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Skisafari durch die Dolomiten: Ohne Wartezeiten Ski fahren
Schmale Couloirs, weite Powderhänge und eine dramatische Bergwelt - zwischen Dolomiten und Adamello finden Freeski-Cracks das reinste Paradies.
»Stell dir vor es ist Powder, und keiner geht hin«, scherzt Linus mit Blick auf die tief verschneiten Berge. Die Kaltfront hat über Nacht ganze Arbeit geleistet und nochmals eine zwanziger Pulverauflage geliefert. Jetzt glänzt der Berg spurenfrei unter einem stahlblauen Himmel. Hektik am Lifteingang? Fehlanzeige. Nur eine handvoll Locals haben sich so früh am Morgen schon aus den Betten gewagt. »Am Arlberg wäre jetzt Krieg«, schüttelt Pille den Kopf, während die Fahrt nach oben Stück für Stück die gewaltigen Dimensionen der Hänge offenbart. »Das ist ja wie in Alaska!« Mit diesem verbalen Startschuss stellt Flory die Ski in die Falllinie und versieht die weiten, schön gruppierten Hänge unterhalb der Bergstation mit großzügiger, 700 Höhenmeter langer Signatur – quasi als Vorspiel. Denn hier am Presena-Gletscher geht noch mehr – viel mehr. Zum Beispiel über die Val Presena-Route. Doch diese ist zur Zeit nicht fahrbar. »Da ist der Tunneleingang zugeschneit«, warnt uns ein Local. Zu viel Schnee kann auch ein Hindernis sein. »Dann fahren wir den Passo del Diavolo«, schlägt Flory vor. Wie ein Axthieb zieht sich dieses Couloir zwischen imposanten Felsen über 700 Höhenmeter nach Tonale hinab. Zuvor gilt es noch 35 Höhenmeter aufzusteigen. »Ein Klacks«, meint Pille. Aber ein Alptraum, wenn man bis zur Brust im Schnee steckt. Robbend und kriechend schlängeln wir uns zum Grat empor. 40 Minuten schweißtreibende Knochenarbeit, bevor die Skiboots in den Bindungen einrasten. Es ist der beste Run des Tages und der letzte am Tonale. Fein glitzern die Spuren in der tiefstehenden Sonne, jeder hängt in Gedanken diesem letzten Run nach. »Wir haben geritten, was zu reiten ist. Lasst uns weiterziehen«, meint Flory in bester John-Wayne-Manier.
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Foto: Ben Wiesenfarth
Es geht nach Osten, dort, wo die großen Dolomitenriesen warten. Sella, Langkofel, Marmolada – und der Pordoi. Von unten wirkt er abweisend wie eine Festung. Die Gipfelstation klebt wie ein Adlerhorst an der Steilkante, dennoch ist er ein erstklassiger Offpiste-Berg für die unterschiedlichsten Könnensstufen. Gemäßigt geht es zum Beispiel über das Val Lasties nach Canazei hinab oder in Richtung Corvara durch das legendäre Mittagstal. »Doch nur steil ist geil.« Linus hat nach der Pordoi-Scharte Blut geleckt und lechtzt nach mehr. »Holzer-Rinne«, offenbart Flory, »aber vergesst eure Klettergurte nicht.« 600 Höhenmeter zieht sich diese, manchmal nur drei Meter breite Rinne vom Pordoi ins Val Lasties – über 45 Grad steil und mit einer Abseilstelle gespickt. Normalerweise, denn der Jahrhundert-Schneefall hat alle kniffligen Stellen geglättet und das Steilcouloir in einen puren Abfahrtstraum verwandelt. Nur im unteren Teil der Abfahrt zeugen fette Windgangeln von der Kraft des aufkommenden Windes.
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04.03.2010
© planetSNOW Ausgabe 01/2010
Autor: Olaf Beck


