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Test: 10 Top-Skihandschuhe

10 Skihandschuhe der Skisaison 2014 im Test

Jeden Sportbegeisterten zieht es raus in den Schnee. Hoffentlich mit den richtigen Handschuhen, denn mit den falschen kühlen die Finger schnell aus.

Fotostrecke: 10 Top-Skihandschuhe 2014 im Test

10 Bilder
Foto: Chiba
Foto: Hestra
Foto: Jack Wolfskin

Doch welcher Handschuh ist der richtige? Und was taugen die Modelle, die der Handel anbietet? Um diese Fragen zu beantworten, haben wir uns 10 Handschuhpaare zwischen 30 und 155 Euro genauer angeschaut. Der Vergleich unterscheidet in den drei Kategorien Alpinski, Tourengehen und Langlauf, da diese drei Sportarten sehr unterschiedliche Ansprüche an den Handschuh stellen.

Mehrere männliche und weibliche Probanden haben die Handschuhe beim Skifahren, Langlaufen und Joggen getragen. Dabei haben sie subjektive Werte wie Tragekomfort und Passform ermittelt. Die Wärmeleistung der Handschuhe haben die Tester bei gleicher Außentemperatur verglichen. Die Winddichtigkeit prüften wir beim Fahrradfahren bergab und im Windkanal mit 60 km/h. Bei dieser Geschwindigkeit zeigten sich am deutlichsten Windundichtigkeiten.

Skihandschuhe im Wasser-Test
Die Bewertung berücksichtigt jedoch, dass der Handschuh in der Praxis kaum so starkem Wind ausgesetzt sein wird. Für den Test der Wasserdichtigkeit mussten alle Handschuhe 5 Sekunden ins Wasser tauchen. Dabei zeigte sich, ob ein Handschuh komplett wasserdicht ist, er sich vollsaugt und die Hand trocken bleibt, oder ob Wasser durch Naht oder das gesamte Material eintritt.

Auch hier wurde bei der Bewertung berücksichtigt, dass ein Handschuh normalerweise nicht im Wasser liegt. Außer diesen objektiv nachvollziehbaren Fakten berücksichtigt der Vergleich die unterschiedlichen, durchaus widersprüchlichen Ansprüche, die Wintersportler an Handschuhe stellen. Etwa dass Outdoor-Aktivitäten wirklich nur mit warmen Händen Spaß machen.

Reißverschluss- und Smartphonetauglichkeit von Skihandschuhen
Doch dazu sollen die Hände noch touchscreenfähig sein und einen Reißverschluss öffnen können. Ein weiterer Spagat ist, eine hohe Wärmeleistung mit guter Tastfähigkeit, gleichzeitig aber auch den Grip des Handschuhs zu verbinden. So wärmt ein Fäustling bekanntlich besser als ein Fingerling. Er ist dann erste Wahl, wenn das Thermometer unter null Grad rutscht: Die Finger im Fäustling wärmen sich mit ihrer Eigenwärme gegenseitig. Das Luftpolster zwischen den Fingern, das zusätzlich wärmt, ist größer, der Windchill-Effekt, also die gefühlte Kälte, entsprechend kleiner. Diesem Vorteil steht entgegen, dass viele Handgriffe mit dem Fäustling nicht möglich sind.

Diesem Problem begegnet Handschuh-Hersteller Ziener aus Oberammergau mit den Modellen Gamma (Herren) und Kitama (Damen). Beide verfügen über eine patentierte DCS-Fäustlingsklappe, die sich einfach über die Finger des Fingerhandschuhs stülpen lässt, umso deutlich spürbare zusätzliche Wärme zu erzeugen. Wird die Klappe nicht gebraucht, findet sie Platz im Reißverschlussfach auf dem Handschuhrücken. Mit diesem Duo Component System sind Skifahrer gut gegen Kälte auf und neben der Piste gewappnet.

Dichtigkeit vs. Atmungsaktivität
Auch Outdoor-Ausrüster Vaude versieht seinen Langlauf-Handschuh La Varella mit einer zusätzlichen Hülle. Da Wind- und Wasserdichtigkeit immer zulasten der Atmungsaktivität geht, versteckt sich im Bündchen dieses Handschuhs ein dünner Wind- und Regenschutz, wie er sonst Rucksäcken übergezogen wird und nur im Bedarfsfall zum Einsatz kommt. Diese Variante ermöglicht hohe Atmungsaktivität bei trockenem Wetter und bietet ausreichend Schutz bei Wind und Regen. Mit den Smartphones kam der Anspruch, dass ein Handschuh touchscreenfähig sein soll.

Die digitalen Alleskönner sind auch auf Loipe und Piste nicht mehr wegzudenken: Orientierung per GPS, Lawinenwarnung – oder mal eben ein Foto knipsen. Einige Handschuh-Hersteller arbeiten spezielle Fäden in die Zeigefinger von Softshell- und Fleece-Handschuhen ein, um die Leitfähigkeit der Finger zu erhalten. So lassen sich die Touchscreens der Smartphones bedienen. Outdoor Research bietet mit dem Modell Stormsensor einen hochwertigen Lederhandschuh an, der dank Nanotechnologie touchscreenfähig ist.

Touchscreen-Bedienung oder doch lieber gefüttert?
Nachteil: Die Wärmeleistung touchscreenfähiger Handschuhe reicht nicht an die der gefütterten Modelle heran. Der Windchill-Effekt ist bei Fingern wegen der großen Hautoberfläche bei gleichzeitig geringem Volumen sehr groß. Daher ist die Winddichtigkeit des Handschuhs ein wichtiger Faktor, der über das Wärmegefühl entscheidet. In diesem Punkt haben fast alle Handschuhe im Test gut abgeschnitten.

Lediglich der Star XC Glove von Swix liebt den Wind gar nicht. Dafür punktet er mit hoher Atmungsaktivität. Vor allen Dingen müssen Hände, um warm zu sein, trocken sein. Deshalb versehen die meisten Hersteller ihre Handschuhe mit einer Gore-Tex- oder einer anderen Membran. Als einziger Hersteller im Test setzt Wollspezialist Ortovox Merinowolle im Handschuh ein.

Innenhandschuh und Daunen für besonders viel Wärme
Die hochwertige Swisswool von Schweizer Schafen wärmt die Finger auch bei Minusgraden gut und im nassen Zustand bedingt. Der Innenhandschuh lässt sich separat vom Außenhandschuh aus Ziegenleder tragen. Dadurch eignet er sich optimal zum Skitourengehen und ist in einem großen Temperaturbereich einsetzbar. Außerdem trocknet er schnell, da die Feuchtigkeit vom Innenhandschuh schnell verdunstet.

Bei extremen Minusgraden helfen Einziehhandschuhe, sogenannte Inlayer, aus Merinowolle, Seide oder Kunstfaser, die für zusätzliche Wärme sorgen. Auch ein Wärmepack auf dem Handrücken erzeugt wohlige Wärme. Der Star unter den warmen Modellen im Test ist der Daunenhandschuh Down Mitten von Jack Wolfskin: Mit diesem Handschuh ist der Wintersportler an klirrenden Tagen gut ausgerüstet.

Fazit

Den optimalen Handschuh für die jeweilige Wintersportart zu finden ist sehr von der Außentemperatur abhängig. Insgesamt haben alle Handschuhe des Vergleichs ein hohes Niveau an Qualität erfüllt. Besonders überzeugt hat beim alpinen Skifahren der Handschuh Gamma (Herren) und Kitama (Damen) von Ziener, da er neben optimalem Tragegefühl und guter Wärmeleistung mit der patentierten DCS Fäustingsklappe überzeugt. Damit ist der Sportler optimal bei Temperaturschwankungen ausgerüstet. Beim Freeriden hat das Modell Freeride von Ortovox gepunktet. Ein Handschuh zum Wohlfühlen mit Wollfutter von Schweizer Schafen, das prima temperiert. Außerdem weist der Handschuh gut durchdachte Details auf und ist durch den getrennten Überhandschuh gut zu trocknen. In der Kategorie Langlauf besticht der Chiba Premium mit seiner strapazierfähigen Känguruleder- Innenhand. Der gut anliegende Handschuh wärmt optimal bei bewegungsintensiven Sportarten und schützt vor Kälte beim Radfahren.

Tipps

So pflegen Sie Ihre Handschuhe richtig: Handschuhe immer mit der Öffnung nach oben trocknen. Lederhandschuhe und Modelle mit Membran nicht auf die Heizung stellen und besser keine Handschuhtrockner verwenden. Handschuhe mit Lederanteil regelmäßig mit Lederfett einreiben. Da nicht alle Handschuhe in die Waschmaschine dürfen, grundsätzlich die Pflegeanleitung beachten und maximal bei 30 Grad waschen. Daunenhandschuhe mit speziellem Daunenwaschmittel im Schonoder Wollwaschgang mit Tennisbällen waschen, um Klumpenbildung zu vermeiden. Trockner nur mit maximal 40 Grad ebenfalls mit Tennisbällen benutzen. Der Wollhandschuh freut sich auf links gezogen über eine Handwäsche bei lauer Temperatur mit Wollwaschmittel.

03.12.2013
Autor: Monika Neiheisser
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