Cat Skiing in Chatter Creek, British Columbia

Get the Fire Started

Gott muss Skifahrer sein. Und zwar Catskifahrer. Anders ist das schier überirdisch schöne Gebiet von Chatter Creek Cat Skiing rund um den 3000 Meter hohen Vertebrae-Gletscher wohl nicht zu erklären.

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Chatter Creek Cat Ski Kanada Foto: Great Canadian
Chatter Creek Cat Ski Kanada Foto: Chatter Creek
Chatter Creek Cat Ski Kanada Foto: www.chattercreek.ca

Nirgendwo sonst kommt man beim Catskiing so hoch hinaus, nirgends gibt es so viel Abwechslung: Offene Tiefschneehänge mit Hunderten von Höhenmetern, abenteuerliche Waldabfahrten und steile Rinnen; das Ganze umrahmt von einem dramatischen Gipfel-Ensemble. Und das Beste: Das Traumrevier in den Rocky Mountains von der Fläche des Bayerischen Waldes teilen sich gerade mal 36 Skifahrer pro Tag!

 

Chatter Creek Cat Ski Kanada
Foto: Chatter Creek

Der Run auf die begehrten Plätze ist so groß, dass die Betreiber von Chatter Creek auch zehnmal mehr Tiefschnee-Freaks pro Tag mit ihren Pistenraupen ins weiße Glück befördern könnten. "Aber wieso sollten wir?", fragt Isabelle. Die schwarzhaarige Mittdreißigerin scheint einem Outdoor-Werbeprospekt entsprungen zu sein. Das ist aber auch schon alles, was Isabelle mit der Skiindustrie verbindet. Chatter Creek ist das Alternativmodell zum Resort-Gigantismus.

1999 starteten Isabelle, ihr heutiger Mann Dale und eine Handvoll weiterer Skiverrückter ihr verwegenes Projekt am Kinbasket Lake. Mehr als 100 Kilometer von der Zivilisation entfernt, bauten sie auf 1700 Meter Höhe eine Hütte in die Wildnis British Columbias, um Tiefschneesüchtige mit Pistenraupen auf jungfräuliche Hänge zu befördern. Die Idee war nicht neu. Neu aber war ihr Konzept: Während Heli- und Catskiing anderswo in BC längst zum Big Business aufgestiegen waren, präsentierten sich Isabelle & Co. bewusst als "Alternative".

Vor elf Jahren fing es mit drei Klohäuschen an

Aber die Fundis im Geiste waren Realos in der Praxis: "Wir haben alles selbst aufgebaut", sagt Isabelle heute stolz, wenn sie die mittlerweile zwei großen Lodges aus massiven Fichtenholzstämmen, den Whirlpool unterm Sternenhimmel und die gerade fertig gewordene Saunahütte präsentiert. Als sie vor elf Jahren anfingen, gab es nur eine kleine Hütte mit Klohäuschen nebenan. Auch die erste Pistenraupe war mit den heute eingesetzten drei Luxus-Katzen mit beheizter und iPod-beschallter Passagierkabine nicht vergleichbar. Dennoch kam ihr abenteuerliches Refugium für Zivilisationsflüchtlinge an. Die Gäste waren völlig begeistert.

"Nur die Banken nicht. Denen waren wir zu verrückt", erzählt Dale. Für das Startkapital nahm sein Vater eine Hypothek auf. Dann machten die findigen Aussteiger aus der finanziellen Not eine Tugend: Sie gaben "Catski-Anleihen" heraus. Wer Chatter Creek Geld gab, konnte "umsonst" Ski fahren und sollte sein Geld dann nach zehn Jahren zurückbekommen. Die Dividende wurde sozusagen in Form von "Powder-Skitagen" bezahlt. Das Konzept ging auf. "2013 werden die letzten Kredite zurückgezahlt sein", berichtet Isabelle zufrieden.

Auch wenn die Pioniertage vorbei sind, Chatter Creek heute jeglichen Komfort bietet und seine Gäste per Helikopter in 40 Minuten einfliegt, ist der Charme geblieben. Noch heute heizen sie mit einem riesigen Holz-Zentralofen. Die ständig rauchende Heizungshütte wirkt wie ein Hexenhäuschen aus einem Märchen der Brüder Grimm. Und märchenhaft sind auch die Abfahrten.

26.11.2010
Autor: Bernhard Krieger
© planetSNOW
Ausgabe 02/2010