50 Jahre Heliskiing

Per Flieger auf den Berg

Heliskiing
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Wie CMH-Gründer Hans Gmoser das Heliskiing-Business erfand.

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Tiefer Pulverschnee, unverspurte Hänge, weit und breit keine Menschenseele. Am Ende der Abfahrt wartet schon der Hubschrauber für den Flug zum nächsten Gipfel. Heliskiing ist der ultimative Traum für Skifahrer und Snowboarder. Möglich gemacht hat diesen Traum Hans Gmoser. Im Winter 1964/65 legte der ausgewanderte Österreicher den Grundstein für das Heliskiing-Business.

Vor 50 Jahren ging der Gründer von Canadian Mountain Holidays (CMH) erstmals mit einer Gruppe eine ganze Woche lang in der gigantischen Bergwelt British Columbias zum Heliskiing. Bis heute ist Kanadas Westen der Heliskiing-Hotspot der Welt und CMH immer noch Weltmarktführer für die exklusivste Art des Skisports. CMH-Gründer Hans Gmoser war nicht nur ein leidenschaftlicher Alpinist und Skifahrer, der gebürtige Österreicher war auch ein Visionär mit einem guten Riecher für das Geschäft. Auch wenn er heute oft als Vater des Heliskiing bezeichnet wird: Erfunden hat er es nicht, wohl aber perfektioniert.

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Bis heute funktioniert Heliskiing weltweit so, wie es Gmoser vor 50 Jahren austüftelte –in Kanada, den USA, den Alpen, in Island, Schweden oder Kamtschatka. Schon Jahre, bevor Gmoser in British Columbia erste Versuche mit dem fliegenden Lift unternahm, hatten Pioniere in den Alpen und Alaskas Chugach Mountains in den 1950er-Jahren mit Hubschraubern experimentiert – ohne großen Erfolg. Auch Gmosers Anfänge waren ein Desaster. Der Geologe Art Patterson aus Calgary, der schon Hubschrauber für seine Studien in den Bergen rund um Banff eingesetzt hatte, hatte die Idee, Heliskiing als Geschäft aufzuziehen.

Auf der Suche nach einem geeigneten Guide wandte er sich an den Sporthändler Ethan Compton. Der empfahl Gmoser. Der Alpinist und Skibergführer war 1953 nach Banff gekommen. Als Bergführer begleitete er zunächst Gäste auf das „Matterhorn Kanadas“, den Mt. Assiniboine an der Provinzgrenze zwischen Alberta und British Columbia. Mit seinen Expeditionen und den selbst gedrehten Filmen darüber hatte sich Gmoser damals schon einen Namen gemacht.

1963 unternahmen Patterson und Gmoser bei Banff einen ersten Heliskiing-Versuch. Mit provisorisch am Helikopter befestigten Ski und einer Gruppe von Abenteuerlustigen flogen sie von Canmore aus auf einen Gipfel. Die ersten Versuche waren ernüchternd. 2 Stunden dauerte es, bis die gesamte Gruppe am Startpunkt der Abfahrt war. Der kleine Bell-47-Heli war ein 2-Sitzer mit gerade mal 178 PS. Am Gipfel dann die Enttäuschung. Statt Pulverschnee fanden die Pioniere übelsten Bruchharsch vor.

„Nur Hans konnte das fahren“, erinnerte sich Patterson einmal. Die erste Heliskiing-Abfahrt in Kanada war also ein Debakel. Und auch der zweite Anlauf geriet zum Misserfolg. An Ostern 1963 starteten die Pioniere von Golden aus. Aber der kleine Hubschrauber wurde von heftigem Wind abgetrieben. Nach 2 Tagen voller Rückschläge gaben sie auf. Heliskiing schien zu teuer und unkalkulierbar. Erst 1965 wagte Hans Gmoser zusammen mit dem US-Amerikaner Brooks Dodge einen neuen Anlauf. Dodge war ein ehemaliger Skirennläufer und 2-maliger Olympiateilnehmer, der nach seinem Karriereende 1956 Skireisen veranstaltete. Dodge war es, der Gmoser nach den ersten Pleiten zu einem weiteren Versuch überredete und mit einem Ski-Club die erste Heliskiing-Woche in der Geschichte buchte. Ein verlassenes Sägemühlen-Camp in den Bugaboos zwischen den Städten Banff und Golden diente als Basis.

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Endlich hatte Gmoser Glück: Unmengen von Pulverschnee, eine stabile Schneedecke und ein strahlend blauer Himmel sorgten im Frühjahr 1965 für perfekte Bedingungen. Die ersten Heliskiing-Kunden waren begeistert. Und das, obwohl ihre Unterkunft ein Bretterverschlag mit Klohäuschen war und sie am Gipfel ewig warten mussten, denn der Heli hatte nur 2 Sitze. Es dauerte ewig, bis die langsame Bell 47 alle Gäste hinauf transportiert hatte. Mehr als 2 Runs pro Tag waren nicht drin. In der ganzen Woche kamen sie nur auf 15 000 Höhenmeter.

Heute schaffen Top-Fahrer so viel an einem einzigen Heliskiing-Tag. Aber die Pioniere waren überglücklich. Schließlich konnten sie dort fahren, wo keine einzige Spur zu sehen und noch nie zuvor ein Skifahrer gewesen war. Mit ihren dünnen, bis zu 2,20 Meter langen Latten tanzten sie durch den Tiefschnee. Heliskiing war geboren und ermöglichte normalen Skifahrern Erlebnisse in der unberührten Wildnis, die bis dahin nur erfahrenen und konditionsstarken Tourengehern vorbehalten waren. Und nicht nur das Skifahren war überwältigend, sondern auch die Helikopterflüge im Hochgebirge – zumal die Sicht aus der Bell 47, deren große runde Glaskuppel die Piloten scherzhaft „Goldfischglas“ nannten, grandios war.

Die Kunde vom Heliskiing verbreitete sich in der Skiszene wie ein Lauffeuer. Auch dank Dodges Werbung stieg die Nachfrage kontinuierlich. Bald schon hatte CMH viel mehr Buchungsanfragen als Plätze. Nach 3 Jahren verließ CMH das Sägemühlen-Camp und baute in den Bugaboos die erste Heliskiing-Lodge der Welt. Auch diese war zunächst recht einfach, verglichen mit dem primitiven Camp aber höchst luxuriös.

Bald schon war auch die 1968 eröffnete Lodge für das boomende Business wieder zu klein. Statt die Bugaboos zu vergrößern, baute Gmoser in anderen Regionen zusätzliche Lodges. Heute betreibt CMH 12 Lodges in British Columbia. CMH ist damit immer noch Marktführer, aber längst nicht mehr allein: Viele von Gmosers Weggefährten, die zunächst bei CMH als Guides arbeiteten, machten sich selbstständig. Der Österreicher Mike Wiegele eröffnete schon 1970 Mike Wiegele Helicopter Skiing, das von einem luxuriösen Dorf in Blue River aus in den Gebirgsregionen der Monashees und Cariboos operiert.

Der Schweizer Peter Schlunegger gründete in Revelstoke Selkirk Tangiers, sein Landsmann Rudi Gertsch etablierte in Golden die Firma Purcell Helicopter Skiing. Alle 3 Unternehmen gibt es bis heute, und sie gehören zur Crème de la Crème der Branche. Keines jedoch wurde so groß wie Platzhirsch CMH. Die meisten Lodges der in Banff beheimateten Firma sind nur über kleine Wege, einige sogar nur per Helikopter erreichbar. 3 der Lodges befinden sich in Orten wie Revelstoke und Nakusp.


Inhaltsverzeichnis

12.01.2015
Autor: Bernhard Krieger
© planetSNOW
Ausgabe 2014/2015/2014/2015