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Trendsport Skitouren: Zurück zu den Wurzeln?

Auf Ski berghoch und auf Ski bergrunter

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Foto: DSV
Aus eigener Kraft auf den Berg und wieder hinab. Das DSV-Bundeslehrtam Alpin zeigt, wie Sie eine Skitour richtig planen und worauf Sie während der Tour achten müssen.

Die letzten Jahre ist zunehmend zu beobachten, dass die Schneesportdisziplin Skitour immer mehr Zulauf erhält. Dies ist einerseits auf das verbesserte Material zurückzuführen, das das Fahren im freien Skiraum deutlich erleichtert. Andererseits haben die Entwicklungen im Bereich des Risikomanagements und der Sicherheitsausrüstung, verbunden mit einem umfassenden Fort- und Ausbildungsangebot, dazu geführt, dass die Unfallzahlen zurückgegangen bzw. in letzter Zeit konstant niedrig geblieben sind – obwohl sich die Zahl der Skitourengeher stetig erhöht.

 

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Foto: DSV

Skitouren haben Tradition

Entsprechend sind Skitouren nicht mehr nur eine Sache für die „extremen Bergsteiger“, sondern sie etablieren sich als echte Breitensportdisziplin. Erste Skitourenerfahrungen sammeln viele Schneesportler heute beim „Tourengehen auf der Piste“. In den Vereinen können diese Erfahrungen mit geführten Touren im freien Gelände erweitert werden. Und schon bald reicht das persönliche Können und die Erfahrung auch für eine eigenverantwortliche Skitour aus. Skitouren liegen also im Trend und erfreuen sich einer großen Beliebtheit.

Der alpine Skisport hatte im Skitourengehen seine Anfänge. Zu Zeiten, in denen es noch keine Seilbahnen und Skilifte gab, musste man aus eigener Kraft den Hang hinaufsteigen oder den Gipfel erreichen, um in den Genuss einer Skiabfahrt zu kommen – Skitouren haben also auch Tradition.

Die Lern- und Erfahrungsmöglichkeiten auf einer Skitour sind vielfältig und reichen von intensiven Naturerlebnissen bis hin zu existenziellen Erfahrungen, wie z. B. Hunger, Durst und Müdigkeit. Auf einer Skitour nimmt man bewusst Entbehrungen in Kauf. Schon allein durch die Tatsache, dass man sein ganzes Hab und Gut auf dem Rücken transportieren muss, macht man Abstriche im Hinblick auf die gewohnten Bequemlichkeiten des Alltags. Aber gerade diese Entbehrungen weiß man schon nach wenigen Skitouren zu schätzen. Und mit etwas Erfahrung und Routine schwinden auch die Mühen des Aufstiegs. Mitunter wird in diesem Zusammenhang sogar von meditativen Erfahrungen und „Flow-Erlebnissen“ gesprochen, wenn man sich Stunde um Stunde einen Berg hocharbeitet.

 

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Foto: DSV Sie Skitour sollte man immer seinem Können anpassen.

Eine Skitour hat unter dem Leistungsaspekt zwei Seiten: Zum einen die Abfahrt mit den möglichen Schwierigkeiten, woraus sich ein starker Aufforderungscharakter ergibt, zum anderen schreckt der Aufstieg mit seinem schweißtreibenden Charakter Einsteiger oft ab. Einen Berg aus eigener Kraft zu besteigen, ist für jeden eine große Herausforderung und erfüllt jeden Skibergsteiger mit großer Zufriedenheit, wenn er diese Aufgabe gemeistert hat. Das Erreichen des Gipfels ist dabei eine Eigen- und eine Gruppenleistung – am Berg sollte man nie allein unterwegs sein!

Im freien Skiraum bilden alle Teilnehmer einer Gruppe eine Erlebnisgemeinschaft. Ob beim Spuren im tiefen Schnee, bei der gemeinsamen Übernachtung auf einer Hütte oder bei der Verteilung der Gruppenausrüstung: Alle Teilnehmer sind aufeinander angewiesen. Werte wie Vertrauen und Hilfsbereitschaft zählen gerade auf einer Skitour! So fährt in der Regel ein guter Skifahrer am Ende der Gruppe, um eventuell vor ihm gestürzten Gruppenmitgliedern helfen zu können.

 

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Foto: DSV Vor der Skitour heißt es, das LVS-Gerät zu überprpüfen.

Größte Bedrohung bei Skitouren: Lawinen

Zuletzt noch ein Hinweis zu den Risiken und der Ernsthaftigkeit von Skitouren: Die Lawinengefahr stellt die größte Bedrohung für Skitourengeher dar. Um das bestehende Risiko zu minimieren, muss ein Skitourengeher sein Handwerk beherrschen. Nur so können Skitouren risikobewusst und sicher geplant und durchgeführt werden. Einen Einstieg in dieses Thema bietet der neue offizielle DSV-Lehrplan Freeride und Risikomanagement, indem mit der DSV-Taschenkarte ein Planungs- und Entscheidungsinstrument vorgestellt wird. Außerdem werden in diesem Lehrplan viele wertvolle Informationen für den Aufenthalt im freien Skiraum geliefert.

Wer in die verschneite Bergwelt aufbricht, dem muss klar sein: Eigenverantwortliche Skitouren sind komplexe, sehr ernstzunehmende Unternehmungen, die eine gründliche Vorbereitung erfordern, bevor man überhaupt aufbricht! Genau in dieser Komplexität liegt natürlich auch die Faszination von Skitouren. Das Großartige an diesem Sport ist, dass er Menschen komplett er- fasst und formt: seinen Körper, sein Gemüt, seinen Verstand.

28.02.2013
© planetSNOW