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Ski fahren im Frühjahrsschnee und Firn

Das DSV-Bundeslehrteam Alpin gibt hilfreiche Tipps zum Fahren im Frühjahrsschnee und Firn und zeigt, wie man auch im März und April jederzeit sicher auf den Ski steht.

 

Frühlingsschnee, Firn, Fahrtechnik
Foto: DSV Tipps von Bundeslehrteam Alpin zum Skifahren im Frühlingsschnee.

Schon früh am Morgen blinzeln die ersten Sonnenstrahlen über die Berge. Aus dem Lift erkennen wir, wie die Pistenraupen über Nacht ihre Spuren gezogen haben. Meist menschenleer und in wunderbar weißem Kleid liegen unzählige Abfahrten vor uns. Wenn wir gegen Mittag die Wärme der Frühlingssonne spüren, wissen wir, dass wir einen ganz besonderen Skitag erleben.
Für viele Skifahrer ist der Spätwinter im März und April die schönste Zeit der Wintersaison. Die Tage sind länger, die Temperaturen angenehm, und die Sonne ist viel intensiver als im Dezember und Januar. Deshalb lockt es viele Skifahrer jetzt noch einmal auf die Pisten.

Eine besondere Herausforderung stellen dabei die im Tagesverlauf wechselnden Pistenverhältnisse dar. Die Bandbreite der Schneearten reicht von eisig über firnig bis sulzig – dies erfordert eine Anpassung unserer Skitechnik an diese Bedingungen.
Morgens bieten sich uns meist pulverharte, teils eisige Pisten. Diese entstehen täglich aufs Neue, wenn der tags zuvor stark durchfeuchtete Schnee nachts gefriert.

 

Frühlingsschnee, Firn, Fahrtechnik
Foto: DSV Wenn die Schneeunterlage morgens noch hart ist, dann achten wir auf eine starke Belastung des Außenski und kanten verstärkt auf, um das Tempo zu kontrollieren.

Um den nötigen Halt auf dem Hang zu finden, achten wir besonders auf die Belastung unseres kurvenäußeren Ski. Indem wir den Außenski während der gesamten Kurve stark in den Schnee drücken, können wir sicherstellen, dass uns dieser sicher durch die Kurve führt. Wahlweise können wir auch den Innenski während der Kurve leicht anheben, um denselben Effekt zu erzielen. Anders formuliert: Jede Entlastung des Innenski schützt uns vor einem seitlichen Wegrutschen auf harten Pisten. Auch unserem Oberkörper kommt bei Frühjahrsschnee in den Morgenstunden eine besondere Rolle zu. Mit diesem regulieren wir ebenso die Belastung des Außenski. Wenn wir den Oberkörper in Richtung des Außenski beugen, verstärken wir die Belastung.

Neben der Außenskibelastung ist auch das verstärkte Aufkanten der Ski notwendig, um eine eisigglatte Piste sicher bewältigen zu können. Je stärker wir den Ski kanten, desto leichter fällt es uns, auf der Piste Halt zu finden. Und dies funktioniert folgendermaßen: Während einer Kurve bewegen wir zunehmend Knie und Becken zur Kurvenmitte. Je mehr wir das tun, desto größer ist der Kantwinkel. Harte Pisten am Morgen erlauben es uns, diese Bewegung in großem Umfang auszuführen, und es ist ein tolles Gefühl, diese Spielräume auszutesten. Neben der Anpassung unserer Skitechnik helfen uns frisch geschliffene Kanten auf solch einer Piste Halt zu finden.
Nachdem wir unsere ersten Abfahrten auf harter Piste gefahren sind, ändern sich die Pistenverhältnisse meist rasch. Durch die zunehmende Sonneneinstrahlung am Vormittag wird die Piste weicher, und wir sprechen von Firn. Das Befahren von Firn stellt dabei ein einzigartiges Fahrgefühl dar, das sich an den meisten Frühlingstagen für ein paar Stunden erleben lässt. Um zu verhindern, dass der bisher stärker belastete Außenski in dem weicher werdenden Schnee verkantet, setzen wir nun verstärkt auch unser Innenbein ein und verteilen so unser Gewicht auf beide Ski. Die feinfühlige Balance zwischen Außen- und Innenski stellt somit die größte Herausforderung zu dieser Tageszeit dar.
Ebenso achten wir darauf, dass sich unsere Skispitzen nicht in den Schnee eingraben. Vor allem abseits der Piste gilt: Je weicher der Schnee wird, desto tiefer ist er. Deshalb sollten wir die Lage unseres Körperschwerpunktes dem Schnee und der Steilheit der Piste nach vorn und hinten anpassen.

 

Frühlingsschnee, Firn, Fahrtechnik
Foto: DSV Wenn wir am Vormittag und Mittag Firn vorfinden, dann belasten wir nahezu beidbeinig unsere Ski und regulieren feinfühlig den Körperschwerpunkt nach vorn/hinten bzw. nach innen/außen.

Für Firngenuss über mehrere Stunden können wir die Pistenwahl dem wandernden Sonnenstand anpassen. Besonders auf Ost- und Südhängen firnt der Schnee schon morgens auf, hingegen bleiben die Pisten an West- und Nordhängen teils bis Mittag noch fest gefroren. Ein regelmäßiger Blick auf den Pistenplan lohnt sich also, um von der angenehmen Schneeunterlage im Frühjahr so lang wie möglich profitieren zu können.

Die aufgefirnten Pisten werden im Tagesverlauf immer weicher und tiefer. Die Wintersportler schieben den weichen Schnee zu meist hohen Sulzschneehaufen zusammen. Jetzt passen wir unsere Skitechnik erneut den Veränderungen an. Grundsätzlich müssen wir bewegungsbereit und aktiv sein. Eine hohe Muskelspannung im Oberkörper und eine engere Skistellung als zuvor ermöglichen es, die Schneehaufen sicher zu durchfahren. Dazu spannen wir unsere Bauch- und Rückenmuskulatur stärker an. Die engere Skistellung bewirkt in diesem Schnee Wunder: Nah aneinander geführte Ski schwimmen besser auf, und die Gefahr des Verreißens der Ski ist geringer. Zudem kann ein gewisser Grundrhythmus während dem Kurvenfahren hilfreich sein, um die Pisten trotz der hohen sportlichen Anforderungen kraftsparend zu bewältigen. Gleichmäßiges Ein- und Ausatmen in jeder Kurve hilft uns, zu dieser Tageszeit die richtige Spur zu finden.
Zudem sollten wir ständig zwei, drei Kurven im Voraus die ideale Linie um die Schneehaufen herum suchen.

 

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Foto: DSV Wenn am Nachmittag der Schnee schwerer und nasser wird, dann spannen wir die Muskeln im Oberkörper noch mehr an und fahren mit einer engeren Skistellung.

Bei nassem Sulzschnee unterstützt eine leichte Drehbewegung des Oberkörpers in die neue Richtung die Kurveneinleitung enorm. Wollen wir eine Kurve direkt auf einem Schneehaufen machen, ziehen wir die Beine wie einen Stoßdämpfer zum Oberkörper her und drehen dann den Ski auf dem weichen Schneehaufen. Danach strecken wir die Beine wieder durch, um den Schneekontakt nicht zu verlieren.

Generell erweist sich eine gute Kondition zum Ende eines Frühjahrs-Skitages als sehr wertvoll. Kraftvolle Bewegungen sind nachmittags weitaus mehr gefragt als am Morgen. Zudem empfiehlt es sich, die Ski täglich für die anspruchsvollen Schneeverhältnisse mit Wachs und Kantenpflege neu vorzubereiten, denn auch ein frisch gewachster Ski reduziert den Drehwiderstand. Wenn uns trotz der richtigen Skitechnik die Kraft gegen Ende des Nachmittags verlassen sollte, ist es sinnvoll, den Skitag rechtzeitig zu beenden, da das Verletzungsrisiko steigt.

Grundsätzlich bietet das Frühjahr wunderbare Verhältnisse zum Skifahren mit viel Schnee und oft angenehmen Sonnentagen. Die hier dargestellte Gliederung eines Frühjahrskitages er- leichtert es uns, den Tag besser zu planen, die Skitechnik entsprechend anzupassen und unsere Kräfte einzuteilen. Mit diesem simplen Fahrplan wird jetzt die schönste Jahreszeit zum Skifahren noch mehr zum Genuss.

Allgemein gilt auch im Frühjahr: Eine mittige Fußsohlenbelastung im Skischuh und dadurch eine regulierende Körperposition ist die Grundlage für jede Anpassung der Skitechnik an die vorherrschenden Bedingungen. Wir erreichen dies durch Beugung des Sprung-, Knie- und Hüftgelenks, die den Schneeverhältnissen, der Steilheit und der Fahrgeschwindigkeit angepasst ist.

22.03.2013
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