planetSNOW zeigt die Top-Trends der nächsten Saison bei Ski, Ausrüstung und Mode. Plus: ISPO Awards für die besten Neuheiten. mehr ...
R.I.P Shane McConkey
Mit dem Tod von Shane McConkey verliert die Gemeinde der Skifahrer und B.A.S.E-Jumper einen ihrer schillerndsten Protagonisten. McConkey starb beim Dreh zum neuen MSP-Film in den italienischen Dolomiten.
Der 26. März wird in der Skiwelt künftig betrauert als Tag, an dem Superman starb. So sieht es zumindest McConkeys Fangemeinde, die sich weltweit online solidarisiert und um einen Skifahrer trauert, der als absolutes Unikat und Motor der Szene galt.
Seit zwei Jahrzehnten prägte der im kanadischen Vancouver geborene Sympathieträger das Bild des Big Mountain Ridings. Er begeisterte seine Fans nicht nur durch spektakuläre Abfahrtsritte, sondern nahm sich dabei selbst nicht zu ernst.
Welcome to the next level
Unvergessen sind die Auftritte seines Alter Egos Saucer Boy (einem Jack Daniels saufender Après-Alki in neonfarbener Alpinausrüstung samt Plastikschlitten) oder die Bond-Parodie in MSPs »Seven sunny days«.
Außerhalb der Skiszene machte sich McConkey als BASE-Jumper einen Namen. Über 700 mal sprang Shane dabei unfallfrei von Gebäuden oder Felsen. So war es nur eine Frage der Zeit, bis er anfing, beide Sportarten miteinander zu paaren. Auf Skiern raste er tollkühne Linien am Abgrund entlang, nur um sich dann über selbigen in die Tiefe zu verabschieden. Dererlei Husarenritte waren für viele stets die Höhepunkte in den alljährlichen Skifilmen von Matchstick Productions. Unvergessen auch die Szene, in der McConkey vor den Augen einer Touristengruppe am Eiger eine Steilflanke befährt, um sich dann vor den kreischenden Zuschauern mit einem Frontflip zu verabschieden.
McConkey war jedoch nicht nur vor laufenden Kameras ein Pionier, auch hinter den Kulissen der Skiindustrie setzte er Ideen um, die anfangs durchweg als versponnen galten, sich im Laufe der Jahre aber als neuer Standard etablierten. Der mit seinem damaligen Sponsor Volant entwickelte Ski Spatula gilt heute als Mutter aller Rocker-Ski. Und der so unfahrbar aussehende K2 Pontoon, zusätzlich zum Rocker mit einem schmalen Heck versehen, entwickelte sich binnen kürzester Zeit zu einer Powderwaffe, mit der man nicht nur am Lift ordentlich Eindruck schinden konnte, sondern auch im Tiefschnee die Eintrittskarte fürs nächste Level unter den Füßen hatte.
Klare Ansage vor der Saison
Auch im neuen MSP-Film Claim, gedreht im Winter 07/08, spielte McConkey mal wieder gekonnt mit seiner Rolle als alternder Ski-Pro - seinen ersten Filmauftritt hatte er immerhin 1992 - und proklamierte frech: I'm not done yet. Weder der ihm ins Gewissen redende Saucer Boy, noch die etwas beleibte Opernsängerin, die gerade zur Schlussarie ansetzen will, und kurzerhand von Shane aus dem Bild geschoben wird, konnten ihn davon abhalten, wieder einen der besten Parts im gesamten Film abzuliefern.
Im Sommer konzentriert sich Shane jetzt verstärkt auf das BASE-Jumpen im Wingsuit. Stoffdreicke zwischen den Beinen und an den Ärmeln sorgen dabei für zusätzlich Auftrieb und ermöglichen wahnwitzige Stunts, da die Springer quasi zu menschlichen Flugzeugen werden. Diese Anzüge erfordern allerdings auch einiges mehr an Können, da es bedeutend schwieriger ist, wieder in Normalposition zum Auslösen des Schirmes zu gelangen, wenn man ins Trudeln gerät.
Und genau dieser WIngsuit scheint ihm nun zum Verhängnis geworden zu sein. Bei einem Filmstunt, den sie in einer ähnlichen Form schon am Vortag performt haben, sind Shane und sein Partner in crime JT Holmes ein zweites mal das Val Scura Couloir in den Dolomiten angegangen. Anstatt es bis unten abzufahren, sind sie nach einem Drittel der Strecke nach rechts auf eine weite Schneefläche hinaustraversiert. Von dort sind sie dann nacheinander abgefahren auf einen 600 m hohen Abgrund zu. Erst JT, dann Shane. Während ersterer ohne Probleme landen konnte, schien Shane nach einem perfekten doppelten Backflip Probleme zu haben, die speziell präparierten Bindungen seiner Ski zu lösen. Dies ist essentiell, um die Gleitfähigkeit des Wingsuits nicht zu mindern und den Schirm auslösen zu können. Beim Nachfassen gelang es Shane zwar, die Bindungen zu lösen, doch um die Trudelbewegung, in die er durch die Aktion geraten war, aufzulösen und den Schirm rechtzeitig zu ziehen, war es bereits zu spät. Nach geschätzten 12 Sekunden, so Augenzeuge JT Holmes später, schlug Shane ungebremst in eine schräge Schneefläche und verstarb augenblicklich.
Shane hinterlässt seine Frau Sherry und die dreineinhalb Jahre alte Tochter Ayla.

