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Rocker Ski sind im Kommen - das können die neuen Wunder-Ski

Seit 3 Jahren bietet die Ski-Industrie Pisten-Ski mit Rocker-Technologien an. Andreas König, Testleiter des DSV skiTEST erklärt den aktuellen Stand der Entwicklung.

 

Andreas König DSV Ski Test Leiter Rocker Ski
Foto: DSV

Herr König, Pisten-Ski mit Rocker-Technologien gehen nun in die dritte Saison. Wie beurteilen Sie den Status quo bei den Rocker Ski?

Andreas König: Der so genannte Rocker Ski beginnt sich mehr und mehr auf dem Markt der Pisten-Ski zu etablieren. Mit dem Start vor 3 Jahren waren ca. 10 Prozent aller im DSV skiTEST (und der planetSNOW-Tests, die Red.) getesteten Ski-Modelle mit der neuen Rocker-Technologie ausgestattet. Mittlerweile, im Jahr drei, haben ca. 50 Prozent aller Modelle, die wir auf Herz und Nieren testen, einen Rocker. So sind zum Beispiel in dieser Saison zwei Drittel der getesteten Ski aus der Kategorie Genuss, in der es um Leichtgängigkeit der Ski geht, mit einer Rocker-Technologie versehen. Ähnlich schaut es in der Kategorie Allmountain aus, in der es neben der Pistentauglichkeit auch um entsprechenden Auftrieb im unverspurten Schnee geht. Aber auch in den sportlicheren Kategorien, wie Sport-, Race- und Slalomcarver, sind mittlerweile vereinzelt Ski mit eingebautem Rocker zu finden.

Sie sind im stetigen Kontakt mit dem Sportfachhandel. Was hören Sie hinsichtlich der Akzeptenz der Ski mit Rocker-Technologie beim Endverbraucher?

Andreas König: Auch der Sportfachhandel setzt voll auf Rocker Ski. Nur vonseiten des Endverbrauchers ist die Akzeptanz noch etwas zögerlich, da viele nicht wirklich wissen, was hinter diesem neuen Trend für Pisten-Ski steckt und wie diese Technologien genau funktionieren. Die meisten denken beim Begriff Rocker an breite, weiche, extrem aufgebogene Offpiste-Ski, die bei höherer Geschwindigkeit unruhig werden und bei stärkerer Kurvenlage nachgeben. Das ist seit Einführung der Pistenski mit Rocker-Technologie aber Vergangenheit, denn hier gibt es richtig schlüssige Konzepte, die dem Skifahrer einen hohen Mehrwert bieten. Somit gilt auch für die Piste: Die Rocker-Technologie mit dem richtigen Gesamt-Setup funktioniert!

Beschreiben Sie bitte in wenigen Worten die Vorteile der Ski mit Rocker-Technologie im Vergleich zu traditionell gebauten Ski.

Andreas König: Durch die leichte Aufbiegung der Rocker Ski im vorderen und hinteren Teil ist die Kontaktlänge, mit der der Ski auf dem Schnee aufliegt geringer. Je nach Skimodell und Einsatzbereich ist der Ski mal mehr oder mal weniger stark aufgebogen. Auch die Vorspannung im Bindungsbereich der Ski spielt bei der Ausrichtung eine wichtige Rolle. Hier hat jeder Hersteller sein eigenes Konzept. Während der Carving-Ski seinen Fahrer bereits bei einem geringen Aufkantwinkel direkt über die Schaufel in die Kurve zieht, entfaltet der Rocker-Ski seine Kurvendynamik erst mit zunehmendem Aufkantwinkel. Das heißt, je größer der Aufkantwinkel, desto mehr biegt sich der Rocker-Ski durch und desto mehr Kantenlänge kommt zum Einsatz. Dadurch wird der Ski bei der Kurveneinfahrt gutmütiger, fehlerverzeihender und lässt mehr Bewegungsspielräume zu. Ein Ski mit Rocker-Technologie verleiht somit ein sicheres Fahrgefühl, ohne zu viel Kraft zu kosten, ein schnelles Reagieren in Gefahrensituationen ist jederzeit möglich, und vor allem der Kraftaufwand über den ganzen Skitag hinweg ist im Vergleich zu den bisher bekannten Carving-Ski überschaubar.

Was empfehlen Sie, wenn man sich für den kommenden Winter einen neuen Ski kaufen möchte?))

Andreas König: Ich rate dringend, den Wunschkandidaten vor dem Kauf einem Praxistest zu unterziehen, da die Vorlieben eines jeden Skifahrers unterschiedlich sind.

24.10.2012
© planetSNOW