Ski mit Rocker-Technologie - warum sie so viel Spaß machen

Hintergrund: Was Rocker-Ski so gut macht

Sie wollen neue Ski kaufen? Dann kommen Sie an einem Modell mit Rocker-Technologie kaum noch vorbei. Wir erklären, was Rocker-Ski so besonders macht und wo die Vorteile liegen.

 

Zermatt
Foto: Marc Weiler Let's rock: Ski mit Rocker-Technologie kommen zwar aus der Freeride-Szene, halten aber mittlerweile auch auf Pisten Einzug.

Von der Musik zum Ski: Es geht doch nichts über die guten alten Rocker – Rolling Stones, Beatles, Led Zeppelin oder Deep Purple. Die Pioniere des Rock‘n‘Roll haben eine ganze Generation geprägt und viele weitere Generationen nachhaltig beeinflusst. Das gilt nicht nur für die Musik. Aber es ist schon augenscheinlich, wie viele Untergruppen sich aus dem ursprünglichen Rock‘n‘Roll der 60er-Jahre des vorherigen Jahrhunderts entwickelt haben. Von Hardrock über Punkrock, Folkrock und Grunge bis hin zu Pop ist hier alles zu finden, so dass für jede Geschmacksrichtung etwas dabei sein sollte.

Eine ähnliche Entwicklung vollzogen die Rocker im Ski-Business. Anfang der 2000er-Jahre kamen erstmals Ski mit Rocker-Technologie auf den Markt – jedoch lediglich im Freeride-Bereich. Sie galten als Exoten für Exoten, denn Ski mit einer negativen Vorspannung fielen auf und wurden erst einmal belächelt. Doch von Jahr zu Jahr kamen immer mehr Offpiste-Fans auf den Geschmack und ließen sich von den positiven Fahreigenschaften der Gelände-Rocker in den Bann ziehen. Umso erstaunlicher ist es, dass es bis zur Saison 2010/11 dauert, bis die sich im Geländeeinsatz bewährte Rocker-Technologie auch Einzug auf die Pisten fand. Los ging es mit einigen wenigen Modellen in der Allmountain- und Genusscarver-Kategorie, gefolgt von einigen sportlich ausgerichteten Modellen im vergangenen Winter. Aber erst seit dieser Saison kann man vom traditionellen Racecarver oder Slalomcarver bis hin zum Touren- Ski oder Freeride-Ski auch Modelle mit Rocker-Technologie erwerben.

Daher ist die Zeit reif, sich dieser neuen Dimension zu stellen, egal ob als Hard-Rocker, Punk-Rocker, Folk-Rocker oder eher gemäßigter Pop-Rocker. Wir beantworten die wichtigsten Fragen und sagen Ihnen, warum Sie diesen Winter unbedingt losrocken sollten.

Was ist neu an der Rocker-Technologie?

Durch die leichte Aufbiegung der Ski – vor allem im vorderen Teil – verlagert sich der Kontaktpunkt, also der Punkt, an dem die Ski-Kante den ersten (vorne) und den letzten (hinten) Schneekontakt hat, von der Ski-Spitze beziehungsweise vom Ski-Ende weiter zur Ski-Mitte. Die Stärke der Aufbiegung, in Verbindung mit der weiterhin eingesetzten Vorspan- nung im Bereich der Ski-Mitte/unter der Bindung, steht dabei in Abstimmung und Ausrichtung des jeweiligen Skimodells beziehungsweise Einsatzbereichs. Während der Carving-Ski seinen Fahrer bereits bei einem geringen Aufkantwinkel direkt über die Schaufel in die Kurve zieht, entfaltet der Rocker-Ski seine Kurvendynamik erst mit zunehmendem Aufkantwinkel. Das heißt, je größer der Aufkantwinkel, desto mehr biegt sich der Rocker-Ski durch und desto mehr Kantenlänge kommt zum Einsatz. Dadurch wird der Ski bei der Kurveneinfahrt gutmütiger, fehlerverzeihender und lässt mehr Bewegungsspielräume zu. Ist beim Carver die Taillierung die variable Dimension, so ist es beim Rocker neben der Taillierung zusätzlich das Seitenprofil – also die Biegelinie.

Wo liegen die Vorteile der Rocker-Ski gegenüber Nicht-Rocker-Ski?

Alle Rocker-Typen haben eine Eigenschaft gemeinsam, welche ihr Fahrverhalten nicht nur auf der Piste bestimmt: Sie variieren die Kontaktlänge der Kante abhängig von der Fahrsituation. Im Klartext: Bei langsamer Fahrt werden moderate Aufkantwinkel gefahren, und die Kontaktlänge der Kante ist aufgrund der negativen Vorspannung kürzer als beim herkömmlichen Ski. Das verleiht dem Ski mehr Wendigkeit und unterstützt den Fahrer beim Aufkanten, denn bei Belastung im Kurvenverlauf wächst die Kontaktlänge der Kante auf die gesamte Skilänge an.

Aufgrund dieser Konstruktion besteht die Möglichkeit, einen Rocker-Ski einige Zentimeter länger zu fahren als einen Ski mit traditioneller Vorspannung. Das ermöglicht einen breiteren Einsatzbereich – wendig auf der Piste, spurtreu im Gelände.
Ein Ski mit Rocker-Technologie verleiht somit ein sicheres Fahrgefühl, ohne zu viel Kraft zu kosten, ein schnelles Reagieren in Gefahrensituationen ist jederzeit möglich, und vor allem der Kraftaufwand über den ganzen Skitag hinweg ist im Vergleich zu den bisher bekannten Carving-Ski überschaubar.

Wie stark sind die Rocker bereits am Markt vertreten?

Die Rocker-Technologie beginnt sich mehr und mehr auf dem Markt der Pistenski zu etablieren. Einige Hersteller – wie zum Beispiel K2 oder Atomic – haben ihre Kollektionen komplett auf Ski mit Rocker-Technologie umgestellt. Mit dem Start der Pisten-Rocker vor 3 Jahren waren ca. 10 Prozent aller im planetSNOW-Skitest getesteten Ski-Modelle mit einer Rocker-Technologie ausgestattet. Mittlerweile, im Jahr 3 des Pistenrocker-Zeitalters, haben ca. 50 Prozent aller Ski im Test einen Rocker. So sind zum Beispiel in dieser Saison zwei Drittel der getesteten Ski aus der Kategorie Genuss, in der es um Leichtgängigkeit der Ski geht, mit einer Rocker-Technologie versehen. Ähnlich schaut es in der Kategorie Allmountain aus, in der es neben der Pistentauglichkeit auch um entsprechenden Auftrieb im unverspurten Schnee geht. Aber auch in den sportlicheren Carver-Kategorien, wie Sportcarver, Racecarver und Slalomcarver sind mittlerweile vereinzelt Rocker-Modelle zu finden. In den Kategorien Offpiste und Freeride sind fast 100 Prozent der getesteten Ski mit einem Rocker ausgestattet.

Wie finde ich den richtigen Rocker-Ski für mich?

Einen guten Überblick über die auf dem Markt befindlichen Ski-Modelle der kommenden Wintersaison geben die Ergebnisse der planetSNOW-Skitests. Hier kann man im Vorfeld selektieren und das für das jeweilige Fahrkönnen und den entsprechenden Einsatzbereich passende Ski-Modell auswählen. Doch grau ist alle Theorie – und daher sollten Sie den Wunschkandidaten vor dem Kauf einem Praxis-Test unterziehen, da die Vorlieben eines jeden Skifahrers unterschiedlich sind. Lassen Sie sich im Sportfachhandel beraten. Gerade die großen Einkaufsverbände Sport2000 (Ski will rock you) und Intersport (Rocker Club) forcieren das Thema, und viele Händler bieten Ski-Ausfahrten zum Test an.

08.11.2012
Autor: Florian Schmidt
© planetSNOW
Ausgabe 03/2012