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Shane McConkey: Der Schicksalstag
Nach ein paar Tagen des Erkundens, dem erfolgreichen Sassongher-Sprung und einem Schlechtwetter-Tag fuhren Holmes, McConkey und ihr Guide am Morgen des 26. März mit der Gondel auf den Sass Pordoi, um den »Double-Stager« vorzubereiten.
McConkey und Holmes verbrachten etwa eineinhalb Stunden damit, ein Cliff zu studieren, das sich für einen »Double-Stager« eignen würde. Um 10.30 Uhr tranken sie Kaffee in der Bergstation und beschlossen einen Wingsuit-Ski-Base von einer Stelle am Sass Pordoi, von der McConkey bereits im vorigen Sommer gesprungen war und die er und Steve Winter vor ein paar Tagen mit dem Hubschrauber ausgekundschaftet hatten. Von der Bergstation aus fuhren sie in eine enge Lücke zwischen zwei Cliffs, traversierten mit Steigeisen und Eisäxten rechts raus auf ein steiles Schneefeld, das oben und unten von Felsklippen begrenzt ist. Sie erreichten das gewählte Cliff gegen 13.30 Uhr und schauten über die Kante in das 1500 m tiefer liegende Tal.
A tribute to Shane
Die Skifilmer von Matchstick Productions zollen ihrem vielleicht besten Athleten Tribut und geben seinen Clip im gerade eben erschienenen »In deep« für die Youtube-Gemeinde frei. Den ganzen Film gibt es im gutsortierten Skishop oder unter www.x-tremevideo.com.
Wie immer bereiteten McConkey und Holme ihren Sprung akribisch vor: Nachdem sie ihre Wingsuits weiter oben abgelegt hatten, fuhren sie runter zur Kante des 300 Meter hohen Cliffs. McConkey seilte sich ab, um die Absprungstelle zu untersuchen und nach Hindernissen Ausschau zu halten. Ein sauberer Absprung war wichtig, da ein Wingsuit-Flug mehr Stabilität erfordert als ein Standard-Ski-Basejump. Dann schmissen sie Steine runter und zählten die Sekunden im freien Fall – zehn bis zwölf, es sah gut aus.
»Das Einzige, das nicht perfekt war, war die Absprungstelle. Aber das brachten wir in Ordnung«, sagt Holmes. Die beiden schaufelten an der Kante des Cliffs einen Kicker. Der bindungslose Pulverschnee erschwerte die Arbeit, aber gegen halb vier waren sie fast fertig. Winter, der in der Helikopter-Base auf das »Go« von McConkey wartete, bekam kurz vor 16 Uhr eine SMS: »Wir haben eine Schanze auf ein leichtes, riesiges Cliff gebaut. Wetter sieht gut aus. Rufe an, wenn wir soweit sind.«

- Kamera läuft, und Action - mit derart gewagten Linien begeisterte McConkey alljährlich die Filmer von MSP.
Foto: Flip McCrick
Selbstgebasteltes Bindungssystem
Die Ausrüstung anzulegen war ein komplizierter Prozess – erst die Skiklamotten, dann die Wingsuits, dann die Skischuhe. Wie immer gingen sie gemeinsam ihre Sicherheitsliste durch, checkten mehrmals ihre Bindungen, indem sie rein- und rausklickten, um sicherzugehen, dass die Auslösung funktionierte. Sie benutzten die altmodische 80er-Jahre Tyrolia-Bindung vom Typ 480, die sie gebraucht im Internet kauften. Das war notwendig, damit ihr selbstgebasteltes System funktionierte: Sie konnten nicht mit den Wingsuits fliegen, solange sie Ski anhatten. Die Lösung war ein einzigartiges Feature der Tyrolia: Ihr Fersenteil löst sich, indem man nach oben zieht, und nicht, indem man nach unten drückt. Das ermöglichte ihnen eine mit Griffen ausgestattete Auslöseleine am Fersenteil zu befestigen. Die Griffe sicherten sie mit Klettverschlüssen an ihren Oberschenkeln. So konnten sie die Ski während des Fluges lösen und trotzdem eine stabile Flugposition beibehalten.
McConkey trug eine braune Skihose, eine leuchtend gelbe Jacke, seinen Red-Bull-Helm und eine Sonnenbrille. Er stampfte lockeren Schnee zur Seite, als er gegen 17 Uhr in einer SMS an Winter erklärte: »Wir haben einen Fehler bei der Schanze gemacht. Mussten eine Neue bauen. Ziehen uns jetzt an. Licht ist gut, Windstille. Bleib’ auf Abruf.« Als sie fertig waren, riefen sie Winter und die MSP-Crew an.
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23.11.2009
© planetSNOW
Autor: Tim Sohn


