Perfect Day I

Perfect Day - Ein Tag auf der Diavolezza

Diavolezza – die schöne Teufelin! Es ist in der Tat teuflisch gut, das kleine Skigebiet südöstlich von St. Moritz. Lediglich zwei Bergbahnen und ein Sessellift erschließen die beiden Berge Piz Lagalb und Munt Pers. Welche enormen Möglichkeiten sich dort trotzdem bieten, verrät der Freeride-Map-Mitarbeiter Daniel Sturzenegger.

 

Perfect Day II: Verbier
Daniel Sturzenegger

Wer abseits der gesicherten Skipisten unter­wegs ist, sollte topografische Karte­n lesen können. Außer er ist mit Danie­l Sturzenegger unterwegs. Der studiert­e Geograf ist nämlich ein richtige­r Wizard, wenn es darum geht, die wichtigsten Informationen aus diesem Stück Papier herauszulesen. Ach ja – ein hervorragender Freerider ist er nebenbei auch. Zu sehen beispielsweise in den Büchern »Die schönsten Free­ride-Touren in den Schweizer Alpen« und »Die schönste­n Freerides in den Öster­reichischen Alpen«. Und wenn er im Winter gerad­e mal nicht irgendwo durch den Pulverschnee pflügt oder sich beruflich um das Thema Naturgefahren kümmert, sorgt der Geograf dafür, dass in schöner Regelmäßigkeit die praktischen Free­ride-Maps der besten Spots im Alpenraum auf den Markt kommen (www.freeride-map.com).

 

Perfect Day I: Diavolezza
Die Karte gibt es zum downloaden im Groß-Format weiter unten.

1. Das Oberengadin ist bekannt als »Kühlschrank« der Schweizer Alpen. Die Lage der Diavolezza-Bergstation auf knapp 3000 Metern über dem Meer treibt das Quecksilber auch nicht unbedingt in die Höhe. Deshalb nichts wie los und zunächst ein paar weite Aufwärmschwünge in die perfekt präparierte, breite Piste unterhalb des Gletscherlifts ziehen. Der Gletscher ist zwar schon längst auf ein kümmerliches Nichts dahingeschmolzen, nichtsdestotrotz bleibt aber dank der nordwestlichen Exposition der Schnee bis weit in den Frühling liegen.

2. Sicherheitscheck beim Piz Bernina Alpine Safet­y Center: Wer die zahlreichen Freeride-Möglichkeiten auf Lagalb und Diavolezza testen möchte, sollte zuerst einmal sich selbst einem Test unterziehen. Auf dem Übungsfeld kannst du deine Fähigkeiten im Umgang mit dem LawinenVerschütteten-Suchgerät unter Beweis stellen.

3. Von der Bergstation beim Sass Queder brauchst du lediglich 150 Meter in Richtung Süden zu schiebe­n, und schon liegt dir das Val d’Arlas zu Füße­n. 900 Höhenmeter Pulverrausch sind es zweifelsohne Wert, zum Schluss einen Kilometer von der Alp da Buond Sur hinauszuschieben.

4. Einem gigantischen Kegel gleich ragt der Piz Lagalb in den oft stahlblauen Bündner Himmel. Himmlisch sind auch die Abfahrtsmöglichkeiten. Offpiste südostseitig über die Fuorcla Minor nach La Rösa (und per Autostopp wieder zurück) oder nordwestseitig unterhalb der Bahn über die Costas Lagalb. Auch wenn du Präpariertes bevorzugst, kommst du auf deine Kosten. In den Buckeln der Pisten 22 und 24 wirst du all dein Fahrkönnen aufbieten müssen, während die 21 und 23 auch noch Zeit bieten, den fantastischen Tiefblick ins Val Poschiavo zu genießen.

5. Da läuft es einem eiskalt den Rücken runter! Auf der Fahrt zurück auf die Diavolezza schwebst du über den gigantischen künstlichen Eisfall »Corn da Diavolezza«, an dem Eiskletterer sich mit der Schwerkraft messen. Manchmal mit der Eleganz einer Eiskönigin, manchmal mit der rohen Gewalt eines Eisbrechers.

 

Perfect Day I: Diavolezza
Foto: swiss-image.ch Daniel kennt Diavolezza wie seine eigene Westentasche.

6. Wenn du jetzt noch frierst, ist es höchste Zeit für eine heiße Bündner Gerstensuppe oder sonst etwas aus den zahlreichen Kochtöpfen des Bergrestaurants Diavolezza. Pass aber auf, dass dir das Essen nicht im Halse stecken bleibt, denn beim atemberaubenden Anblick von Piz Palü, Bellavista und Bernina vergisst manch einer zu kauen und zu schlucken. Che bellezza! Ist es vielleicht gar das schönste Bergpanorama der Alpen?

7. Wenn auch die heiße Suppe ihre Wirkung verfehlt haben sollte, hilft nur noch der Hupfer in Europas höchstgelegenen Whirlpool. Draußen auf der Terrasse köchelt man dann bei warmen bis heißen Temperaturen vor sich hin.

8 1100 Höhenmeter sind zwar auch nicht ohne, aber um den sportlichen Aspekt der markierten Variantenabfahrt nach Morteratsch geht es eigentlich gar nicht. Es ist vielmehr die einzigartige Eis- und Schneelandschaft, die diesen Klassiker zum Pflichtprogramm werden lässt. Zum Greifen nah ist dabei der schönste Schneegrat des Alpenbogens: Biancograt – Traum vieler Alpinisten.

9. Das Hotel »Berninahaus« mag von außen kalt und abweisend wirken, drinnen hingegen ist es wohlig warm und geradezu romantisch (www.bernina­haus.ch). Alternativ hierzu bleibt natürlic­h immer noch die Übernachtung auf der Diavolezza. Auf 2978 Meter schläfst du vielleicht nicht besonders gut, dafür vermehren sich dort oben die roten Blutkörperchen artig, sodass du am nächsten Tag vielleicht noch ausdauernder Ski fahren kannst.

17.02.2010
© planetSNOW
Ausgabe 01/2010