Bayern Winter-Special

Porträt: Schlittenbauer

Foto: www.bayern.by – Peter von Felbert
In einem Dorf in der Rhön bauen Andreas Weber und Alexander Hergenhan traditionelle Rodelschlitten.

Rauchwölkchen steigen aus einer kleinen Scheune am Ortsrand von Leubach in der Rhön auf. Sie kommen aus einem Bollerofen, der drinnen eine nur auf den ersten Blick etwas unübersichtliche Werkstatt beheizt. Nach Feierabend gehen Andreas Weber und Alexander Hergenhan hier einem Handwerk nach, das vor Ort fast 100-jährige Tradition besitzt: Sie bauen Rodelschlitten, genauer gesagt Davoser. "Das sind Schlitten mit halbkreisförmigen Kufen, an deren oberen Enden die äußeren Latten anschließen", erklärt Alexander Hergenhan. Der Schreinermeister ist Urgroßneffe des Gründers von "Weber-Schlitten" und seit 2013 in der Manufaktur tätig. Gemeinsam mit seinem Onkel Andreas Weber, der schon 1980 nebenberuflich mit dem Bau von Davosern begann, hat er in den letzten Jahren frischen Wind in die 1924 erbaute Werkstatt gebracht.

 

Foto: www.bayern.by – Peter von Felbert Andreas Weber (rechts) ist der Enkel des Gründers von Weber-Schlitten, Alexander Hergenhan sein Urgroßneffe.

"Früher stellte man die Schlitten hier aus Buchenholz her, heute nehmen wir heimische Esche", sagt Zimmereimeister Weber. Der Grund: Eschenholz ist langfaseriger und damit noch haltbarer als Buche. Neben der besseren Qualität sorgt das auch für eine schönere Maserung. Und apropos Ästhetik, die Weber-Schlitten überzeugen nicht nur in klassischer Holzoptik, sondern auch in Schwarz, Weiß, Pink und Blau. An den bunten Farben würden vor allem Kinder ihre Freude haben, so die Schlittenbauer. Und dank drei verschiedener Modellgrößen finde jeder Rodel-Fan den für ihn passenden Davoser.

 

Foto: www.bayern.by – Peter von Felbert Per Holzhammer werden die Böcke auf die Kufen geklopft.

Anders als heute dienten Schlitten auf der Rhön früher nicht als reines Sport- und Spaßgerät: Man nutzte sie, um im Winter schneller ins nächste Dorf oder die nächste Stadt zu kommen, nahm sie für Einkäufe und andere Transporte. Mit den steigenden Freizeitoptionen in den 1970er Jahren erlebte die Weber-Manufaktur dann ihren Höhepunkt: Bis zu 6000 Rodelschlitten fertigte man pro Jahr, exportierte ganze Waggonladungen nach Großbritannien. Doch der Einsatz von immer mehr Kunststoffmaterial sowie das Aufkommen von Billigprodukten beendeten diese Erfolgsperiode bald.

 

Foto: www.bayern.by – Peter von Felbert Das Siegel der Qualitätsschlitten: "Weber-Davos".

"Heutzutage schätzen wieder mehr Menschen handgefertigte Qualitätsprodukte", sagt Alexander Hergenhan. Und solange man die Davoser aus Leubach nicht "mit Karacho gegen eine Wand fährt", würden sie auch locker drei Generationen überdauern, fügt sein Onkel selbstbewusst hinzu. Drei Stunden Arbeit stecken durchschnittlich in jedem Schlitten, seine ganze Entstehung dauert über drei Monate.

 

Foto: www.bayern.by – Peter von Felbert Schreinermeister Alexander Hergenhan trägt wasserfesten Leim auf den Kufen eines Davosers auf.

"Das Holz für die Kufen kochen wir zunächst in einem großen Kessel, um es geschmeidig zu machen", erklärt Andreas Weber einen zentralen Fertigungsschritt. Anschließend bringe man es in einer Biegemaschine in die gewünschte Form. Nach zwei bis drei Monaten Trockenzeit montieren die beiden Männer auf den Kufen dann die Böcke. Rechteckige Verzapfungen verbinden deren Beine und Querstreben – runde Zapfen wären weniger aufwendig, aber auch weniger stabil, erläutert der Schlittenbauer. "Und wenn wir dann unser Siegel in den fertigen Schlitten einbrennen, ist das jedes Mal ein absoluter Glücksmoment."

Info: weber-schlitten.de; weitere traditionell andere Geschichten zum Thema "bayerische Freigeister" unter bayern.by/traditionell-anders

24.10.2016
Autor: Katharina Hübner
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