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Chris Davenport, 38, ist ein Evergreen der Freeride-Szene, jemand, der vor Ideen sprüht, ein Pionier und ein Alleskönner – sei es beim Filmen, Fotografieren oder Guiden, als TV-Moderator oder Journalist, bei Contests oder dem »Freeride-Mountaineering«.
Chris, vor zwei Jahren hast du innerhalb eines Jahres alle 14000 Fuß (= 4267 m) hohen Berge in Colorado mit Ski bestiegen und das »Freeride-Mountainiering« populär gemacht. Was ist aus deinen Plänen für das 14000er Projekt in Kalifornien geworden?
Ich habe letztes Jahr damit angefangen und werde das Projekt in dieser Saison abschließen – voraussichtlich schon im Januar. Damit werde ich der erste Skifahrer sein, der alle 14000er der USA (ohne Alaska) abgefahren ist. Und natürlich gibt es dann wieder ein neues Buch: »50 klassische Skiabfahrten in Nordamerika«.
Welche Pläne hast du noch für den kommenden Winter?
Ich werde fünf Wochen in der Antaktis verbringen und dort zusammen mit Stian Hagen und Andrea Binning einen eigenen Film produzieren. Für die Dreharbeiten planen wir einige Erstbefahrungen in den Bergen der Antarctic Peninsula. Dann mache ich die Moderation für die Skiwettkämpfe bei der Olympiade in Whistler, im März filmen wir wieder mit Warren Miller, dann besteige ich mit einem Kunden den Mount Everest – und dann kommt noch das jährliche Skicamp in Chile...
Wie schaffst du es das Skifahren mit deiner Familie zu vereinbaren?
Vereinbaren ist schwierig. Nach Chile kommen meine Frau und die drei Jungs immer mit. Die Großen (7 und 8 Jahre) sind im Gelände mittlerweile gut genug um fast überall mitzufahren. Ansonsten bin ich eher gut dabei diese beiden Bereiche zu trennen – sonst würde dieses Leben gar nicht funktionieren. Erst wenn ich auf dem Heimweg bin, morgen früh am Flughafen zum Beispiel, fange ich an die Vier Zuhause zu vermissen. Meistens bin ich 200 Tage im Jahr unterwegs.
Letztes Jahr waren es sogar 7 Monate.
Und das kommende Jahr klingt wieder genauso projektreich...
Ja, das ist nicht einfach für Jesse, aber sie ist wirklich super und unterstützt mich sehr. Zum Glück haben wir ein Au Pair-Mädchen. Das ist eine große Hilfe. Und im Sommer fahren wir alle zusammen drei Monate lang nach Italien – das hat sie sich gewünscht.
Bei all deinen vielen Ideen und unterschiedlichen Projekten - was macht dir am meisten Spaß?
Am allerliebsten gehe ich zu Hause in Aspen mit meinen Kids zum Skifahren! Das ist entspannend, da gibt es keinen Druck, keine Erwartungen. Aber die Freeride-Mountainiering-Projekte mag ich auch sehr gerne. Sie sind viel Arbeit in der Vorbereitung und es ist ein tolles Gefühl es geschafft zu haben. Ich mag es, viele unterschiedliche Dinge zu tun. Man bleibt wach dabei und offen für neue Ideen. Aber manchmal ist mir einfach alles zu viel. Dann ist es wichtig »Nein« zu sagen. Alleine die vielen E-mails – ich könnte wirklich einen Assistenten gebrauchen...
Gibt es etwas, dass du bei dir skifahrerisch verbessern möchtest?
Skiingskills reifen das ganze Leben. Man muss immer weiter üben, neue Dinge ausprobieren, sich an neues Equipment gewöhnen und lernen die Möglichkeiten der Innovationen auszuschöpfen. Das ist nicht anders als bei Tiger Woods, der auch ständig an sich arbeitet und sich immer weiter verbessert. Ich trainiere meine Fitness und korrigiere ständig meine Technik. Beim Guiden und Unterrichten kann man schnell etwas verlernen. Deshalb ist es wichtig, immer wieder mit inspirierenden Leute unterwegs zu sein. Leute, die dich richtig pushen. Mike Douglous ist für mich zum Beispiel so jemand. Er ist der »Godfather des New School Skiings«, des Freeskiings wie wir es heute kennen. Auch Shane McConkey gehörte für mich zu diesen Leute. Wir waren oft zusammen unterwegs.
In den letzten Jahren ist im Skisport viel passiert. Was kommt noch?
Vor 15 Jahren hatten alle noch die gleichen, schmalen Ski – heute gibt es eine unglaubliche Vielfalt spezieller Modelle. So extrem schnell und grundlegend, wie sich das Skifahren in den letzten Jahren verändert hat, wird es nicht weitergehen. Ich denke, dass die Entwicklungen wieder sehr viel langsamer vorwärtsgehen werden. Aktuell versuchen die Skigebiete hier in den USA neue Lifte zu bauen, die zusätzliches, gesichertes Freeridegelände erschließen.
Was war dein schönster Ski-Moment?
Es gab einige dieser besonderen Momente... Einer davon war mein Sieg bei den World Championship im Freeskiing 1996. Das war der Wendepunkt meiner Karriere. In diesem Moment wusste ich plötzlich, das ich es schaffen kann, das ich vom Freeskiing leben kann. Und dann dieses Gefühl, als ich von dem letzten der 14000er-Gipfel in Colorado zurück kam. Ich hatte ein Jahr lang alles in dieses Projekt investiert – und dann hatte ich es plötzlich geschafft!
Hast du manchmal Angst beim Skifahren?
Nein, ich habe keine Angst. Wenn man Angst hat, stimmt irgendetwas nicht. Dann sollte man es nicht tun.
Aber bei einer Mount Everest-Besteigung gibt es viele unkalkulierbare Situationen. Da kann es zu spät sein, wenn man merkt, dass etwas nicht stimmt?
Ja, aber das bedeutet für mich nicht, Angst haben zu müssen. Es bedeutet, dass ich sehr, sehr vorsichtig sein muss.
Mehr über Chris Davenport erfahrt ihr unter www.steepskiing.com und www.skithe14ers.com
24.11.2009
© planetSNOW Ausgabe 02/2009
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