdings ein bisschen mit dem Wetter und seinen Auswirkungen beschäftigt, wird jedoch auch in Zukunft die Chance haben, in den Alpen fette Powder-Tage mit viel Neuschnee zu genießen.

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21.12.2015
Autor: Lisa Amenda
© planetSNOW
Ausgabe 2015/2016/2015/2016